Mordfall Breck Bednar
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Der Mord am 14-jährigen Breck Bednar, der sich im Februar 2014 in England ereignete, zählt zu einem der am meisten bekannt gewordenen Fälle von Cyber-Grooming; der Fall wurde auch in deutschsprachigen Medien thematisiert.[1] Auch wurde das Drama bisher zweimal verfilmt.
Hintergrund
Opfer
Breck David Lafave Bednar wurde am 17. März 1999 in Caterham, in der britischen Grafschaft Surrey, geboren. Er war das älteste Kind von Barry Bednar und dessen Frau Lorin Lafave, zwei gebürtigen US-Amerikanern, die 1996, drei Jahre vor Brecks Geburt, berufsbedingt von Texas nach England zogen. Barry Bednar verdiente seinen Lebensunterhalt als Ölhändler und Schifffahrtsberater und war kurzzeitig sogar Millionär. Lorin arbeitete als Lehrerin. Die Familie gehörte somit zur wohlhabenden Schicht. 1999 kam Breck zur Welt; seinen Namen bekam er, da sich seine Eltern in Breckenridge im US-Bundesstaat Colorado kennengelernt hatten. Ende 2000 brachte Lorin die Drillinge Chloe, Carly und Sebastian zur Welt, so dass Breck auf einmal drei jüngere Geschwister hatte.
Breck besuchte die St Bede's School in Redhill, an der er zu den besten Schülern seines Jahrgangs zählte. Er verfolgte bereits als Kind große Ziele, da er als Erwachsener gerne den Beruf des Piloten ergreifen wollte. Um bereits als Jugendlicher erste Erfahrungen zu sammeln, wurde er Mitglied im Air Training Corps, einer militärischen Jugendorganisation, die mit dem britischen Verteidigungsministerium und der Royal Air Force eng zusammenarbeitete.
Im Jahr 2006, als Breck sieben Jahre alt war, trennten sich seine Eltern; er blieb danach zusammen mit seinen Geschwistern bei seiner Mutter in Caterham. Dennoch pflegte er weiterhin einen guten Kontakt zu seinem Vater und besuchte ihn übers Wochenende. Breck wurde als hilfsbereiter Junge beschrieben, der mit seiner Mutter und seinen Geschwistern regelmäßig den katholischen Gottesdienst am Sonntag besuchte.
Die Freizeit verbrachte er jedoch wie viele Jugendliche am Computer, wo er mit Freunden Online-Spiele absolvierte.
Anbahnung der Tat
Breck verbrachte in seiner Freizeit viel Zeit am Computer und nutzte den Instant Messenger TeamSpeak, um sich mit Schulfreunden und Bekannten auszutauschen. Die Gruppe spielte gemeinsam Ego-Shooter wie Call of Duty und Battlefield 3. Anfang 2013 trat die sechsköpfige Gruppe online mit einem Nutzer namens EagleOneSix in Kontakt, der sich als Lewis Daynes vorstellte. Zwischen Breck und Daynes entwickelte sich eine enge Online-Freundschaft. Brecks Mutter Lorin stand diesem Kontakt kritisch gegenüber, da Daynes widersprüchliche Angaben zu seiner Person machte. Unter anderem behauptete er, ein millionenschweres Unternehmen gegründet zu haben, für die US-Regierung zu arbeiten und an Orten wie New York City, Dubai oder in Syrien zu leben. In der Folgezeit fokussierte sich Breck zunehmend auf den Kontakt zu Daynes und vernachlässigte seine bisherige Online-Gruppe. Unter dem Einfluss von Daynes veränderte Breck sein Verhalten: Er lehnte den gemeinsamen Kirchgang mit seiner Familie ab, verweigerte Aufgaben im Haushalt und geriet häufig in Konflikt mit seiner Mutter. Im Sommer 2013 isolierte er sich weitgehend in seinem Zimmer und verbrachte einen Großteil seiner Zeit online. Mit der Aussicht auf eine von Daynes versprochene Anstellung bei Microsoft verließ Breck das Air Training Corps und begann zudem, der Schule fernzubleiben. Die familiäre Situation eskalierte weiter, als bekannt wurde, dass Daynes Breck Videos von Enthauptungen zugesendet hatte, die dieser sich auch ansah. Brecks Mutter befürchtete zunehmend, dass es sich bei dem Kontakt um einen Pädophilen handeln könnte, da sie das Interesse eines angeblich vermögenden Erwachsenen an einem 14-Jährigen hinterfragte. Breck wies diese Bedenken jedoch zurück und verteidigte Daynes. Daynes nutzte seine Position als Administrator der Online-Gruppe, um Teilnehmer nach Belieben stummzuschalten oder auszuschließen, was zur zunehmenden Isolation Brecks von seinen ursprünglichen Freunden führte. Breck blieb Daynes gegenüber loyal. Ein Versuch seiner Mutter, den Kontakt durch die Installation einer Kindersicherung auf Brecks Server zu unterbinden, blieb erfolglos, da Daynes diese umgehen konnte. Am 17. Dezember 2013 meldete Lorin ihre Bedenken der Polizei in Caterham. Die Polizei sicherte zunächst eine Überprüfung von Lewis Daynes’ Online-Aktivitäten zu, stellte die Ermittlungen jedoch bereits nach einer Stunde wieder ein. Um die Weihnachtszeit 2013 organisierte Lorin ein Treffen mit den Freunden aus der Online-Gruppe und deren Eltern. Im Zuge dieses Treffens versprach Breck seiner Mutter den Kontaktabbruch zu Daynes. Tatsächlich berichtete er Daynes jedoch von dem Treffen, woraufhin sich die Kommunikation der beiden auf das Mobiltelefon verlagerte. Dies ermöglichte eine noch intensivere Kontaktaufnahme unabhängig vom Computer. Während einer Klassenfahrt nach Spanien im Februar 2014 veröffentlichte Breck ein Foto von sich und einer neuen Bekanntschaft in einem sozialen Netzwerk. Daynes forderte ihn daraufhin mit beleidigenden Äußerungen über das Mädchen auf, das Bild umgehend zu entfernen, woraufhin Breck der Aufforderung nachkam. Kurz darauf behauptete Daynes, unheilbar krank zu sein und Breck sein vermeintliches Unternehmen überschreiben zu wollen. Unter dem Vorwand, Vertragsdokumente für diese Überschreibung unterzeichnen zu müssen, initiierte Daynes ein Treffen mit dem 14-jährigen Breck. Als Datum wurde der 16. Februar 2014 vereinbart; die Details für die Anreise übermittelte Daynes per E-Mail.
Mord
Am Wochenende des 16. Februar 2014 sollte Breck bei seinem Vater Barry Bednar übernachten. Breck gab jedoch an, bei einem Freund übernachten zu wollen, was sein Vater ihm gestattete. Für den darauffolgenden Tag, den 17. Februar, war ein Familientreffen anlässlich des Geburtstags seiner Mutter Lorin geplant. Am frühen Nachmittag des 16. Februar fuhr Breck mit einem von Daynes bezahlten Taxi in die 47 Kilometer östlich von Caterham gelegene Stadt Grays in der Grafschaft Essex. Dort begab er sich zu der Adresse von Daynes, die sich in einem einstöckigen Mehrfamilienhaus befand. In den frühen Morgenstunden des 17. Februar loggte sich der Account EagleOneSix auf TeamSpeak ein und veröffentlichte Bilder der Leiche von Breck Bednar. Andere Mitglieder der Online-Gruppe sahen die Fotos und kontaktierten Brecks jüngere Geschwister. Daraufhin informierte die Mutter die Polizei. Daynes hatte sich zu diesem Zeitpunkt bereits selbst telefonisch bei den Behörden gemeldet und angegeben: „My friend and I got an altercation. And I am the only one who came out alive!“ (Mein Freund und ich hatten eine Auseinandersetzung und ich bin der einzige, der da lebend rausgekommen ist!) In seiner ersten Aussage behauptete Daynes, Breck habe ihn mit Suizid-Absichten besucht. Bei dem Versuch, ihn davon abzubringen, sei es zu einem Streit gekommen, in dessen Verlauf Daynes in Notwehr gehandelt habe. Er gab zu Protokoll: „Ich ergriff das Messer und stach ihm in den Nacken, ich glaube in die Nähe des Hirnstamms. Ich weiß nicht mehr genau, was passiert ist, aber der Kampf endete damit, dass ich ihm die Kehle durchgeschnitten habe.“ Nach dem Eintreffen der Polizei an der Adresse von Daynes wurde dessen wahre Identität festgestellt: Entgegen seiner Online-Behauptungen handelte es sich bei ihm nicht um einen erfolgreichen Unternehmer, sondern um einen 18-jährigen, arbeitslosen Informatiker.[2] Daynes war ein Einzelkind, das bei seiner Mutter und später bei seinen Großeltern aufgewachsen war. Er galt als Einzelgänger und lebte seit seinem 16. Lebensjahr in einer Einzimmerwohnung, die seinen Großeltern gehörte. Aufgrund seines jugendlichen Aussehens wurde er in der britischen Presse, unter anderem im The Daily Telegraph, später als „Babyface-Killer“ bezeichnet. Die Spurenlage am Tatort widersprach Daynes' Aussage, in Notwehr gehandelt zu haben. Breck Bednars Leichnam wies mehrere Messerstiche im Halsbereich auf. Er lag fast vollständig entkleidet sowie an Händen und Füßen mit Klebeband gefesselt auf dem Boden von Daynes' Wohnung. An der Leiche wurden Spermaspuren von Daynes sichergestellt; eine abschließende Klärung, ob es zu einvernehmlichen sexuellen Handlungen oder einem sexuellen Missbrauch gekommen war, war nicht mehr möglich. Die blutgetränkte Kleidung des Opfers wurde in einem Müllbeutel aufgefunden. Im Waschbecken des Badezimmers hatte Daynes zudem versucht, seinen Laptop und sein Mobiltelefon durch Wasser zu zerstören.
Urteil und weitere Folgen
Der Strafprozess gegen Lewis Daynes begann am 25. November 2014. Daynes bekannte sich schuldig. Am 12. Januar 2015 wurde er nach rund zweimonatiger Prozessdauer zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt, was nach englischem Recht eine Mindesthaftdauer von 25 Jahren bedeutet. Die zuständige Staatsanwältin Jenny Hopkins erklärte in ihrem Plädoyer: „Wir sind davon ausgegangen, dass Lewis Daynes, obwohl er erst 18 Jahre alt war, als er den Mord an Breck beging, eine kontrollierende und manipulative Person war, die dieses Verbrechen sorgfältig geplant hat. Das Ausmaß der Planung und Manipulation durch Daynes ist schockierend, und wenn man das junge Alter von Täter und Opfer bedenkt, ist dies einer der grausamsten, gewalttätigsten und ungewöhnlichsten Fälle, mit denen wir je zu tun hatten!“[3] Nach seinem Haftantritt betrieb Daynes aus dem Gefängnis heraus einen Blog. Darin kritisierte er die mediale Darstellung seiner Person, schilderte den Fall aus seiner Sicht und beleidigte Brecks Mutter Lorin. Eine von ihr erstattete Anzeige wegen Beleidigung führte zu keiner Anklage. Eine Aufforderung an Google LLC, den Blog zu löschen, wurde vom Unternehmen mit dem Hinweis abgewiesen, die Mutter müsse dies direkt mit Daynes klären. Wie Daynes trotz des Verbots von Mobiltelefonen und Laptops in seiner Zelle den Blog betreiben konnte, blieb ungeklärt. Im Jahr 2019 wurde eine von Brecks Schwestern über einen Zeitraum von mehreren Tagen via Snapchat bedroht. Eine Person, die sich als Cousin von Lewis Daynes ausgab, drohte dabei unter anderem mit der Zerstörung von Brecks Grabstein. Lorin Bednar gründete in der Folge die Organisation The Breck Foundation, um Jugendliche für Gefahren im Internet zu sensibilisieren, und hält dazu Vorträge an britischen Schulen. In einem BBC-Interview sagte sie: „Ich möchte, dass die Tragödie von Breck allen die Augen öffnet, um die Gefahren von Online-Straftätern zu erkennen. Das ist heute eine sehr reale Gefahr. Wir müssen alle aufeinander aufpassen.“ Aufgrund der Einschätzung, der Mord an ihrem Sohn hätte verhindert werden können, verklagte Lorin Lafave die Polizei von Surrey. Sie hatte den Behörden im Dezember 2013 ihre Bedenken bezüglich Daynes mitgeteilt, die polizeilichen Ermittlungen waren jedoch nach etwa einer Stunde wieder eingestellt worden. Eine Überprüfung von Daynes hätte ergeben, dass er bereits im Alter von 16 Jahren der sexuellen Belästigung und des Missbrauchs eines 15-Jährigen beschuldigt worden war und im Jahr 2010 kinderpornografisches Material auf seinem Computer sichergestellt worden war. Das Gericht gab der Klage statt und sprach Lorin Lafave Schmerzensgeld zu.
Verfilmungen
- 2016 wurde das 60-minütge Dokudrama Murder Games: The Life and Death of Breck Bednar produziert, mit Laurie Kynaston in der Rolle von Breck Bednar und Sam Clemmett als Lewis Daynes.
- 2018 entstand im Rahmen der mehrteiligen Dokureihe Internet der Lügen die 45 Minuten lange Episode Der Mentor. Die Episode wurde auch in deutscher Sprache auf dem Fernsehsender TLC ausgestrahlt. Darin verkörperte Thomas Nyhuus Breck Bednar, Vicki Schnurr dessen Mutter Lorin und Aidan Seignuer Lewis Daynes.
Weblinks
- Breck Foundation (Website, englisch)
- Internet der Lügen – Der Mentor (Doku auf TLC, deutsch)
- Breck Bednar: Ermordet vom Internetfreund... | Dokumentation 2022 (Doku auf Youtube)
- True Crime: Der Fall Breck Bednar (Doku auf YouTube)