Musée Regards de Provence

Museum in Marseille, Frankreich From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Musée Regards de Provence, ein Kunstmuseum in Marseille, Frankreich, wurde im Jahr 2013 eröffnet und wird von der Fondation Regards de Provence betrieben.[1] Es befindet sich in der ehemaligen maritimen Sanitätsstation des Marseiller Hafens, einem 1948 von den Architekten Fernand Pouillon, René Egger und Champollion fertiggestellten Bauwerk. Die Sammlung umfasst circa 850 Werke – Gemälde, Skulpturen, Zeichnungen und Fotografien –, die das künstlerische Erbe Marseilles, der Provence und des Mittelmeerraums vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart dokumentieren.[2]

Musée Regards de Provence
Musée Regards de Provence

Das Museum befindet sich in der Allée Regards-de-Provence / Rue Vaudoyer im 2. Arrondissement von Marseille (13002) am nördlichen Alten Hafen, zwischen der Kathedrale Sainte-Marie-Majeure (La Major) und dem MuCEM (Musée des civilisations de l’Europe et de la Méditerranée).[2]

Geschichte

Die Fondation Regards de Provence

Die Fondation Regards de Provence – Reflets de Méditerranée wurde im Jahr 1997 von den Sammlern und Mäzenen Pierre und Michèle Dumon unter der Schirmherrschaft der Fondation de France[3] gegründet. Das primäre Ziel der Stiftung besteht in der Förderung und Bewahrung des künstlerischen und kulturellen Erbes des provenzalischen und mediterran geprägten Raumes. Vor der Eröffnung des Museums präsentierte die Stiftung ihre Bestände im Château Borély und im Palais des Arts in Marseille.[1][4]

Im Rahmen des Kulturhauptstadt-Jahres Marseille-Provence 2013[5] wurde die Stiftung zur Bauherrin eines eigens für ihre Sammlungen bestimmten Ausstellungsorts ernannt. Als Standort wurde die ehemalige Sanitätsstation am Quai de la Tourette ausgewählt, die seit mehreren Jahrzehnten leerstand und 2009 vom Abriss bedroht war. Die architektonische Umstrukturierung für die museale Nutzung wurde dem Architekten Guy Daher übertragen. Das Musée Regards de Provence eröffnete im Jahr 2013 seine Pforten.[1]

Gebäude und Architektur

Die ehemalige Station Sanitaire Maritime

Das Gebäude wurde im Jahr 1948 im Auftrag des französischen Gesundheitsministeriums (Ministère de la Santé Publique) errichtet. Die Architekten Champollion, René Egger und Fernand Pouillon zeichneten für die Planung verantwortlich, die Bauleitung oblag Dr. Montus, dem damaligen Leiter des sanitären Grenzschutzes (Direction du contrôle sanitaire aux frontières).[6]

Die Einrichtung diente als seuchenprophylaktische Einrichtung und trat die Nachfolge der Lazarette des 18. und 19. Jahrhunderts an. Ihre Funktion bestand primär in der Erkennung und Isolierung von Krankheitsfällen, weniger in der Behandlung. Reisende, die per Schiff oder Flugzeug eintrafen, wurden hier desinfiziert und auf Anzeichen meldepflichtiger Erkrankungen untersucht. Die architektonische Konzeption des Gebäudes gewährleistete, dass einreisende und ausreisende Personen zu keinem Zeitpunkt in Kontakt kamen. Der Eingang befand sich auf der Westseite (Meerseite), die Ausgangskontrolle auf der Ostseite, auf Höhe der Avenue Vaudoyer.[6]

Die Anlage des Bauwerks ist dreieckig und erinnert in ihrer Erscheinung an den Bug eines Schiffes. Sie wird von der Architekturkritik dem sogenannten Style paquebot zugeordnet und gilt als frühes Hauptwerk des späteren Architekten Pouillon sowie als Übergangswerk zwischen Moderne und einer urban integrierten Ausdrucksform. Das Ministerium für Kultur hat das Gebäude mit dem Label Architecture contemporaine remarquable (ACR) ausgezeichnet, welches besonders qualitätvolle Bauwerke des 20. und 21. Jahrhunderts in Frankreich kennzeichnet.[6]

Umbau zum Museum

Eingangsbereich

Die Umstrukturierung des Gebäudes für die museale Nutzung wurde dem Architekten Guy Daher übertragen. Der restaurierte Sterilisationsraum (Salle des Étuves), in dem die originalen Sterilisationsgeräte und technischen Apparaturen erhalten sind, wurde in den Museumsrundgang integriert und dient als Raum einer permanenten Dokumentarinstallation. Nach dem Umbau verfügt das Gebäude über eine Gesamtfläche von 2300 m², davon 1215 m² Ausstellungsfläche, verteilt auf vier Bereiche. Darüber hinaus umfasst das Gebäude ein Restaurant mit Dachterrasse, eine Buchhandlung, einen Museumsshop sowie einen Empfangsbereich. Die Glasfassaden ermöglichen Sichtachsen auf den Hafen der Joliette, das Fort Saint-Jean, das MuCEM und die Villa Méditerranée.[6]

Sammlung

Louis Francois Gautier (1855–1947) – Provenzalin in ihrer Küche, 1879

Die Dauersammlung der Fondation Regards de Provence umfasst eine umfangreiche Auswahl von rund 850 Kunstwerken, darunter Gemälde, Skulpturen, Zeichnungen und Fotografien. Diese Werke sind thematisch auf Marseille, die Provence und den Mittelmeerraum fokussiert und repräsentieren einen Zeitraum vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Die Sammlung wurde durch die Unterstützung privater Mäzene aufgebaut. Ein Teil der Bestände wird in einem Rotationsrhythmus von etwa fünf Monaten der Öffentlichkeit präsentiert.[7]

Zu den vertretenen Künstlern zählen unter anderem: Pierre Ambrogiani, Louis Audibert, Eugène Baboulène, François Pierre Barry, Auguste Chabaud, Emmanuel Coulange-Lautrec, Raoul Dufy, Marcel Dyf, Othon Friesz, Paul Guigou, Henry d’Arles, Charles-François Lacroix de Marseille, André Lhote, Alfred Lombard, Henri Manguin, André Marchand, Adolphe Monticelli, Jean-Baptiste Olive, Raphaël Ponson, Louis Valtat, André Alexandre Verdilhan und Félix Ziem.[7]

Neben der Dauerausstellung präsentiert das Museum wechselnde Sonderausstellungen mit Werken aus Galerien und Privatsammlungen, die sich der modernen und zeitgenössischen Kunst mit Bezug zum südfranzösischen und mediterranen Raum widmen.[7]

Literatur

  • Ministère de la Culture / DRAC Provence-Alpes-Côte d’Azur (Hrsg.): Marseille 2e – Station sanitaire. Marseille 2012.
  • La Fondation Regards de Provence s’offre un musée à Marseille. In: Les Échos, 9. August 2013.
  • Fernand Pouillon. La station sanitaire de Marseille. In: Le Moniteur, 24. September 2019.
  • De la station sanitaire maritime au musée Regards de Provence. In: Les Chroniques de l’Art, 5. Januar 2017.
  • Musée Regards de Provence (Hrsg.): Mémoire de la Station Sanitaire. Marseille 2013.
Commons: Musée Regards de Provence – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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