Mädchen aus dem Main

ermordetes Mädchen From Wikipedia, the free encyclopedia

Als Mädchen aus dem Main wird ein am 31. Juli 2001 in Frankfurt-Nied im Main aufgefundenes, über Jahre misshandeltes und schließlich getötetes 16 Jahre altes Mädchen bezeichnet. 25 Jahre nach der Tat klärte die hessische Polizei die Identität auf, der Vater des Mädchens wurde im Mai 2026 unter Mordverdacht festgenommen.

Sachverhalt

Am 31. Juli 2001 gegen 14.50 Uhr entdeckten Passanten die ca. 157 cm große und nur 38,5 kg schwere Leiche eines ungefähr 15- bis 16-jährigen Mädchens im Main treibend. Die Leiche wies eine Vielzahl an Verletzungen am ganzen Körper auf. Sie ließen auf jahrelange schwerwiegende Misshandlungen schließen, die nicht ärztlich versorgt worden waren. Unter anderem wurde bei der Obduktion eine Fehlstellung der Arme in Folge verheilter Brüche festgestellt, zahlreiche längere Narben im Bereich von Beinen, Rumpf und Stirn, Brandnarben, die von Verbrennungen mit Zigaretten herrühren können, sowie links ein durch Verletzungen entstandenes Blumenkohlohr.

Es wurde davon ausgegangen, dass das Mädchen ungefähr zwei Jahre jünger aussah und dunkelbraune, ca. 30 cm lange Haare hatte. Die Augenfarbe war nicht mehr feststellbar. Das Gebiss war unbehandelt und hatte noch keine Weisheitszähne.

Vermutlich lag das Mädchen 12–24 Stunden im Wasser. Der Tod war durch zwei durch stumpfe Gewalt hervorgerufene Rippenbrüche, die Lunge und Milz verletzten, höchstens drei Tage vor der Auffindung eingetreten. Die Leiche wurde verschnürt und mit einem Sonnenschirmständer beschwert in den Main geworfen.[1] Die Ermittlungen ergaben, dass das Mädchen vermutlich zwischen der Griesheimer Staustufe und der Wörthspitze ins Wasser geworfen wurde. Unter anderem aufgrund eines zur Verschnürung gehörenden schalähnlichen Gegenstandes gingen die Ermittler davon aus, dass das Mädchen ursprünglich aus dem pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet stammte, aber schon jahrelang im Rhein-Main-Gebiet gelebt haben musste, vielleicht als Dienstbotin.

Die Ermittlungen liefen jedoch ins Leere. Da eine Einreise nicht nachgewiesen werden konnte, wurde nicht ausgeschlossen, dass das Mädchen über Diplomatenkreise eingereist war, in denen Ermittlungen aufgrund der diplomatischen Immunität schwierig sind. Beigesetzt wurde der Leichnam auf dem Parkfriedhof Heiligenstock, finanziert wurde die Beisetzung durch Spenden der Ermittlungsbeamten. Der Fall erfuhr auch noch nach zehn Jahren eine erhebliche Rezeption.[2]

Aufklärung

Zur Aufklärung des Falls wurde eine Sonderkommission mit Namen „Leopard“ eingesetzt. Nach dem Fund der Leiche wurde in der Fernsehsendung Aktenzeichen XY um Hinweise zur Aufklärung gebeten. Der Fall wurde zum Cold Case. Erst 25 Jahre nach der Tat erhielt das „Mädchen aus dem Main“ seinen Namen – Diana – zurück.[3]

Der Fall wurde 2024 in die internationale Fahndungskampagne „Identify me“ aufgenommen. Sie soll zur Identifizierung von Frauen führen, deren Leichen in sechs europäischen Ländern gefunden wurden und möglicherweise Opfer eines Tötungsdelikts waren. Unter ihnen sind zehn, zwanzig, dreißig oder vierzig Jahre alte Fälle aus Belgien, Frankreich, Deutschland, Italien, den Niederlanden und Spanien.

Der Fahndungsaufruf führte zu mehreren Hinweisen aus der Bevölkerung und zur Fortsetzung der Ermittlungen. Als dringend tatverdächtig nahm das Hessische Landeskriminalamt am 12. Mai 2026 einen 67-jährigen deutschen Staatsangehörigen fest.[4] Der in Pakistan geborene Mann soll seine damals 16-jährige Tochter zwischen dem 28. und 31. Juli 2001 in der Offenbacher Wohnung der Familie erschlagen und den Leichnam in den Main geworfen haben. Das Amtsgericht Frankfurt am Main ordnete am Tag der Festnahme Untersuchungshaft wegen dringenden Verdachts des Mordes an.[5]

Literatur

  • Sigrid Karin Amos: Das „Mädchen aus dem Main“: Spuren eines weggeworfenen Lebens. In: Ethik in den Kulturen – Kulturen in der Ethik. 2017, S. 111–119.
  • weibliche Leiche – Auffindeort: Im Main bei Frankfurt-Nied, Auffindezeit: 31.07.2001. Bundeskriminalamt, archiviert vom Original am 9. Oktober 2016;.
  • Das-Mädchen aus dem Main aus der Taunus Zeitung (Frankfurter Neue Presse) von 30. Juli 2011, abgerufen am 30. Juni 2016

Einzelnachweise

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