Mädchen von Molzbach
archäologischer Fund aus der Bronzezeit in Hessen
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Mädchen von Molzbach oder Das reiche Mädchen von Molzbach bezeichnet ein reiches Grab der Bronzezeit, das in Molzbach, einem Stadtteil von Hünfeld in Hessen, gefunden wurde. Die Bestattete wurde zunächst für ein Kind gehalten und daher als „Mädchen“ betitelt, war nach neueren Erkenntnissen aber eine junge Frau.

Nachbildungen sind vor Ort im Hünfelder Konrad-Zuse-Museum zu besichtigen.[1] Die originalen Funde sind im Hessischen Landesmuseum zu finden.
Grabstätte
Nordöstlich von Molzbach, am Bomberg,[2] befand sich ein Grabhügel aus der Bronzezeit, der heute nicht mehr sichtbar ist.[3] Er maß 13 m im Durchmesser und 17 m in der Höhe. Gero von Merhart-Bernegg, erster Professor für Vor- und Frühgeschichte in Deutschland, untersuchte 1931 den Hügel. Als einziger Grabhügel im Fuldaer Land ist er mit Kalksteinen errichtet worden, wodurch die Skelette noch gut erhalten sind. Während sich in anderen Grabhügeln ein oder zwei Skelette finden lassen, barg dieser 10,[2] 17,[4] nach anderer Quelle 24 Stück.[3][5] Die meisten Toten gehören der osthessischen Hügelgräberbronzezeit (Werra-Fulda-Gruppe) an.[3] Die Archäologen kamen zu der Erkenntnis, dass dieser Hügel ursprünglich für einen Mann angelegt worden war. Die Bestattung des Mädchens war eine Nachbestattung.[2] Der Grabhügel ist in seiner Kombination von Größe, Anzahl der Bestattungen, Belegungszeitraum und reicher Frauenbestattung einzigartig im Umkreis der Rhön.[4] Weitere Gräber stammen aus der Späthallstattzeit, eines aus der Frühlatènezeit.[3]
Die Überreste des Mädchen von Molzbach fand man in Grab Nr. 8.[3] Die Bezeichnung als „Mädchen“ entstand dadurch, dass man ihr Alter zunächst auf etwa 12 bis 14 Jahre schätzte. Erst später wurde die Einschätzung des Alters auf um die 20 Jahre korrigiert.[4] Dies wurde bei radiologischen Untersuchungen im Jahr 2022 bestätigt, die ergaben, dass „das Mädchen“ tatsächlich eine junge Frau war; nach der Analyse der teils noch im Kiefer befindlichen Zähne war sie 21,8 Jahre alt.[6]
Schmuck und Beigaben

Alle Schmuckstücke wurden in „körpergerechter“ Lage gefunden, also dort, wo sie getragen bzw. befestigt worden waren.[4] Kleinere Beigaben waren eine kleine Klammer, ein Pferdezahn, ein Kuhzahn sowie zwei Scherben.[2]
Ringförmiger Schmuck
Um den Hals trug das „Mädchen“ einen vierspiraligen Halsreif,[2] mit gegenläufigen Endspiralen[4] mit Dreieckverzierung. Solche Schmuckreifen gibt es vereinzelt im östlichen Bereich Hessens bis zum oberen Main.[2] Den Großteil des rechten Arms bedeckte eine Spirale am Unterarm mit 17 Windungen, am linken Unterarm befand sich ein Gegenstück mit 19 Windungen. Den rechten Oberarm zierte ein breitbandiges Armband, dessen Enden in Spiralen auslaufen. Dieses im osthessischen Bereich übliche Schmuckstück lässt auf ein kurzärmeliges Gewand schließen. Am linken Fußgelenk trug die Bestattete zweispiraligen Schmuck. Solche Formen kennt man auch am oberen Main wie im Werragebiet. Dünndrahtige Spiralringe an der linken Kopfseite sowie zwei Spiralringe beim linken Oberarm werden dem Haarschmuck oder einer tuchartigen Kopfbedeckung zugerechnet.
Flächiger Schmuck
Zwei flächige, runde Nadeln hielten das Gewand an den Schultern zusammen.[4] Die sogenannten Radnadeln werden paarig getragen. Es sind jungbronzezeitliche Formen, zweischalig gegossen und durch eine aufgesetzte Krone selten. Spitze Hütchen mit Löchern zum Annähen, sogenannte Tutuli, waren offensichtlich Schmuckbesatz eines Mieders im Brustbereich. Weitere Tutuli, 43 aus Bronze und drei aus Weißmetall, fanden sich auf Oberschenkelhöhe und lassen auf ein geschmücktes Kleidungsstück schließen.[2] Vermutlich waren die Hütchen in mehreren Reihen aufgenäht.[4] Derart geformte Besatzstücke sind besonders am oberen Main, in der Gegend von Coburg, üblich. Eine Seltenheit ist das Gürtelblech aus offensichtlich heimischem Handwerk. Es umschloss die Hüfte, ist 45,5 cm lang, 9,6 cm breit und hat eine Punkt-[2] oder Buckelverzierung.[4]
Deutung
Die meisten Bestattungen in diesem Hügel stammen aus der Bronzezeit. Das Mädchen von Molzbach ist am Ende der Hügelgräberbronzezeit, gegen 1300 v. Chr., anzusiedeln.[2] Nicht alle Gräber des Hügels waren mit Beigaben versehen. Reiche Bronzeausstattungen wie diese sind allgemein eher die Ausnahme.[4] Die kulturelle Heimat der Schmuckstücke zeigt Querverbindungen.[2] Die Tracht der jungen Frau ist für Osthessen ungewöhnlich. Vermutlich wurde sie im südhessischen Bereich oder im Obermaingebiet geboren.[4] Es wird für möglich gehalten, dass sie durch eine Heirat in diese Gegend umsiedelte.[7] Weshalb gerade ihr Grab reichlich ausgestattet wurde, ist unklar,[2] vermutlich hat es mit ihrem sozialen Status zu tun.[4]
Literatur
- Fritz Holste, Werner Jorns: Der Grabhügel von Molzbach. In: Germania. Band 19, Nummer 1, ISSN 0016-8874, Seite 4–12 (Digitalisat).
- Fritz-Rudolf Herrmann, Albrecht Jockenhövel (Hrsg.): Die Vorgeschichte Hessens. Konrad Theiss, Stuttgart 1990, ISBN 3-8062-0458-6.