Musikjahr 1450
Übersicht über die Ereignisse in der Musik im Jahre 1450
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Dieser Artikel behandelt das Musikjahr 1450.
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Weitere Ereignisse
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Ereignisse
Deutschordensstaat
Heiliges Römisches Reich
Freie Reichsstadt Nürnberg
- Der deutsche Komponist, Organist und Lautenist Conrad Paumann, der spätestens im Jahr 1446 Organist der Kirche St. Sebald in Nürnberg wurde,[3] verlässt – entgegen allen Zusicherungen – im Jahr 1450 die Stadt und begibt sich an den Hof der Herzöge von Oberbayern nach München, um in deren Diensten zu wirken.[4][5]
Freie Reichsstadt Regensburg
- Der Komponist Peter Sweikl ist 1442 bis 1467 Kanonikus des Kollegiatstifts Unserer Lieben Frau zur Alten Kapelle in Regensburg.[6] Ab 1450 ist er Kollege von Hermann Pötzlinger, dem Hauptschreiber und Besitzer des Codex St. Emmeram.[7]
Grafschaft Provence
- Der französische Komponist Beltrame Feragut wirkt „1449 als Kaplan am Hofe René d’Anjous, des ehemaligen Königs von Sizilien, in Aix-en-Provence, wird aber im Juli 1450 nicht mehr aufgeführt.“[8]
Herzogtum Savoyen
- Der französische Dichter, Geistliche und Diplomat Martin le Franc, der nach der Abdankung von Gegenpapst Felix V. im Jahr 1449 zunächst apostolischen Protonotar von Papst Nikolaus V. blieb, ist ab 1450 bei Herzog Ludwig I. von Savoyen als Maître des requêtes tätig.[9]
- Der Sänger und Komponist Vincenet ist möglicherweise identisch mit Vincentius du Bruecquet, der 1450 erstmals als Sänger und Organist am savoyischen Hof nachweisbar ist.[10][11]
- In Turin beginnt „die eigentliche Musikgeschichte ... um 1450, angestoßen durch Bischof Ludovico di Romagnano, der das Collegium Puerorum Innocentium“ gründet „und die Kathedralkapelle“ reorganisiert, „sowie durch das Haus Savoyen, insbesondere Herzog Ludovico (Ludwig) und seine Gemahlin Anna von Zypern, die beide einen glanzvollen Hof“ pflegen „und sich als Förderer der Musik“ engagieren.[12]
Hochstift Cambrai
- Der franko-flämische Komponist, Sänger und Musiktheoretiker Guillaume Dufay, der noch vor der Absetzung von Papst Eugen IV. durch das Konzil von Basel am 25. Juni 1439 den Hof in Savoyen verlassen hatte, ist von Dezember 1439 bis März 1450 in Cambrai tätig.[13] Er begibt sich 1450 – bezahlt vom savoyischen Hof – auf eine Italienreise, bei der er nachweislich vom 26. Mai bis zum 1. Juni 1450 in Turin in der Osteria del Cappello wohnt.[12][13] Wahrscheinlich „zur Einweihung des Donatello-Altars in der Basilica di Sant’Antonio in Padua am 13. Juni 1450“ komponiert er die Missa S Antonii de Padua[13] und es ist denkbar, dass er „selbst zusammen mit neun Klerikern aus Burgund zur Aufführung nach Padua“ reist.[14] Am 15. Dezember 1450 ist er wieder zurück in Cambrai.[13] Seine Verbindung zum Haus Savoyen besteht von 1450 bis mindestens 1456.[12] Nach der Italienreise kommt es zu der brieflichen Bitte Herzog Ludwigs an Dufay, wieder als Kapellmeister am savoyischen Hof zu wirken. Archivarisch belegt ist solch eine Tätigkeit nicht, jedoch gibt es Belege für eine Reise nach Genf (Bischofssitz zu Savoyen gehörig).[15]
Markgraftum Brandenburg-Ansbach
- Der deutsche Weber und Meistersänger Michael Beheim ist von 1449 bis 1453 am Hof von Markgraf Albrecht III. Achilles in Ansbach tätig. Von dort reist „er 1450 nach Drontheim und Kopenhagen infolge dynastischer Beziehungen des Hauses Ansbach“.[16][17]
Herzogtum Burgund
- Nach den Angaben eines gewissen Guillaume Benoit ist Gilles Binchois am burgundischen Hof Philipps des Guten im Jahr 1427 schon ein Begriff. Weil aber die Gehaltslisten von 1419 bis 1436 fehlen, ist nicht genau bekannt, ab welchem Jahr er tatsächlich der burgundischen Hofkapelle beitritt, um ihr bis 1452 aktiv anzugehören.[18]
Burgundische Niederlande
- Der niederländische Orgelbauer Adriaan Pieterszoon, der 1448 eine neue Orgel für die St.-Nicolas-Kirche in Veurne erstellt hatte, erweitert in den Jahren 1449 bis 1450 die Orgel in der Kathedrale von Antwerpen. Noch im Jahr 1450 oder 1451 kehrt er nach Delft zurück und baut hier für die „Bruderschaft vom Kreuz“ eine neue Orgel in der Nieuwe Kerk.[19]
- In Brügge spielt „die kurz vor 1450 gegründete Bruderschaft Unserer Lieben Frau vom Schnee (Onze-Lieve-Vrouwe-ter-Sneeuw) .. eine wichtige Rolle im musikalischen Leben“.[20]
Italienische Staaten
Herzogtum Ferrara
- Mit Leonello d’Este beginnt „trotz seiner kurzen Herrschaft als Marquis (1441–1450) die Blütezeit der ferraresischen Kunst und Literatur, und auch die Musik“ erhält starke Impulse. Leonello gründet „eine Hofkapelle „nach königlichem Vorbild“ und“ holt „Sänger aus dem Ausland, um sie zu besetzen. Von vier Sängern im Jahr 1436“ erhöht „er die Cappella auf mindestens zehn im Jahr 1450, darunter zu verschiedenen Zeiten Johannes Fede, Niccolò Tedesco, Giovanni de Leodio, Andrea da l’Organo und Zoanne de Monte“.[21]
- Der französische Sänger und Komponist Benoit, der im Jahr 1438 von Cosimo de’ Medici als Sänger rekrutiert und 1439 Kapellmeister in Florenz wurde, tritt am 23. Januar 1448 von diesem Amt zurück und wirkt danach von „1448 bis 1450 ... in der Kapelle von Leonello d’Este in Ferrara“. Von Dezember 1447 bis Februar 1448 und von Januar 1451 bis Oktober 1455 ist er außerdem Mitglied der päpstlichen Kapelle.[22]
Kirchenstaat
- Der päpstliche Chor, der aus der römischen Schola Cantorum hervorgegangen ist, beschäftigt „1436 nur neun Sänger“, wächst „1450 auf 18, 1533 auf 24 und 1594 auf 28 an; 1625“ wird „seine Stärke dauerhaft auf 32 festgelegt“.[23]
- Papst Nikolaus V. lässt 1450 einen Lehrstuhl für Musik an der Universität Bologna einrichten.[24]
Republik Florenz
- Der italienische Organist und Komponist Antonio Squarcialupi, der ab Januar 1431 Organist der Kirche Orsanmichele in Florenz war, erhält 1432 eine Anstellung als Domorganist im Dom von Florenz, die er bis zu seinem Tod im Jahr 1480 innehat. Möglicherweise hat ihm der Organist und Orgelbauer Matteo di Paola da Prato diese Stelle vermittelt. Als Orgelexperte reist er um 1437–1438 nach Volterra, 1450 nach Neapel und Siena, 1455 nach Mailand und 1467 nach Pistoia.[25]
Republik Venedig
- Der Komponist Johannes de Quadris, der „von den 1430er bis in die 1450er Jahre im venezianischen Raum tätig“[26] ist, wird „in einer Urkunde von 1450 als ‚musicus et cantor diu in ecclesia Santi Marci de Venetiis‘“[27] (deutsch: seit langem Musiker und Sänger in der Kirche San Marco in Venedig) bezeichnet. In einer Petition aus dem Jahr 1450 bittet er Papst Nikolaus V. um eine Pfründe an der Stiftskirche Felice e Fortunato in L’Aquila.[27]
Signoria d’Este
- Der italienische Tanzmeister und Tanztheoretiker Domenico da Piacenza findet sich in den Gehaltslisten des Hofs der Familie Este in Ferrara zwischen 1439 und 1475.[28] In den Registern des Hofes wird er 1439, 1441, 1445, 1447 und 1450 ‘spectabilis miles’ und ‘familiaris noster’ genannt.[29]
Signoria degli Sforza
- Der Tänzer, Tanzmeister und Tanztheoretiker Guglielmo Ebreo da Pesaro, der 1445 in die Dienste von Alessandro Sforza in Pesaro getreten ist, ist ab 1450 auch für dessen Bruder Francesco Sforza in Mailand tätig. Bei zahlreichen Anlässen, wie Verlobungen, Trauungen oder Festveranstaltungen für durchreisende Herrscher ist er als Tanzmeister bzw. Tänzer tätig.[30]
- Francesco Sforza beschäftigt um 1450 auch den Tanzmeister und Tanztheoretiker Domenico da Piacenza, „der einen anderen Piacentiner, Antonio Cornazzano, unterrichtet“.[31]
Königreich Bosnien
- Der italienische Lautenist Franciscus Bossinensis ist möglicherweise ab 1450 als Instrumentalist am Hof des Königs von Bosnien tätig.[32]
Königreich England
- Der Komponist R. Chirbury ist wahrscheinlich identisch mit dem „englischen royal chaplain Robert Chirbury (ca. 1380–1454), der um 1421 clerk in der kgl. Kapelle“ ist „und dort bis 1449 oder bis in die frühen 1450er Jahre gewirkt hat“. Von 1443 bis 1454 ist er außerdem „dean von St. Mary’s in Warwick, einer von Richard Beauchamp, Earl of Warwick ins Leben gerufenen Kollegiatstiftung“.[33]
- Der Komponist John Dunstable wirkt im Königreich England bis zu seinem Tod im Jahr 1453.
- Der Komponist Knyff ist ungefähr von 1425 bis 1450 aktiv.[34]
- Der Komponist Ricardus Markham ist ungefähr von 1425 bis 1450 aktiv.[35]
- Der Komponist Neweland ist ungefähr von 1425 bis 1450 aktiv.[36]
- Um das Jahr 1450 findet in Carmarthen das von Lord Gruffydd ap Nicolas veranstaltete Eisteddfod statt, das erstmals bereits im 12. Jahrhundert nachgewiesen ist.[37]
Königreich Frankreich
- Der französische Komponist und Sänger Johannes Fedé wirkt von 1449 bis 1450 an der Saint-Chapelle in Paris.[38]
- Der französische Autor, Theologe, Sänger, Organist und Dramaturg Arnoul Gréban wird am 17. Juli 1450 als Organist der Kathedrale Notre-Dame de Paris erwähnt und ist zu diesem Zeitpunkt bereits Magister. „Am 19. Oktober desselben Jahres“ wird „er auch Magister cantus puerorum und kurz darauf Magister grammatrice, womit er ausnahmsweise alle drei Ämter gleichzeitig“ innehat.[39]
- Der französische Sänger, Musiktheoretiker und Gelehrte Jean Le Munerat studiert in den 1450er Jahren Geisteswissenschaften und ab 1465 Theologie am Collège de Navarre in Paris.[40]
- Der franko-flämische Komponist und Sänger Guillaume Le Rouge ist in den Jahren 1450 bis 1465 aktiv. Mit der größeren Wahrscheinlichkeit ist er der Sänger in der Kapelle von Herzog Charles d’Orléans zwischen 1451 und 1465, der die Musiker, Minnesänger und Dichter unterstützt, indem er für ihre Gedichte und Rondeaux Melodien komponiert.[41]
Krone von Aragón
- Der Musiker und Komponist Giacomo Borbo ist seit 1444 Lehrer der Chorknaben am aragonesischen Hof in Neapel. Dies geht aus „der ältesten überlieferten Personalliste der Kapelle des Königs Alfons V. von Aragon ... vom 26. Okt. 1444“ hervor. Im Jahr 1450 ist er vermutlich für kurze Zeit Kapellmeister am Hofe und übt 1451 wieder seine bisherige Funktion als Chormeister aus.[42]
Instrumentenbau
- Der Instrumentenbauer Hans Oth fertigt 1450 in Nürnberg eine fünfchörige Quintern, deren Korpus, Hals und Wirbelkasten aus einem Stück Ahorn, Bauchfichte oder Tanne gefertigt ist. Das Musikinstrument wird heute auf der Wartburg ausgestellt.
Kompositionen und Schriften
- Guillaume Dufay
- Petrus de Domarto – Missa ‘Spiritus almus’, um 1450[45]
- Lochamer Liederbuch, um 1450[46]
Geboren
Genaues Geburtsdatum unbekannt
- Hans Frey, deutscher Lautenbauer und Komponist († 1523)
Geboren vor 1450
- John Baldwyn, englischer Komponist († nach 1480)[47]
- Jo. Bassere, französischer Komponist († nach 1450)[48]
- Batty, Komponist († nach 1480)[49]
- Nicolaus de Buccellanito, italienischer Musiktheoretiker († nach 1450)[50]
- Hainricus Collis, österreichischer Komponist († nach 1450)[51]
- Petrus de Domarto, Komponist († nach 1450)[52]
- Simon de Insula, französischer oder englischer Komponist († nach 1460)[53]
- Jehan Fresneau, franko-flämischer Komponist, Sänger und Kleriker († nach 1505)
- Jo. Gaius, Komponist († nach 1450)[54]
- Jan Gero, franko-flämischer Komponist († nach 1489)[55]
- Horlay, Komponist († nach 1450)[56]
- Hugh Kellyk, Komponist († nach 1480)[57]
- Guillaume Le Rouge, franko-flämischer Komponist († nach 1465)[58]
- Richard Mowere, Komponist († nach 1470)[59][60]
- Thomas Phelyppis, englischer Komponist († nach 1450)[61]
- Francis Philipus, Komponist († nach 1450)[62]
- Stone, Komponist († nach 1450)[63]
- Tristão da Silva, Musiker, Theoretiker und Dichter († nach 1485)[64][65]
- Standley, englischer Komponist († nach 1450)[66]
- Henricus Tik, Komponist († nach 1450)[67]
- Iohannes Touront, Komponist († nach 1480)[68][69]
- Edmund Turges, englischer Komponist († nach 1500)[70][71]
- Tyling, Komponist († nach 1475)[72]
Geboren um 1450
- Isaac Argyropoulos, italienischer Organist und Orgelbauer († 1508)[73]
- Philippe Basiron, französischer Komponist, Organist und Kleriker († 1491)[74]
- Pieter Bordon, flämischer Sänger, Komponist und Kleriker († nach 1484)[75]
- Josquin Desprez, franko-flämischer Komponist und Sänger († 1521)[76][77]
- Benedetto Gareth, Dichter und musikalischer Improvisator († 1514)[78][79]
- Oswald Hilliger, deutscher Glockengießer († 1517)
- Heinrich Isaac, franko-flämischer Komponist und Sänger († 1517)[80]
- Jean Japart, franko-flämischer Komponist, Sänger und Kleriker († nach 1500)[81]
- Hans Judenkönig, deutscher Lautenspieler († 1526)[82]
- Erasmus Lapicida, flämischer Komponist, Sänger und Kleriker († 1547)[83]
- Gilles Mureau, französischer Sänger, Chorleiter und Komponist († 1512)[84][85][86]
- Govard Nepotis, südniederländischer Priester und Organist († 1499)[87][88]
- William Newark, englischer Komponist († 1509)[89]
- Matthaeus Pipelare, franko-flämischer Komponist und Chormeister († um 1515)[90][91]
- F. Rubinet, Komponist († unbekannt)[92]
- Garci Sánchez de Badajoz, spanischer Lieddichter und Musiker († um 1526)
- Michael Schubinger, deutscher Schalmeispieler († um 1520)[93]
- Bertrandus Vaqueras, Sänger und Komponist († 1507)[94][95]
- Verjus, französischer Sänger und Komponist († 1518)[96]
- Henricus Isaac, südniederländischer Komponist († 1517)[97]
- Antonio Zarotto, Inkunabeldrucker († 1510)[98][99]
Gestorben
Todesdatum gesichert
- April: Olivier Basselin, französischer Volksdichter (* um 1400)
- 29. Juni: Johannes Keck, deutscher Benediktiner, Theologe, Prediger und Musiktheoretiker (* 1400)[100][101]
Gestorben nach 1450
- Jo. Bassere, französischer Komponist (* vor 1450)[48]
- Benoit, Komponist (* vor 1438)[102]
- Hainricus Collis, österreichischer Komponist (* vor 1450)[51]
- Petrus de Domarto, Komponist (* vor 1450)[52]
- Bertran Ferragut, Komponist (* vor 1425)[103]
- Jo. Gaius, Komponist (* vor 1450)[54]
- Horlay, Komponist (* vor 1450)[56]
- Guillaume Legrant, französischer Komponist (* um 1380)
- Ricardus Markham, Komponist (* vor 1420)[104]
- Othmar Opilionis, polnischer Komponist (* vor 1440)[105]
- Thomas Phelyppis, englischer Komponist (* vor 1450)[61]
- Francis Philipus, Komponist (* vor 1450)[62]
- Guillaume Ruby, franko-flämischer Sänger und Organist (* vor 1400)[106][107]
- Soursby, Komponist (* vor 1430)[108]
- Stefan Srbin, Komponist und Sänger (* vor 1400)[109]
- Standley, englischer Komponist (* vor 1450)[66]
- Stone, Komponist (* vor 1450)[63]
- Henricus Tik, Komponist (* vor 1450)[67]
Siehe auch
Weblinks
Commons: Musik 1450 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien