Museum Gensungen
Museum in Deutschland
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Das Museum Gensungen befindet sich in einem Fachwerkhaus im Ortskern von Gensungen, einem Stadtteil von Felsberg im nordhessischen Schwalm-Eder-Kreis. Zum Museumskomplex gehören das Museum für Vor- und Frühgeschichte, ferner ein Tagelöhnerhaus aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, sowie der angrenzende Museumshof, der von einem Backhaus mit Holzbackofen, einem Laubengang und der Museumsscheune umrahmt wird. Die gezeigten Funde stammen aus dem Altkreis Melsungen und wurden seit den frühen 1970er Jahren von der Arbeitsgemeinschaft für Vor- und Frühgeschichte Gensungen e. V. zusammengetragen, die von der Stadt Felsberg mit der Trägerschaft des Museums betraut ist.[1]
Geschichte des Museums
1973 gründeten Hermann Fröhlich, Ortsbeauftragter für Vorgeschichte in Gensungen und Umgebung, und Kurt Sänger eine Arbeitsgemeinschaft für Vor- und Frühgeschichte. Die Gruppe unternahm aktiv Ausgrabungen. Die dabei gefundenen Objekte wurden im Pfarrhaus untergebracht, wo Pfarrer Manfred Weber auch eine Restaurierungsstube bereitstellte. Nach der hessischen Gebietsreform bot sich eine neue Gelegenheit: Im ehemaligen Bürgermeisteramt, das seit 1979/80 als Museum genutzt wurde, entstanden freie Räumlichkeiten. Aus der Museums-Arbeitsgemeinschaft entwickelte sich schließlich am 1. Mai 1980 der Verein für Vor- und Frühgeschichte.[2]
Ausstellung
Im Hauptgebäude wird mit rund 500 Exponaten die vor- und frühgeschichtliche Besiedlung des Altkreises Melsungen – mit dem Schwerpunkt unteres Edertal – dargestellt. Die Ausstellung wurde 2019 neu konzipiert und gestaltet. Mehrere Monitore bieten Zugriff auf ergänzende textliche, bildliche und filmische Informationen, unter anderem zu vor- und frühgeschichtlichen Lebens- und Arbeitsweisen. Größere Themenbereiche sind der Schädel von Rhünda, das Erdwerk von Wolfershausen, das hallstattzeitliche Grabhügelfeld von Altenbrunslar, ein Gräberfeld der vorrömischen Eisenzeit und römischen Kaiserzeit bei Rhünda, Funde der eisenzeitlichen Höhensiedlungen auf dem Rhündaer Berg und dem Heiligenberg und die Grabungsergebnisse im Zuge der Ortsumgehung Felsberg. Auch die Funde der Grabung im Sankt-Albans-Weg in Gensungen, aus der römischen Kaiserzeit bis ins Spätmittelalter, sind Teil der Dauerausstellung.
Im Obergeschoss befinden sich Darstellungen der Entwicklung des 1217 gegründeten und 1526 aufgehobenen Klosters Kartause Eppenberg (Funde vor allem aus dem 18. Jahrhundert) und Präsentationen zur Geschichte der drei Felsberger Burgen. Im Keller befindet sich ein „eisenzeitlicher“ Wohn- und Arbeitsraum: Besucher können hier selbst am Gewichtswebstuhl tätig werden, Steine bearbeiten oder Getreide mahlen.[3]
Die volkskundliche Sammlung bildet den zweiten Schwerpunkt des Museums. Im denkmalgeschützten Tagelöhnerhaus sind ein Wohn- und Schlafraum, eine kleine Schusterwerkstatt und eine Webstube zu besichtigen, die Einblicke in die Wohn- und Lebensverhältnisse einfacher Dorfbewohner des 19. Jahrhunderts vermitteln.[4]
Archäologische Pfade
In den Jahren 2011 bis 2013 konzipierte die AG für Vor- und Frühgeschichte Gensungen in Zusammenarbeit mit der Stadt Felsberg vier archäologisch-historische Rundwanderwege. Jeder Pfad beginnt am Museum Gensungen und führt durch landschaftlich interessante und sehenswerte Gebiete. An archäologisch bedeutsamen Fundorten am Weg sind Informationstafeln aufgestellt; die Funde selbst können im Museum besichtigt werden. In den Monaten Mai bis Oktober bietet die AG für Vor- und Frühgeschichte kostenlose Führungen auf den vier Pfaden an.[5]
Literatur
- Sabine Schmidt: Das hallstattzeitliche Grabhügelfeld von Altenbrunslar (Schwalm-Eder-Kr.). Marburg 1998, unpubl. Magisterarbeit.
- Andreas Müller-Karpe: Der Rhündaer Berg am Rande der Niederhessischen Senke. Eine prähistorische Höhensiedlung und ihr Umfeld. Andreas Müller-Karpe (Hrsg.) Mit Beiträgen von Marco Allendorf, Armin Werner Fuchs, Jochen Greven, Pieter Meiert Grootes, Nicole Klasen, Angela Kreuz, Marie-Josée Nadeau und Christoph Weihrauch. Marburger Studien zur Vor- und Frühgeschichte – MSVF, Band 27.
- Kathrin Ebner: Ein Gräberfeld der vorrömischen Eisenzeit und römischen Kaiserzeit auf dem „Ameisenkuppel“ bei Felsberg-Rhünda, Schwalm-Eder-Kreis. Fundber. Hessen 37/38, 1997/1998, S. 207–279
- Wilfried Rosendahl: Neues zur Altersstellung des fossilen Menschenschädels von Rhünda in Hessen. Arch. Korr.Bl. 4, 2002, S. 15–19.
- A. Thiedmann, T. F. Warneke: Überraschende Entdeckung eines frühmittelalterlichen Steinfundamenthauses im Schwalm-Eder-Kreis. Hessen-Archäologie 2019 (2020), S. 143–146.