Musée d’Histoire de Marseille
historisches Museum in Marseille
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Das Musée d’Histoire de Marseille, ein kommunales Stadtgeschichtsmuseum im 1. Arrondissement von Marseille, Frankreich, wurde im Jahr 1983 im Zuge archäologischer Ausgrabungen auf dem Gelände des Einkaufszentrums Centre Bourse gegründet. Nach einer umfassenden Renovierung wurde es am 14. September 2013 wiedereröffnet. Mit einer Gesamtfläche von über 15.000 Quadratmetern, einschließlich des angeschlossenen archäologischen Freigeländes, gilt es als das bedeutendste Stadtgeschichtsmuseum Frankreichs. Das Museum befindet sich im Centre Bourse, 2 rue Henri-Barbusse, 13001 Marseille, 1. Arrondissement. Ein digitaler Erweiterungsparcours (parcours numérique augmenté), konzipiert von Alain Dupuy (InnoVision), verbindet das Museum mit dem benachbarten MuCEM (Musée des civilisations de l’Europe et de la Méditerranée).[1]


Geschichte
Entdeckung der archäologischen Stätte (1967–1977)
Der unmittelbare Entstehungskontext des Museums ist eng mit den Bauarbeiten für das Einkaufszentrum Centre Bourse verbunden, die im Jahr 1967 auf einem Grundstück begannen, welches seit dem Abriss der älteren Bebauung zwischen 1912 und 1937 brachgelegen hatte. Im Rahmen der Erdarbeiten wurden umfangreiche Überreste aus griechischer, römischer und mittelalterlicher Zeit freigelegt. Die Bedeutung dieser Befunde stellte für die Fachwelt eine Überraschung dar, obwohl das Vorhandensein des sogenannten Mur de Crinas[2] bereits seit 1916 Mitgliedern der örtlichen Archäologischen Kommission Hinweise auf ältere Strukturen gegeben hatte (wie Gérin Ricard in den 1925 erschienenen Promenades archéologiques vermerkte). Die Grabungskampagnen auf dem Centre Bourse Gelände erstreckten sich von 1967 bis 1977 und wurden durch spätere Kampagnen (1978–1983, 1985, 1992–1994, 2000) ergänzt. Das archäologische Areal wurde im Jahr 1972 als Monument historique klassifiziert.[1]
Museumsgründung im Jahr 1983
Der Archäologe und Anthropologe Alain Nicolas spielte eine entscheidende Rolle bei der Gründung des Museums. Im Jahr 1983 eröffnete das Museum erstmals seine Pforten; zeitgleich wurde das freigelegte archäologische Freigelände als Jardin des Vestiges (Garten der Überreste) der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die landschaftsarchitektonische Gestaltung dieses Gartens oblag dem Landschaftsarchitekten Joël-Louis Martin. Das ursprüngliche Museum war im Erdgeschoss des Centre Bourse untergebracht und verfügte über eine Fläche von rund 2000 Quadratmetern. Es beherbergte eine Dauerausstellung sowie eine Bibliothek mit Schwerpunkt auf Geschichte, Archäologie und Stadtentwicklung. Zeitgenössische Quellen charakterisierten den Zustand dieses ersten Museums als düster und veraltet. Im Zuge weiterer Grabungen auf dem Gelände der Place Jules-Verne, die ab dem Jahr 1993 durchgeführt wurden, wurden sieben antike Schiffswracks entdeckt. Fünf dieser Wracks – zwei griechischer und drei römischer Herkunft – wurden geborgen und für die museale Präsentation restauriert.[1]
Schließung und Renovierung (2010–2013)
Das Museum unterlag einer mehrjährigen Schließung zur Durchführung einer umfassenden Renovierung und Erweiterung. Die Bauarbeiten begannen im Februar 2012 und wurden im Juli 2013 abgeschlossen. Das renovierte Museum wurde am 14. September 2013 im Rahmen der Europäischen Tage des kulturellen Erbes (Journées européennes du Patrimoine) im Kontext des Kulturhauptstadt-Jahres Marseille-Provence 2013 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.[1]
Der Jardin des Vestiges wurde von September 2018 bis September 2019 umfassend renoviert und am 20. September 2019 wiedereröffnet. Die Finanzierung dieses Projekts erfolgte durch eine Kooperation zwischen dem französischen Staat, vertreten durch die Conservation régionale des Monuments historiques, und dem Département Bouches-du-Rhône.[1]
Architektur
Das renovierte Museum präsentiert sich mit einer rund 260 Meter langen Glasfassade, deren Transparenz, Transluzenz und Opazität je nach Schutzanforderungen der dahinterliegenden Exponate und den gewünschten Sichtbeziehungen variiert. Diese Fassade umrahmt das gesamte Areal des antiken Hafens und ermöglicht dessen Sichtbarkeit von außen.[3]
Die Ausstellungsräume erstrecken sich über drei Ebenen und sind unmittelbar mit der archäologischen Stätte verbunden. Die Raumgliederung orientiert sich an der chronologischen Abfolge der Ausstellungssequenzen. Die Gesamtnutzfläche des renovierten Baukörpers beträgt 6300 Quadratmeter. Das Gesamtareal des Museums, einschließlich Gebäude und archäologischem Freigelände, erstreckt sich über mehr als 15.000 Quadratmeter.[3]
Sammlung und Dauerausstellung
Konzept der Dauerausstellung

Der Rundgang, konzipiert vom Studio Adeline Rispal, basiert auf zwei thematischen Schwerpunkten: Marseille als älteste Stadt Frankreichs und Marseille als Hafenstadt im Mittelmeerraum. Das Ausstellungskonzept gliedert die Stadtgeschichte in 13 chronologische Abschnitte, beginnend mit der prähistorischen Erstbesiedlung und endend mit der städtischen Gegenwart. Jeder Abschnitt ist um ein zentrales Objekt als Leitwerk organisiert. Das Multimedia-Programm umfasst rund 100 Bildschirme, auf denen Dokumentarfilme, wissenschaftliche Kommentare, interaktive Spiele und dreidimensionale Rekonstruktionen präsentiert werden.[4]
Die antiken Schiffswracks

Im Zentrum der Sammlung befindet sich eine Flottille antiker Schiffswracks, die nach Angaben des Museums die bedeutendste öffentlich zugängliche Sammlung antiker Schiffe weltweit darstellt.[4] Zu den Exponaten zählen:
- Épave de la Bourse (Wrack der Bourse): ein römisches Schiff mit einer Länge von 20 Metern, das im Bereich der ehemaligen Hafenzunge (corne du port antique) geborgen wurde.
- Jules-Verne 9: Griechisches Wrack aus dem späten 6. Jahrhundert v. Chr.; die erhaltenen Reste weisen eine Länge von 5 Metern und eine Breite von 1,40 Metern auf, während das Originalschiff eine geschätzte Länge von 9,80 Metern und eine Breite von 1,80 Metern besaß.
- Jules-Verne 7: Ebenfalls griechischen Ursprungs, datiert in die zweite Hälfte des 6. Jahrhunderts v. Chr. (beide Schiffe stammen somit aus einer Zeit zwei bis drei Generationen nach der Gründung von Massalia).
Drei weitere römische Wracks wurden im Rahmen der Grabungen an der Place Jules-Verne ab dem Jahr 1993 entdeckt.
Darüber hinaus umfasst die Sammlung Amphoren, Steingutanker, Bleianker, Navigationsausrüstung sowie Keramik und Frachtreste.[4]
Paläochristliche Nekropole Malaval

Im Abschlussbereich des Rundgangs befinden sich Fragmente der paläochristlichen Nekropole von Malaval, deren Kern mit Originalsarkophagen, die im Museum rekonstruiert präsentiert werden, erhalten geblieben ist.
Jardin des Vestiges
Der Jardin des Vestiges stellt den Freiluftbereich des Museums dar und ist über das Innere des Museums zugänglich. Er präsentiert die Ergebnisse der ersten umfassenden urbanen archäologischen Grabung in Frankreich (1967–1983). Das Gelände ist als Monument historique klassifiziert.[5] Im Jardin sind unter anderem folgende Elemente sichtbar:
- Ein Süßwasserbecken (2.–3. Jahrhundert n. Chr.)
- Die Hafenzunge (Corne du port), die im 1. Jahrhundert n. Chr. noch wassergefüllt war und als Verlängerung des Alten Hafens diente
- Griechische und römische Befestigungsanlagen
- Grabbezirke (Enclos funéraires)
- Eine gepflasterte römische Straße
Literatur
- Roland Carta Associés / Studio Adeline Rispal: Musée d’Histoire de Marseille. Projet de rénovation et d’agrandissement. In: D’Architectures, Nr. 218, September 2013.
- Le musée d’Histoire de Marseille, dernier grand chantier culturel de la ville. In: Le Moniteur, 19. September 2013.
- Le musée d’histoire de Marseille retrouve la lumière. In: BatiActu, 23. September 2013.