Morin (Adelsgeschlecht)
Adelsgeschlecht
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Die Familie Morin (auch Moryn, Marin oder Maryn) war ein mecklenburgisches Adelsgeschlecht mit Besitz- und Einflussgebieten im Umfeld der Müritz. Das Geschlecht erlosch im 17. Jahrhundert. Es bestand keine Stammesverwandtschaft zum ähnlich geschriebenen, westfälischen Adelsgeschlecht Morrien.

Name
Der Familienname Morin steht in engem Zusammenhang mit gleichnamigen Orts- und Flurnamen im Müritzraum, insbesondere mit Morin bei Röbel sowie Morin bei Penzlin (heute Marihn), mit denen Mitglieder der Familie nachweislich zeitweise belehnt waren. Ob der Ortsname vom Geschlecht oder das Geschlecht vom Ortsnamen abgeleitet ist, lässt sich nicht eindeutig klären.
Wappen

Das Wappen der Familie Morin zeigt in Blau zwei gestürzte, voneinander abgekehrte Angelhaken. Auf dem Helm mit blau-silbernen Decken zwei oben mit Pfauenfedern besteckte Spickel.[1]
Bildliche Darstellungen des Wappens finden sich auf einer Grabplatte in der St.-Marien-Kirche in Röbel sowie auf einem 1698 gestifteten Altarleuchter in der Kirche St. Maria und St. Laurentius in Ludorf.
Das Neue allgemeine deutsche Adels-Lexicon (1865) beschreibt das Wappen als „in Blau zwei mit den Spitzen aus- und oberwärts gekehrte Angeleisen“.[2] In der heraldischen Literatur wird zudem eine abweichende Darstellung überliefert: Nach Mecklenburgische Adelsgeschlechter (1894) führten die Morin „zwei eiserne Wurfanker mit Widerhaken, ins Kreuz gelegt, im blauen Feld; auf dem Helm einen solchen Wurfanker“.[3]
Geschichte
Das Geschlecht derer von Morin ist erstmals im Jahr 1261 urkundlich belegt.[4] In einer am 21. Januar 1261 ausgestellten Urkunde des Fürsten Nikolaus I. von Werle zur Bestätigung des Stadtrechts von Neu-Röbel wird ein Conrad von Morin als Grundherr genannt, dessen Feldmark bei der Festlegung der Stadtgrenzen herangezogen wird. Diese Erwähnung gilt als der bislang früheste gesicherte Nachweis des Geschlechts.[5]
Mit dem Tod Levin Ludwig von Morins im Jahr 1659 erlosch das Geschlecht im Mannesstamm.[6]
Ehemalige Besitzungen
Zum Besitz- und Einflussbereich der Familie Morin gehörten im Mittelalter und der frühen Neuzeit mehrere Orte im Müritzraum und dessen Umgebung. Nachweisbare Besitzungen, Belehnungen oder Pfandbesitzungen bestanden unter anderem in:
- Morin[6] mit Ludorf als Pertinenz (heute Wüstung)
- Kelle[6] (heute Groß Kelle)
- Priborn[6]
- Zielow[6]
- Buchholz[7]
- Schwarz[6]
- Krümmel[6]
- Prillwitz[7]
- Marihn bei Penzlin[6]
- Mistorf bei Teterow[6][8]
- Glevin[2] (heute Teil von Güstrow)
Stammsitz
Als mutmaßlicher Stammsitz der Familie Morin gilt die sogenannte Alte Burg Morin bei Ludorf. Die Reste der Anlage befinden sich wenige hundert Meter nordwestlich des Ortes in einer Wiesenlandschaft. Erhalten ist ein künstlich aufgeworfener, runder Hügel, der von einem Graben umgeben und heute mit Bäumen und Buschwerk bestanden ist.
Carl Christoph von Bülow beschrieb die Anlage im 19. Jahrhundert als umwallten Hügel mit einer Grundfläche von etwa 50 Ruthen, umgeben von Gräben, Teichen und Wiesen, der noch als „Schlossberg“ bezeichnet wurde. Das Baumaterial der Burg soll nach dem Dreißigjährigen Krieg zum Bau des späteren Gutshaus Ludorf verwendet worden sein (vgl. die Inschrift am Portal des Herrenhauses). Die Burganlage bestand demnach bis gegen Ende des 17. Jahrhunderts.[9]

Ein Bericht aus dem Jahr 1653 gibt detaillierte Einblicke in den baulichen und wirtschaftlichen Zustand des Hofes Morin. Demnach war der eigentliche Rittersitz noch bewohnbar und befestigt, während die zugehörigen Wirtschaftsgebäude bereits weitgehend baufällig waren. Zugleich werden erhebliche wirtschaftliche Einbußen geschildert, darunter Schäden durch Hochwasser der Müritz, der Verlust von Viehbestand sowie der Wegfall von Untertanen. Der Bericht verdeutlicht den fortgeschrittenen Niedergang der Burg- und Hofanlage im 17. Jahrhundert.[10]
Der Turmhügel ist heute als Bodendenkmal ausgewiesen. Ein steinerner Grabstein erinnert an das Grab des letzten Gutsherren auf Ludorf, Solzow und Gneve. Dabei handelt es sich um den, im Februar 1945 verstorbenen, Wilhelm von Schulse-Bülow. Er war ein direkter Nachfahre der letzten Angehörigen der Familie, Elisabeth von Morin († 1689).
Familienmitglieder
- Johannes von Morin († 1412), Probst in Alt-Röbel. Seine Grabplatte mit dem Wappen der Familie Morin befindet sich in der St.-Marien-Kirche in Röbel.
- Heinrich von Morin, Doctor der Rechte, Professor des kanonischen Rechts. Er war Professor an der Universität Rostock und bekleidete dort 1481 und 1483 das Rektorat. 1488 wurde er an die Universität Greifswald berufen, wo er 1489 ebenfalls das Rektorat innehatte. Zudem war er Kanoniker am Dom zu Güstrow sowie an der Marienkirche in Stettin und Propst zu Röbel. 1490 gehörte er einem Richterkollegium in einem Rechtsstreit gegen Berndt von Maltzan an.[11][12]
Sagen
In der regionalen Überlieferung des Müritzraums sind mehrere Sagen mit der Familie Morin verbunden, die vor allem mit dem Ort Ludorf und dessen Kirche verknüpft sind. Eine Sage berichtet, dass ein Ritter Wipert von Morin im Gefolge Fürst Pribislavs von Mecklenburg eine Wallfahrt zum Heiligen Grab unternommen habe und nach seiner Rückkehr den Bau der Kirche zu Ludorf veranlasst habe. Die achteckige Grundform der Kirche wurde dabei als bewusste Nachahmung der Grabeskirche gedeutet. Bereits die ältere landesgeschichtliche Literatur weist jedoch darauf hin, dass eine zeitliche Einordnung dieser Erzählung in die Zeit Fürst Pribislaws historisch nicht zutreffend sein könne; zugleich wird ein tatsächlicher Wallfahrtszug eines Angehörigen der Familie als möglicher Kern der Sage erwogen.[13]
Eine zweite, ebenfalls weit verbreitete Sage ist mit Henneke Morin verbunden. Ihm wird zugeschrieben, den bereits verfallenen Kirchturm von Ludorf seiner Glocken beraubt und diese veräußert zu haben. Der Überlieferung zufolge habe diese Tat sein Unglück heraufbeschworen: Henneke Morin sei während einer Pestepidemie im 17. Jahrhundert in Röbel gestorben und ohne kirchliche Zeremonien bestattet worden. In der landesgeschichtlichen Literatur wird diese Erzählung als volkstümliche Sage eingeordnet, die Motive von Frevel, Strafe und Verfall mit realen Erfahrungen der Zeit des Dreißigjährigen Krieges und der Pest verbindet.[14]
In späteren heimatkundlichen Darstellungen wurden diese Sagen weiter ausgeschmückt und literarisch ausgeformt, insbesondere die Erzählung um Henneke Morin, die um teuflische Motive, einen verhängnisvollen Handel und lokale Spuküberlieferungen erweitert wurde. Eine solche Fassung erschien 1926 im Röbeler Gedenkbuch zur 700-Jahr-Feier. Die Sage fand zudem Eingang in die moderne Kulturrezeption: 2008 wurde sie im Rahmen der Müritz-Saga unter dem Titel Pakt mit dem Teufel als Freilichttheaterstück dramaturgisch verarbeitet.[15]