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Mordfall Charles Werabe

rassistisch motiviertes Verbrechen in Deutschland 2014 From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Mordfall Charles Werabe war ein rassistisch motiviertes Verbrechen, bei dem am 23. Oktober 2014 in Limburg an der Lahn ein 55-jähriger Mann afrikanischer Herkunft von drei Tätern gemeinschaftlich ermordet wurde.

Gedenkplatte

Hintergrund

Brückengasse 2 in Limburg

Der 1959 in Ruanda geborene Charles Werabe war 1972 vor dem ethnischen Konflikt zwischen Hutu und Tutsi aus seinem Heimatland nach Deutschland geflohen.[1] In Limburg wohnte er in einer städtischen Unterkunft für Obdachlose in der Brückengasse 2,[2] in die er erst zwei Wochen vor seinem Tod eingezogen war.[1] Dort wurde er vom ersten Tag seiner Unterbringung an rassistisch beleidigt und bedroht, weil andere Bewohner meinten, dass die Ressourcen der Unterkunft nur ihnen vorbehalten sein sollten.[3]

Tathergang

In der Nacht auf den 23. Oktober 2014 griffen drei Männer, die sich in der Obdachlosenunterkunft aufhielten, erhebliche Mengen Alkohol konsumiert und Rockmusik mit fremdenfeindlichen Texten gehört hatten, ihn unter einem Vorwand an und fügten Werabe, der in seinem Bett lag und sich nicht wehrte, durch Schläge und Tritte so starke Verletzungen an Kopf und Oberkörper zu, dass er starb. Sie ließen von ihm erst ab, als nur noch gurgelnde Geräusche des Sterbenden zu hören waren.[4] Bei den Tätern handelte es sich um einen 22-Jährigen und zwei 43 Jahre alte Männer. Zwei von ihnen waren Bewohner des Heims, der dritte war in unmittelbarer Nähe der Einrichtung wohnhaft.[1]

Reaktionen

Die Tat erregte große Aufmerksamkeit. In Limburg protestierten 200 Menschen bei einer Demonstration gegen Rassismus und forderten umfassende Aufklärung der Tat. Die Staatsanwaltschaft versicherte, sie wolle „offensiv mit der Möglichkeit umgehen, dass es bei der Tat ein fremdenfeindliches Motiv gegeben haben könnte“, und bezog sich dabei ausdrücklich auch auf die Mordserie der terroristischen Gruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU),[5] bei deren Aufklärung die Behörden weitgehend versagt und insbesondere jahrelang ausländerfeindliche und rechtsextreme Gesinnung als Motive nicht in Betracht gezogen hatten. Der NSU-Prozess hatte 2013 begonnen und dauerte zur Zeit des Mordes an Werabe und dessen strafrechtlicher Aufarbeitung noch an.

Strafprozess

Im April 2015 begann vor dem Landgericht Limburg der Prozess gegen zwei der drei Täter. Der 43-jährige dritte Beschuldigte hatte sich in der Untersuchungshaft das Leben genommen.[6] Das Gericht stufte die Tat in seinem Urteil vom 24. Juni 2015 als gemeinschaftlich begangenen Mord aus niedrigen Beweggründen ein.[4] Der ältere der beiden noch lebenden Täter wurde zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Einer lebenslangen Haftstrafe entging er, weil er wegen Trunkenheit nicht voll schuldfähig war. Sein 22-jähriger Mittäter wurde zu zehn Jahren Haft verurteilt und in eine Entziehungsklinik eingewiesen.[7] In ihrer Urteilsbegründung erklärte die Vorsitzende Richterin, die Täter seien von „Verachtung und Hass zur Tat angetrieben“ worden und hätten sich „von ihrem rechtsorientierten Gedankengut“ leiten lassen.[1] Zwar hätten sie keiner rechtsradikalen Gruppe angehört, jedoch ständig fremdenfeindliche Reden gehalten und damit geprahlt, Ausländer geschlagen zu haben.[8] Sie hätten schon vor der Tat beschlossen, ihr Opfer wegen seiner Hautfarbe aus dem Haus zu vertreiben.[1] Die Revision eines der Täter verwarf der Bundesgerichtshof am 14. Januar 2016 als unbegründet.[4]

Die Tat wurde auch in einer Antwort der Bundesregierung 2020 auf eine Kleine Anfrage von Abgeordneten der Partei Die Linke im Bundestag als rechtsextrem motivierte Tötung eingestuft.[9]

Gedenken

In Limburg erinnert seit 2018 eine Gedenktafel an Charles Werabe.[1][10] Zum zehnten Jahrestag von Werabes Ermordung wurde 2024 zu einer Demonstration aufgerufen.[11]

Quellen

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