Moschee in Ochota

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Die Moschee in Ochota ist der wichtigste Teil eines muslimischen Kulturzentrums in Warschau. Sie ist die jüngere von zwei Moscheen in der polnischen Hauptstadt und liegt im Stadtbezirk Ochota in der Aleja Bohaterów Września (23). Das Gebäude ist Sitz der Muslimischen Liga der Republik Polen (Liga Muzułmańska w Rzeczypospolitej Polskiej), einer muslimischen Religionsgemeinschaft, die seit 2001 in Polen tätig ist.

Ostfassade des Kulturzentrums

Lage

Das Gebäude liegt am Ende der Aleja Bohaterów Września; hier verläuft die Aleje Jerozolimskie. Die Mitte des Verkehrsknotenpunkts und Kreisverkehrs Rondo Zesłańców Syberyjskich (Ulica Bitwy Warszawskiej 1920 Roku, Aleja Prymasa Tysiąclecia, Aleje Jerozolimskie) befindet sich 150 Meter entfernt. Ein den nach Sibirien verbannten Polen gewidmetes Denkmal (Findling) steht seit dem Jahr 2004 rund 50 Meter ostwärts der Moschee. Schräg gegenüber des Kreisverkehrs liegt der größte Busbahnhof Warschaus (Dworzec Autobusowy Warszawa Zachodnia) in 350 Metern und der Bahnhof Warszawa Zachodnia in 500 Metern Entfernung.

Etwa 100 Meter südwestlich des Moscheengebäudes liegt die Gedenkstätte „Reduta Ordona“. Während des Novemberaufstandes befand sich hier eine mit Kanonen ausgestattete Schanze der Aufständischen. Im September 1831 kam es zu einer heftigen Schlacht um die Schanze, bei der rund 600 polnische und russische Soldaten fielen. Die russischen Gefallenen wurden auf dem orthodoxen Friedhof in Warschau bestattet, die polnischen Toten wurden im Graben der Schanze beerdigt – eine Exhumierung und Überführung dieser Leichen wurde später nicht durchgeführt. Ein 1832 verfasstes Gedicht von Adam Mickiewicz („Reduta Ordona“) griff das Ereignis auf, schuf so ein Symbols des damaligen Unabhängigkeitskampfes und ist heute ein Standardwerk in der Schulausbildung.[1] Die genaue Lage der verschütteten Befestigung wurde bei archäologischen Arbeiten im Jahr 2011 festgestellt. Teile liegen heute unter der Aleje Jerozolimskie und der Moschee.[2]

Geschichte

Nordfassade
Gebetsraum der Moschee

Im Jahr 2008 schenkten die Warschauer Behörden der Liga ein Grundstück im Stadtteil Ochota für den Bau eines Islamischen Zentrums. Die Entscheidung, an diesem Standort eine Moschee zu errichten, löste Proteste unter der Bevölkerung aus. Einerseits wurde auf die Bedeutung der Ordona-Schanze mit den dort begrabenen polnischen Gefallenen verwiesen.[3] Zum anderen empfand ein Teil der Bevölkerung ein islamische Gotteshaus in sehr zentraler Lage als unpassend.[4]

Der Bau begann im September 2009 und sollte ursprünglich vor dem Ramadan 2012 abgeschlossen sein. Aufgrund von Anwohnerprotesten, vermuteten finanziellen Schwierigkeiten des Bauherrn[5] und dem ungeplanten Wechsel von Bauunternehmen kam es zu Verzögerungen.[3] Im September 2014 waren die Bauarbeiten abgeschlossen.

Das Gebäude kostete rund 10 Millionen Złoty. Finanziert wurde das Projekt überwiegend von einem Geschäftsmann aus Saudi-Arabien.[6]

Der Entwurf stammte vom polnischen Architekturbüro KAPS. Der auffallende, modernistische Stahl-Glas-Beton-Bau[7] gleicht einem schimmernden Würfel mit einem symbolischen, kegelförmigen, 18 Meter hohen Minarett mit Mondsichel, und einer Halbkugel an einer Ecke der Südseite.[8]

Das Gebäude besteht aus fünf Stockwerken, davon zwei unterirdischen. Die Moschee verfügt über den größten muslimischen Gebetsraum Polens mit einer Kapazität von etwa 400 Personen sowie über eine Bibliothek und mehrere Studienräume. Der zweistöckige Gebetsraum ist mit einer Frauenempore, einer Minbar und einer Mihrab ausgestattet. Im Gebäude gibt es auch ein Restaurant, ein orientalisches Lebensmittelgeschäft sowie einen Friseursalon.[3][9]

Mehrfach wurde das Gebäude Ziel islamfeindlicher Attacken. So wurde darauf im September 2014 mit einem Luftgewehr geschossen; im Jahr 2015 wurden Schweineköpfe auf das Gelände geworfen und 2017 wurde das Gebäude mit Steinen beworfen, wobei Fensterscheiben und Einrichtungsteile beschädigt wurden.[10][11]

Siehe auch

Commons: Moschee in Ochota – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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