Moritz Dümmel

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Moritz Andreas Dümmel (* 1999 in Bad Cannstatt) ist ein deutscher Künstler.

Moritz Dümmel während des Aufbaus einer seiner Ausstellungen in der Galerie im Kameralamt Waiblingen 2024.

Biografie

Moritz Dümmel wurde 1999 in eine Grafikdesigner-Familie geboren. Die Mutter war zudem noch künstlerisch tätig. Während der Schulzeit erhielt er Kunstunterricht von dem Ludwigsburger Künstler und Bildhauer Bernd Zimmer. Er besuchte 2019 bis 2023 die Freie Kunstschule Stuttgart und studierte dort im Fachbereich Freie Grafik. Hier bekam er unter anderem Unterricht bei Andrej Dugin, Frederick Daniel Bunsen und Thomas Heger.

Dümmel ist unter anderem in den Bereichen Zeichnung und Mixed Media der bildende Kunst künstlerisch tätig. Seit 2023 unterrichtet er Grafik und Mediales Gestalten an der Freien Kunstschule Stuttgart.[1]

Von 2021 bis 2024 übernahm er den 2. Vorsitz des Stuttgarter Künstlerbundes[2], seit 2025 ist er im Vorstand der Stockmayer-Stiftung Stuttgart[3] tätig. Ihm wurde unter anderem das Atelierstipendium der Stadt Waiblingen für 2018, der Publikumspreis des Förderpreises Jung + Gegenständlich, des Bodenseekreises 2022[4], der Joseph-und-Anna-Fassbender-Preis der Stadt Brühl (Köln) 2023[5] und der Förderpreis des VBKW Stuttgart 2024[6] verliehen.

Werk

Moritz Dümmels künstlerisches Werk umfasst vor allem großformatige Zeichnungen, Druckgrafiken, Objekte und installative Arbeiten. Ein zentrales, wiederkehrendes Motiv ist die Tür, die bei Dümmel weniger als funktionales Architekturelement denn als Sinnbild für Übergang, Schwelle und Ambivalenz erscheint. Ausgehend von Beobachtungen alltäglicher Architektur – etwa von Wohnungs-, Motel- oder Industrietüren – thematisieren seine Arbeiten Fragen von Zugang und Verweigerung, Innen und Außen, Offenheit und Abschottung.

Großformatige Kohlezeichnungen wie das Werk o. T. (Nr. 3) von 2023 entstammen aus der Serie An der Schwelle und behandelt das Thema von urbaner Stadtlandschaft, Intimität und dem Verhältnis zwischen Innen und Außen.

"Den unterschiedlichen Motiven sind verschiedene Darstellungsmodi zugeordnet: Die Türen werden meist in detailgetreuem Realismus wiedergegeben, erscheinen im Spiel von Licht und Schatten mit fein abgestuften Grautönen plastisch modelliert. Sichtbare Spuren des Arbeitsprozesses wie etwa herabgerieselter Kohlestaub konterkarieren den Illusionismus. Die Aktfiguren entbehren jeglicher Plastizität, werden einzig durch prominente Konturen ins Bild gesetzt. Die Tags schließlich fungieren als rein grafisch-lineares Element in Schwarz oder Weiß, das spannungsvoll-dynamische Akzente setzt. Ihre ursprünglich plakative Wirkung büßen sie zugunsten der Einbindung in den gestalterischen Gesamtkontext ein. Die verschiedenen Elemente und Bildebenen überlagern und durchdringen sich gegenseitig: Hauptmotiv und Beiwerk werden durch die gleiche Strichqualität in dieselbe Bildebene geholt; die Grenzen zwischen Vorder-, Mittel- und Hintergrund verschwimmen. Linie und Fläche, Figur und Raum erscheinen in einem komplexen Spannungsfeld verschränkt."[7]

Durch die Überlagerung dieser unterschiedlichen Motive und Darstellungsmodi entstehen komplexe Bildräume, in denen sich Vorder-, Mittel- und Hintergrund auflösen. Linie und Fläche, Figur und Raum sind eng miteinander verschränkt, wodurch ein bewusster Verfremdungseffekt erzeugt wird. Dümmel stellt so eingefahrene Sehgewohnheiten in Frage und untersucht grundlegende Mechanismen von Abbildlichkeit und Abstraktion.

Dümmel kombiniert oft Abrisselemente aus Museen oder anderen Kunstinstitutionen mit seinen Zeichnungen und fügt sie zu einem neuen Ganzen zusammen, wie hier in seinem Werk o. T. (Nr. 12) von 2023.

Die motivische Collage findet ihre Entsprechung in der Materialwahl. Neben Papier nutzt Dümmel unter anderem Raufasertapete als Zeichengrund sowie ausrangierte Türen, Fenster, Stellwände oder Teppichfragmente aus Kunstinstitutionen. Diese Materialien werden fragmentiert, kombiniert und zeichnerisch ergänzt, sodass die Grenze zwischen Bild und Objekt verschwimmt. Die Verwendung von Relikten des Kunstbetriebs verweist zugleich auf die Bedingungen, Räume und Kontexte, in denen Kunst entsteht, präsentiert und wahrgenommen wird.

In neueren Werkgruppen erweitert Dümmel seine Auseinandersetzung mit Raum auf fragmentierte architektonische Situationen und verlassene, teils verfallene Bauten. Dabei treten Fragen von Vergänglichkeit, Verlust und Zerstörung stärker in den Vordergrund. Eine Serie von Linolschnitten basiert erstmals auf mittels Künstlicher Intelligenz generierten Bildvorlagen, die der Künstler manuell in Druckstöcke überträgt. Die Arbeiten thematisieren die Unsicherheit von Bildwahrnehmung ebenso wie das Spannungsverhältnis zwischen digitaler Bildproduktion und handwerklichem Prozess.

Großformatige Kohlezeichnung einer zweiflügeligen Kassettentür (o. T. (Nr. 17), von 2024): Die minutiös wiedergegebene, schlicht-massive Tür wirkt hermetisch verschlossen; die Fensteraussparungen im oberen Drittel zeigen nur Schwärze. Ein kleiner Schlüssel hängt rechts an der kahlen Wand, doch Klinke und Schlüsselloch fehlen – die Durchgangsfunktion ist aufgehoben („Un-Tür“).[8]

Übergreifend kreist Dümmels Werk um das Moment der Schwelle: zwischen Innen und Außen, Sichtbarkeit und Verbergen, Ordnung und Auflösung. Die Tür fungiert dabei als zentrales Bildmotiv und als Metapher für Übergänge, offene Möglichkeiten und zugleich verwehrte Zugänge.

Die verschiedenen Elemente und Bildebenen überlagern und durchdringen sich gegenseitig, sodass ein starker Verfremdungseffekt entsteht: Teils scheinen Hauptmotiv und Grund durch die gleiche Strichqualität in dieselbe Bildebene geholt; die Grenzen zwischen Vorder-, Mittel- und Hintergrund verschwimmen. Linie und Fläche, Figur und Raum erscheinen in einem komplexen Spannungsfeld verschränkt.

Die motivische Collage findet eine Entsprechung im faktischen Zusammenfügen der Bildträger aus unterschiedlichen Materialien: Neben herkömmlichem Papier dient Raufasertapete als Zeichengrund, deren charakteristische Struktur sich teils zeichnerisch in den glatten Bildpartien nachgeahmt findet: Ein Spiel von Sein und Schein entsteht. Hinzu kommen Teile von ausrangierten Türen, Fenstern und Stellwänden, die sämtlich aus Institutionen wie Kunstschulen und Museen stammen, sogar ein Stück Teppich aus einem Ausstellungsraum findet Verwendung – die Materialwahl spielt an auf die Frage, in welchen Räumen und Kontexten Kunst entsteht und betrachtet wird.

Im bewussten Bruch mit Erwartungen fordert Dümmel so eingefahrene Sehgewohnheiten heraus, spielt mit gängigen Vorstellung räumlicher Ordnung und lässt eine rätselhaft-irreale Bildwirklichkeit entstehen. Die Kombination nicht sinnhaft zusammengehöriger Motive und verschiedener Darstellungsmodi vom Fotorealistischen bis zum betont Grafischen, vom Detailgetreuen bis zum Kürzelhaften zeigt nicht nur die Bandbreite an Gestaltungsmöglichkeiten auf. Seine Arbeiten hinterfragen damit auch grundlegende Mechanismen von Abbildlichkeit und Abstraktion. Sie führen zurück zu der für Dümmel zentralen Frage nach dem eigenen künstlerischen Weg, versinnbildlicht im Motiv der Tür.

Ausstellungen (Auswahl)

  • 2012 Europa: meine – deine – unsere Zukunft, 59. Europäischer Wettbewerb, Rathaus Waiblingen
  • 2015 Kostbarkeiten, 18. Jugendkunstpreis Baden-Württemberg, Karlskaseren Ludwigsburg
  • 2017 Eigenartig, 20. Jugendkunstpreis Baden-Württemberg, Karlskaserne, Ludwigsburg
  • 2018 Atelierstipendium, Galerie im Kameralamt, Waiblingen
  • 2019 Bilderrausch, Galerie im Kameralamt, Waiblingen
  • 2021 To the point, Art-Road-Way-Kunstschule, Ammerbuch bei Tübingen
  • 2022 Bilderrausch II, Galerie im Kameralamt, Waiblingen
  • 2022 Mach Dein Ding!, Förderpreis „Jung + Gegenständlich“, Galerie Rotes Haus, Meersburg am Bodensee
  • 2023 Soloausstellung anlässlich des „Joseph und Anna Fassbender“ – Preises, Brühler Kunstverein, in Brühl (Köln)
  • 2024 An der Schwelle, Galerie Oberlichtsaal Sindelfingen, Sindelfingen
  • 2024 Zwischen Welten, Galerie K3 Königsfeld im Schwarzwald
  • 2025 An der Schwelle, Galerie der Stockmayer-Stiftung, Stuttgart
  • 2026 Übergang, Städtische Galerie Filderstadt, Filderstadt
  • 2026 Widerhall, Museum "Altes Rathaus", Leingarten

Ausstellungsbeteiligung (Auswahl)

  • 2012 Ausstellung im Rahmen des 59. Europäischen Wettbewerbs, Rathaus der Stadt Waiblingen
  • 2015 Ausstellung des 18. Jugendkunstpreises Baden-Württemberg, Karlskaserne Ludwigsburg
  • 2017 Ausstellung des 20. Jugendkunstpreises Baden-Württemberg, Karlskaserne Ludwigsburg
  • 2018 Stipendiumsausstellung, Galerie im Kameralamt Waiblingen
  • 2019 Bilderrausch, Galerie im Kameralamt Waiblingen
  • 2022 Bilderrausch II, Galerie im Kameralamt Waiblingen
  • 2022 Mach Dein Ding!, Rotes Haus Meersburg, Galerie Bodenseekreis, Meersburg am Bodensee
  • 2023 Kunstpreis zum Aschermittwoch, Freien Kunstschule Stuttgart
  • 2023 Unterm Strich, Galerie 21.06 in Ravensburg
  • 2024 15 – Dozentenausstellung der Freien Kunstschule Stuttgart, Rathaus Stuttgart
  • 2024 Bilderrausch 4, Galerie im Kameralamt Waiblingen
  • 2024 Neue Mitglieder – VBKW-Förderpreis 2024, Gustav-Siegle Haus, Kunstbezirk Stuttgart
  • 2024 Sommerausstellung, Galerie K3 Königsfeld im Schwarzwald
  • 2025 RAUM I, Showroom AIX12, Stuttgart-Sillenbuch

Stipendien

  • 2018 Atelierstipendium der Stadt Waiblingen

Auszeichnungen (Auswahl)

  • 2022 Publikumspreis im Wettbewerb „jung und gegenständlich“ des Bodenseekreises[9]
  • 2023 „Kunstpreis zum Aschermittwoch“ der Freien Kunstschule Stuttgart
  • 2023 Preisträger des 33. „Josef und Anna Fassbender Preises“ der Stadt Brühl[10]
  • 2024 Förderpreis des Verbandes Bildender KünstlerInnen Baden-Württemberg[6]

Sammlungen

  • Sammlung Landkreis Bodenseekreis, Friedrichshafen
  • Sammlung Jürgen Lenssen, Würzburg

Literatur

  • Heike Frommer/Kulturamt Bodenseekreis, Mach dein Ding! Förderpreis Jung + Gegenständlich 2022, Ausstellungskatalog, Rotes Haus Meersburg, Kulturamt Bodenseekreis Salem 2022, ISBN 978-3-945396-21-6[11]
  • Heike Frommer/Kulturamt Bodenseekreis, Zur Sache! Förderpreis Jung + Gegenständlich 2024, Ausstellungskatalog, Rotes Haus Meersburg, Kulturamt Bodenseekreis Salem 2024, ISBN 978-3-945396-25-4[12]
  • Günter Baumann: Blick auf 125 Jahre, in: Vibrant Expressions – 125 Jahre Stuttgarter Künstlerbund. Jubiläumskatalog, S. 13 u. S. 58–61, ISBN 978-3-948492-33-5[13]
  • Barbara Martin: Schwellensituationen – Zu aktuellen Grafiken und Objekten Moritz Dümmels, in: Übergang 2026, Ausstellungskatalog, Städtische Galerie Filderstadt, Künstler der Filder, ISBN 978-3-00-085267-1

Einzelnachweise

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