Moritz Bleibtreu

deutscher Schauspieler From Wikipedia, the free encyclopedia

Moritz Johann Bleibtreu[1] (* 13. August 1971 in München) ist ein deutscher Schauspieler, Synchronsprecher und Regisseur. Seinen Durchbruch hatte er 1997 als Gangster Abdul in dem Roadmovie Knockin’ on Heaven’s Door. Seitdem spielte er in über 90 Film- und Fernsehproduktionen wie Lola rennt, Das Experiment oder Der Baader Meinhof Komplex.

Moritz Bleibtreu, 2014

Leben

Moritz Bleibtreu wurde 1971 als Sohn österreichischer Eltern, der Schauspielerin Monica Bleibtreu (1944–2009) und des Schauspielers Hans Brenner (1938–1998)[2] in München geboren, wuchs jedoch im Hamburger Stadtteil St. Georg auf. Seine Mutter war die Tochter des Schriftstellers und Theaterdirektors Renato Attilio Bleibtreu. Moritz Bleibtreus Urgroßmutter Maximiliane Bleibtreu, deren Schwester Hedwig Bleibtreu sowie deren Eltern Amalie Bleibtreu und Sigmund Bleibtreu waren ebenfalls Schauspieler. Moritz Bleibtreu ist durch die Ehe seines Vaters mit Ruth Drexel ein Halbbruder der Schauspielerin Cilli Drexel. Die Bleibtreustraße in Berlin, ist jedoch nach dem Schlachtenmaler Georg Bleibtreu benannt, der angeblich ein entfernter Vorfahre war.[3] Bereits als Kind stand er vor der Kamera, so vor allem in der von seiner Mutter und Rainer Boldt geschriebenen Kinderserie Neues aus Uhlenbusch mit Hans Peter Korff, der zu dieser Zeit mit Monica Bleibtreu verheiratet war. Es folgte eine weitere Rolle in Boldts Ich hatte einen Traum, wiederum mit Korff. Seine dritte Rolle hatte er 1986 an der Seite seiner Mutter im Fernseh-Dreiteiler Mit meinen heißen Tränen. Bleibtreu besuchte die Jahnschule (heute Ida-Ehre-Schule) in Hamburg-Harvestehude,[4] damals eine Gesamtschule. Diese Schule verließ er mit dem Realschulabschluss in der elften Klasse – wegen Nichterscheinens erhielt er keine Bewertung mehr. Er ging anschließend nach Paris, wo er eineinhalb Jahre als Au-Pair arbeitete und Französisch lernte. Nach einem weiteren Jahr in Italien ging er nach New York, wo er an kleineren Schauspielschulen Unterricht nahm. Er sprach am Actors Studio zwar ohne Erfolg vor, arbeitete jedoch in der Folge als Allroundkraft der Schule, was ihm den Vorteil einbrachte, die Schauspieler bei den Proben beobachten zu können.

Bleibtreu, der in Reinbek bei Hamburg lebt,[5][6] war ab 2006 bis 2014 mit seiner Freundin Annika liiert. 2008 wurden sie Eltern eines Sohnes.[7][8] 2022 heiratete er die Personalmanagerin Saskia de Tschaschell.[9] 2025 wurden sie Eltern eines Sohnes.[10]

Wirken

Moritz Bleibtreu und Johanna Wokalek auf der Berlinale 2018

Nach vierjährigem Auslandsaufenthalt setzte Bleibtreu seine Karriere mit 21 Jahren am Thalia Theater und am Schauspielhaus in Hamburg fort. Es folgten Rollen in kleineren Fernsehproduktionen. 1993 spielte er in Schulz & Schulz eine Nebenrolle, die schon seine große Wandelbarkeit zeigte.[11] 1994 spielte er in Rainer Kaufmanns ZDF-Fernsehkrimi Unschuldsengel an der Seite von Christian Näthe und Jürgen Vogel den schwulen Kneipenwirt Thorsten aus der Hamburger Stricherszene, der einem 16-jährigen Jungen hilft, die Unschuld seines Vaters zu beweisen, der einen jungen Mann aus dem Hamburger Rotlichtviertel getötet haben soll. Kaufmann besetzte ihn auch auf der Kinoleinwand in seiner Liebeskomödie Stadtgespräch als homosexueller, naiver Tischler Karl in einer ähnlich gelagerten Rolle. 1997 war er neben Til Schweiger und Jan Josef Liefers Hauptdarsteller in Knockin’ on Heaven’s Door, dem mit über drei Millionen Zuschauer erfolgreichsten deutschen Film des Jahres. Im Folgejahr übernahm er in Tom Tykwers auch international erfolgreichem Lola rennt die zweite Hauptrolle des Manni. 1998 entschied er für sich, „keine Fernsehfilme mehr zu machen, weil Kino eine aktive Form des Zuschauens ist, Fernsehen hingegen eine passive“.[12][13] Trotzdem war er von 2015 bis 2019 wieder in einer Fernsehproduktion zu sehen. In der ZDF-Krimireihe SCHULD nach Ferdinand von Schirach übernahm er die Hauptrolle des Strafverteidigers Friedrich Kronberg. 2001 spielte er eine der Hauptrollen in der Kifferkomödie Lammbock – Alles in Handarbeit, die 2017 als Lommbock fortgesetzt wurde. 2004 spielte er in Oskar Roehlers Agnes und seine Brüder den sexsüchtigen Bibliothekar Hans-Jörg. Auch in Roehlers nächstem Projekt, der Michel-Houellebecq-Verfilmung Elementarteilchen (2006) verkörperte er eine Hauptrolle, für die er mit dem Silbernen Bären als bester Darsteller der Berlinale ausgezeichnet wurde. Im 2008 erschienenen Drama Der Baader Meinhof Komplex war er als Andreas Baader zu sehen. Im selben Jahr kam auch der Gangsterfilm Chiko heraus. Gelegentlich wirkt er in größeren Nebenrollen internationaler Koproduktionen mit, wie in Vijay und ich – Meine Frau geht fremd mit mir von Sam Garbarski. Auch in Kinder- und Jugendfilmen war Bleibtreu zu sehen, unter anderem 2004 als spanischer „Fakir“ Lombardo in dem dänischen Abenteuerfilm Der Fakir oder 2016 als Holländer-Michel in der Wilhelm-Hauff-Verfilmung Das kalte Herz von Johannes Naber. In der Musical-Verfilmung Ich war noch niemals in New York, die 2019 in die deutschen Kinos kam, spielte er neben Heike Makatsch, Katharina Thalbach und Uwe Ochsenknecht als Axel Staudach in einer der Hauptrollen.

2020 stellte Bleibtreu beim Filmfest Hamburg sein Regiedebüt Cortex, das im Oktober 2020 seine Kinopremiere hatte, vor. 2021 war er in der sechsteiligen RTL+-Dramaserie Faking Hitler als Kunstfälscher Konrad Kujau an der Seite von Lars Eidinger zu sehen. Er betätigt sich neben seiner Arbeit vor der Kamera auch als Synchronsprecher, u. a. lieh er 2004 und 2006 Jason Raize seine Stimme für den in den Walt Disney Studios entstandenen US-amerikanischen 44. abendfüllenden Zeichentrickfilm Bärenbrüder sowie in dessen Fortsetzung Bärenbrüder 2. Bleibtreu war 2003 eines der Gründungsmitglieder der Deutschen Filmakademie. Seit 2010 ist eine Wachsfigur von Bleibtreu bei Madame Tussauds in Berlin ausgestellt.[14]

Kontroversen

  • Im Juni 2013 erregte Bleibtreu Aufmerksamkeit, als er mit Alexandra Maria Lara, Joko Winterscheidt, Christian Ulmen, Elyas M’Barek, Cro, Jürgen Vogel in einem Werbespot einer Fast-Food-Kette auftrat. Er rechtfertigte sich damit, dass er sich mit dem Spot den Luxus ermögliche, klein-budgetierte Filme zu drehen, und er das beworbene Produkt (Cheeseburger) gelegentlich selbst konsumiere.
  • Bleibtreu beteiligte sich im April 2021 an der Aktion #allesdichtmachen, bei der rund 50 prominente Schauspieler in Einzelvideos diverse Maßnahmen zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie kommentierten. Nach Intervention eines Werbepartners hat er auf die Veröffentlichung eines eigenen Video-Beitrages jedoch verzichtet.[15]

Filmografie

Kinofilme

Fernsehfilme

Fernsehserien und -reihen

Synchronrollen

Dokumentarfilm

  • Als Schauspieler geboren – Moritz Bleibtreu. Dokumentarfilm, Deutschland, 2011, 43 Min., Buch und Regie: Ulrike Bremer, Produktion: arte, Erstsendung: 26. August 2012 bei arte, Inhaltsangabe von ARD mit Fotos.

Auszeichnungen

Literatur

Einzelnachweise

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