Mutter Flint

deutsche Fischhändlerin und ein Stader Original From Wikipedia, the free encyclopedia

Mutter Flint, bürgerlich Margarethe Pape (* 1861 in Steinkirchen; † 1952 in Stade), war eine deutsche Fischhändlerin und ein Stader Original.

Statue „Mutter Flint mit dem Stint“ in Stade

Werdegang

Margarethe Pape wurde 1861 im Alten Land im Königreich Hannover in ärmlichen Verhältnissen als Tochter eines Fischers geboren. 1883 kam sie nach Stade, das nach dem Krieg ab 1886 zur preußischen Provinz Hannover gehörte. Dort arbeitete sie zunächst als Schneiderin, um sich und ihr uneheliches Kind zu ernähren. Sie war dreimal verheiratet und führte zwischenzeitlich den Namen ihres ersten oder zweiten Ehemannes Vogel. Ihre sechs Kinder musste sie immer wieder über längere Zeiten im Armenhaus unterbringen, wenn sie den Lebensunterhalt für die Familie nicht sichern konnte.[1][2]

Mit ihrem dritten Mann, dem Zimmermann Ludwig Flint, eröffnete sie 1906 in der Poststraße 16 in Stade ein Fischgeschäft und verkaufte zusätzlich ihre Ware auf dem Markt. Sie bot vorwiegend die zur Laichzeit in der Elbe gefangenen Stinte, aber auch Aale an, die sie abzog. Die Fische transportierte sie in einem Kinderwagen, in den sie eine Zinkwanne eingesetzt hatte, zu ihrem Verkaufsstand auf dem Markt, begleitet von einer Schar Katzen.[1][2]

Mit der Einführung des Frauenwahlrechts 1918 gab auch Margarethe Flint 1919 bei der Gemeindewahl, in der fünf Frauen in die Bürgervertretung gewählt wurden, erstmals ihre Stimme ab, wie das Wählerverzeichnis belegt.[3] In Stade lebten mehrere Verwandte von Margarethe Flint. Auch ihre ältere Schwester Henriette verkaufte in der Stadt Fisch, ab 1920 im Eckhaus Salzstraße 1.[1] Ein Sohn aus einer von Margarethe Flints ersten Ehen wurde Postschaffner und lebte mit seiner Familie in der Straße Am Sande und ab 1933 in die Friesenstraße 15. Dessen Sohn Fritz Vogel (1920–1942) wurde in der Zeit des Nationalsozialismus nach dem Tod seines Vaters 1938 im selben Jahr in die Rotenburger Anstalten eingeliefert und 1941 in die bayerische Heil- und Pflegeanstalt Günzburg deportiert, wo er im Juli 1942 ermordet wurde.[4]

Margarethe Flint betrieb bis 1949 ihren Fischstand und setzte sich mit 87 Jahren zur Ruhe. 1952 starb Margarethe Flint in Stade, ihre Schwester Henriette im darauffolgenden Jahr im Alter von 94 Jahren.[1]

Gedenken

„Mutter Flint mit dem Stint“ in Stade

Seit 1986 erinnert eine lebensgroße Bronzestatue am Westkai des alten Hansehafens an der Ecke Fischmarkt / Wasser West an Margarethe Flint. Der Bildhauer Frijo Müller-Belecke entwarf die Figur „Mutter Flint mit dem Stint“, die einen großen Fisch anbietet, hinter ihr steht ein bronzener Korb gefüllt mit Fischen, an den sich eine Katze schmiegt.[5][6]

Regelmäßige Stadtrundgänge informieren zum Leben Margarethe Flints.[7][8] 2006 erschien das Buch Mutter Flint mit dem Stint. Geschichten und Anekdoten aus dem alten Stade von Fred Lang.[9]

Commons: Mutter Flint – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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