Myrte

Art in der Gattung der Myrten (Myrtus) From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Myrte (Myrtus communis), auch Brautmyrte, Duftende Myrte und Gemeine Myrte genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Myrten (Myrtus) innerhalb der Familie der Myrtengewächse (Myrtaceae). Dieser immergrüne Strauch ist die einzige im Mittelmeerraum heimische Art dieser Familie.

Schnelle Fakten Systematik, Wissenschaftlicher Name ...
Myrte

Gemeine Myrte (Myrtus communis)

Systematik
Rosiden
Eurosiden II
Ordnung: Myrtenartige (Myrtales)
Familie: Myrtengewächse (Myrtaceae)
Gattung: Myrten (Myrtus)
Art: Myrte
Wissenschaftlicher Name
Myrtus communis
L.
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Beschreibung

Zweige mit Laubblättern und Blüten
Früchte
Illustration aus Prof. Dr. Thomé's Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz, in Wort und Bild, für Schule und Haus; mit ... Tafeln ... von Walter Müller, Tafel 345
Myrtus communis subsp. tarentina

Vegetative Merkmale

Die Myrte ist ein immergrüner, reich verzweigter Strauch, der Wuchshöhen bis zu 5 Metern erreichen kann. Die Rinde älterer Zweige ist kahl, nur die Rinde junger Zweige ist drüsig behaart.

Die meist gegenständig an den Zweigen angeordneten Laubblätter – bisweilen stehen auch drei Blätter an einem Wirtel – sind nur sehr kurz gestielt. Die derben, dickledrigen, einfachen, ganzrandigen und meist kahlen Blattspreiten sind bei einer Länge von 1 bis 5 Zentimetern eiförmig bis elliptisch mit spitzem bis zugespitztem, seltener rundspitzigem und manchmal feinstachelspitzigem oberen Ende. Sie sind durchscheinend drüsig punktiert und manchmal unterseits leicht auf den Adern behaart. Die Blattoberseite ist dunkler grün und glänzend, die -unterseite ist heller.[1]

Generative Merkmale

Die Blütezeit reicht von Mai bis August. Die Blüten stehen meist einzeln in den Blattachseln. Die Blütenstiele sind bis zu 3 Zentimeter lang. Die relativ kleinen, zwittrigen und fünfzähligen Blüten duften. Sie weisen einen Durchmesser von bis zu 3 Zentimeter auf. Die Kelchblätter sind dreieckig. Die ausladenden, meist weißen Kronblätter sind verkehrt-eiförmig bis fast kreisförmig. Die zahlreichen Staubblätter haben gelbe Staubbeutel. Der Fruchtknoten ist unterständig mit schlankem Griffel und kleiner Narbe. Es ist ein Diskus vorhanden.

Die zuerst rötliche, bei Reife blau-schwarze und „bereifte“, mehrsamige Beerenfrucht ist bei einem Durchmesser von etwa 1 Zentimeter kugelig bis verkehrt-eiförmig mit Kelchresten. Die Samen sind nierenförmig und etwa 3 Millimeter lang.[2]

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 22.[3]

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet umfasst den Mittelmeerraum, die Azoren und reicht östlich bis Pakistan.[4] Als Standort werden Macchien und Wälder auf etwas feuchteren, steinigen, kalkfreien Böden bevorzugt. Die Myrte wird seit dem Altertum kultiviert und ist entsprechend häufig verwildert. Als ältestes und größtes Exemplar in Deutschland gilt die Myrte im Schau- und Sichtungsgarten Hermannshof in Weinheim an der Bergstraße.

Systematik

Die Erstveröffentlichung von Myrtus communis erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus I, S. 471.[5]

Je nach Autor gibt es etwa zwei Unterarten:[4] Nach Euro+Med 2022 werden sie nur als Varietäten anerkannt:[5]

  • Myrtus communis L. subsp. communis (Syn.: Myrtus communis var. baetica L.): Sie kommt von den Azoren bis Pakistan vor.[4]
  • Myrtus communis subsp. tarentina (L.) Nyman (Syn.: Myrtus communis var. tarentina L.): Sie kommt ursprünglich in Südeuropa in Spanien, Frankreich, Italien, Sardinien, Kreta und im früheren Jugoslawien vor.[4]

Kulturgeschichte

Brautjungfer mit Riegelhaube und Myrtenkranz zu Beginn des 19. Jahrhunderts

Die Myrte ist seit dem Altertum vielfach von kultureller Bedeutung. Im Gilgamesch-Epos steht die Myrte neben Zeder und Zypresse für den Stolz des Palastes des Gilgamesch.[6] Sie spielt in der griechischen Mythologie eine Rolle und war der Göttin Aphrodite geweiht. Ihre Zweige stehen als Symbol für Jungfräulichkeit, Lebenskraft, viele gesunde Kinder und über den Tod hinausgehende Liebe. Es ist ein Ritual überliefert, bei dem Myrtenzweige auf einen zu beschreitenden Weg gestreut werden, während Weihrauch verbrannt wird.[7][8] Die Griechen und Römer der Antike schmückten die jungfräuliche Braut mit einem Myrtenkranz.[9] Die Römer dekorierten und parfümierten ihre Festhallen und Tempel mit Girlanden aus Myrten. Siegreiche römische Generale trugen einen Myrtenkranz.[9] Im mittleren Osten war die Myrte ein Symbol des Friedens. Nach einer arabischen Legende stamme die Myrte ihres Duftes wegen aus dem Paradies.[9] Auch in der Bibel wird die Myrte erwähnt.[10][11][12]

Ab dem Mittelalter wurde die Myrte (lateinisch Myrtus, auch Mirtus und Mirta[13]) auch als „Welsche Heidelbeere“ bezeichnet[14][15], ihre Beeren als Mirtilli.[16] Ihre Zweige wurden in großen Bündeln auf den Marktplätzen verkauft und Myrte wurde auch als Heilpflanze zum Beispiel bei Katarrhen der Atemwege verwendet.[9]

Eine Verwandte Jakob III. Fuggers soll 1583 die erste Braut in Deutschland gewesen sein, die statt eines Rosmarinkränzchens den kostbaren Myrtenschmuck trug.[17] Seit dem Ende des 16. Jahrhunderts wurde die Verwendung der Myrte in Deutschland zu einem Hochzeitsbrauch. Auch Bräutigam oder Trauzeugen erhielten Zweige zum Anstecken, teilweise wurden auch die Brautjungfern mit einem Myrtenkranz geschmückt. Es entstand der Brauch, einen Zweig aus dem Brautkranz in die Erde zu setzten. Die grünende Pflanze wurde als Zeichen für beständiges Eheglück gesehen und sorgsam gehegt. Die Myrte nahm Einzug in die Wohnstuben und gilt als eine der ältesten Zimmerpflanzen.[18][19][20] Gelegentlich werden Myrtenkränze oder -sträuße heute noch zur Hochzeit getragen.

Myrtenzweige sind Bestandteil des auch Lulav genannten Feststraußes, den Juden zum jährlichen Laubhüttenfest binden.

Nutzung

Durch das ätherische Öl der Blätter, das stark sekretionsfördernd wirkt, hat die Pflanze Bedeutung bei der (medizinischen) Behandlung der Atemwege und dient zur Appetit-Anregung. Im Iran werden Pflanzenextrakte als Salbe gegen Herpesbläschen eingesetzt.[21]

Beim Kochen dient sie hauptsächlich als Gewürz für Fleischgerichte; volkstümlich werden sowohl Blätter und Beeren als auch Blüten verwendet. Darüber hinaus findet die Myrte Verwendung bei der Likör-Herstellung: In Sardinien ist sie die Grundlage des Mirto Rosso roter Mirto, eines „süßen“ Likörs, der aus den Beeren hergestellt wird. Der Mirto Bianco weißer Mirto ist ein „trockener“ Likör, in dem Blätter und Blüten der Myrte Verwendung finden. Die korsische Variante des Mirto heißt Myrtei. Der Name der Mortadella-Wurst leitet sich möglicherweise von ihrer ursprünglichen Rezeptur mit Myrte ab, deren Früchte früher auch als Ersatz für den Kubeben-Pfeffer verwendet wurden,[22] bevor Pfeffer als Gewürz in Europa populär wurde.[23]

Literatur

Commons: Myrte (Myrtus communis) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Myrte – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

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