Wikiwand AI

Museum im Böhmischen Dorf

Museum in Deutschland From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Museum im Böhmischen Dorf ist ein kleines regionales Museum in Berlin-Neukölln, Ortslage Böhmisch-Rixdorf oder Böhmisches Dorf (siehe Karte). Es wurde 2005 eröffnet und zeigt die „Geschichte … des Dorfes … das Leben und Arbeiten seiner Bewohner in Vergangenheit und Gegenwart.“[1]

Nummer 3: Schulgebäude mit Museum
Hinweisschild zum Museum

Hintergrund

Im Böhmischen Dorf leben noch heute Nachfahren der aus Böhmen eingewanderten Protestanten, dazu gehören die zahlenmäßig größte Gruppe der Herrnhuter Brüdergemeine, sowie die kleinere evangelische böhmisch-reformierte und die noch kleinere böhmisch-lutherische Bethlehemsgemeinde. Sie alle wurden in ihrer Heimat, im westlichen Ausläufer des Riesengebirges, nach der Rekatholisierung Böhmens verfolgt und mit dem Leben bedroht. Mit Genehmigung und anschließender Unterstützung des preußischen Königs Friedrich Wilhelm I. durften sie 1737 einwandern und in Rixdorf siedeln. Die Böhmen, ursprünglich tschechischsprachige Bauern und Handwerker, bekamen Ackerland und Häuser und bauten ihre Gemeinde weiter aus. Sie wurden mit eigenem Gottesacker (1751), Schulhaus (1753), Gemeindehaus (1761) und eigener Verwaltung (1797) zum „Böhmischen Dorf“. Das Museum zeichnet die Geschichte des Dorfs samt seinem kulturellen Erbe bis in die Gegenwart nach.

Glasvitrine mit ethnographischen Sammelstücken aus der Missionstätigkeit

Ausstellung und Sammlung

Anhand von Überresten (Karten, Gegenstände, Bilder, Artefakte) und von traditionellen Quellen (Urkunden, Texte, Chronik) wird die Einwanderung, die Entwicklung und das Leben des Dorfes dargestellt. Die ausgestellten Exponate (Trachten, Gesangbücher, Bibeln, Herrnhuter Sterne, Modelle, Gegenstände aus Missionsgebieten[2], schulische Versuchsgeräte) stammen größtenteils von Mitgliedern der Herrnhuter Brüdergemeine und aus dem Besitz der Brüdergemeine selbst. Eine besondere Rolle spielen der Glaube und die religiösen Traditionen im Alltagsleben der Dorfbewohner. Einige Artefakte, eine Karte und eine Zeittafel veranschaulichen die Fluchtgeschichte und die verschiedenen Fluchtrouten.

Vor dem Schulhaus das Denkmal Friedrich Wilhelms I.

Gebäude und Verein

Das Museum befindet sich im ehemaligen, denkmalgeschützten Schulhaus, Kirchgasse 5. Die Schule wurde 1909 aufgegeben und wird seitdem als Wohnhaus genutzt. 1980–1982 wurde es saniert und 2005 in einer erdgeschossigen Zweizimmerwohnung das Museum etabliert, Eingang rechterhand des Giebels, über den Hof. Träger ist der als gemeinnützig anerkannte Verein „Museum im Böhmischen Dorf e. V.“, dessen Mitglieder die Dauerausstellung und wechselnde Sonderausstellungen in ehrenamtlicher Arbeit gestalten und betreuen.

Programm für Schüler und Kinder

Der Verein bot Entdeckungstouren für Schulklassen an, in denen die Migrationsgeschichte der böhmischen Herrnhuter zusammen mit der heutigen Situation der „Anwohner mit Migrationshintergrund“ verglichen und erlebbar werden sollten. Zum Beispiel lernten die Kinder böhmische Trachten kennen und konnten sie anziehen, konnten aber auch ein Palästinensertuch, einen Fes, ein Kopftuch oder auch eine Kochmütze anprobieren, um Identität und Migration in Erfahrung zu bringen.[3] Das Schülerprogramm wird nicht mehr fortgeführt, es fehlt am nötigen Personal, das Interesse der Schulen erlahmte, es gab Probleme mit muslimischen Schülern, die sich weigerten, den Kirchsaal zu betreten.[4]

Anmerkungen

Related Articles