Nicole Junkermann
deutsche Venture-Capital-Investorin
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Nicole Junkermann (auch Nicole Brachetti Peretti[1]; * 27. April 1975 in Düsseldorf) ist eine deutsche Unternehmerin und Investorin mit internationalen Aktivitäten im Sport-, Gesundheits- und Technologiebereich.

Leben
Nicole Junkermann ist die einzige Tochter des Düsseldorfer Unternehmers Heinz Junkermann (1928–2011) und seiner Frau Ingrid.[2] Sie wuchs in Marbella in Südspanien auf und unterstützte schon als Kind ihren Vater bei seinen geschäftlichen Aktivitäten, indem sie bei Meetings für ihn übersetzte.[3] Sie studierte Betriebswirtschaftslehre an der Internationalen Universität von Monaco[4] und anschließend Management Development an der Harvard Business School in den USA.[5] Noch vor Beendigung ihres Studiums gründete sie 1998 Winamax, eine Online-Gaming-Plattform. Die Erlöse flossen 2002 in das von ihr mitgegründete Medienrechteunternehmen Infront Sports & Media ein, in dem sie zusammen mit dem ehemaligen Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus als stellvertretende Vorstandsvorsitzende unter dem Präsidenten Philippe Blatter (* 1949) agierte. Das Unternehmen konnte die Rechte für die FIFA-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland kaufen und erhielt 2011 die Erlaubnis, die Fernsehrechte für die Fußball-Weltmeisterschaften 2018 und 2022 auf den asiatischen Märkten zu vermarkten. Infront Sports & Media wurde 2011 für 650 Millionen Euro an die europäische Private-Equity-Firma Bridgepoint Capital verkauft. Danach investierte Junkermann in Shanghai Really Sports, den größten Sportartikelvertreiber in China,[3] in dem sie ebenfalls einen Vorstandsposten innehatte.[6] Ihr 2005 gegründeter Private-Equity-Fonds United in Sports tätigt Medien- und Sportinvestitionen in Asien und Europa.[7]
Junkermann leitet die 2012 gegründete Investmentgesellschaft NJF Capital („Nicole Junkermann Finance Capital“) mit Registrierung auf den Britischen Jungferninseln und Sitz in London, die sie zum Risikokapitalarm ihrer Anlagenholding NJF Holdings ausbaute. Mit ihren Investments vor allem in Biotech-, KI- und Fintech-Branchen beteiligt sie sich an Projekten namhafter Investoren wie des Google-Gründers Eric Schmidt oder des Paypal-Gründers Peter Thiel und soll auch Beteiligungen an Revolut und SpaceX halten.[3][5][6] Zu ihren neueren Investitionen gehörte das 2014 gegründete Cybersicherheitsunternehmen Reporty, später Carbyne, das eine Notruftechnologie bereitstellt, mit der Notfälle mittels App direkt an Rettungsdienste gestreamt werden können. Mitgründer und zeitweise Vorsitzender des Verwaltungsrates war ab 2015 der ehemalige israelische Ministerpräsident Ehud Barak.[8] Junkermann investierte auch in Medienunternehmen wie die Bildagentur Magnum Photos (2019)[3] oder KI-Startups wie Owkin (2020),[9] das maschinelles Lernen zur Unterstützung der medizinischen und biologischen Forschung einsetzt.[10]
Ende 2018 wurde Junkermann vom damaligen britischen Gesundheitsminister Matt Hancock in den Healthtech Advisory Board des britischen National Health Service (NHS) berufen. Der neu gebildete Beirat sollte im NHS eine „Kultur der Innovation schaffen“.[3][6][11] In der Kooperation wurde dem auch von Google unterstützten Startup Owkin erlaubt, Patientendaten aus dem NHS zu verarbeiten, um mithilfe von KI Medikamente und Behandlungen zu entwickeln.[12]
Im Herbst 2025 erhielt Junkermann eine Gastprofessur für Technologie, Innovation und Entrepreneurship an der Lancaster University in England.[13] Die Hochschule charakterisierte sie als „eine führende Frühphaseninvestorin in Bereichen wie künstliche Intelligenz, Deep Tech, Biotechnologie und die Zukunft des Gesundheitswesens“.[14] Im Februar 2026 enthob die Universität Junkermann ihres Postens, nachdem ihre enge Beziehung zu Jeffrey Epstein bekannt geworden war.[15]
Im privaten Bereich ist eine langjährige Beziehung mit Patrick Graf von Faber-Castell (* 1965) bekannt. 2017 heiratete sie den italienischen Öl-Milliardär (API) und Grafen Ferdinando Brachetti Peretti (* 1960).[16][17] Ihre Tochter wurde im Frühjahr 2019 in der Päpstlichen Chorkapelle des Petersdoms in Rom getauft; Taufpatin war Sophie Habsburg.[18] Junkermann hatte bis zu ihrer Heirat in Monaco gelebt, seither in London.[19] Sie spricht Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch und Spanisch.[4] Wegen ihrer Investitionen in die deutsche Startup-Szene rechnete das Handelsblatt Junkermann 2021 zu den „100 Frauen, die Deutschland voranbringen“.[5]
Epstein-Kontakt
Anfang 2026 wurde durch die Veröffentlichung der Epstein-Akten in den USA ein intensiver, mindestens von 2009 bis 2019 währender, teilweise täglicher Kontakt über Tausende von E-Mails mit Jeffrey Epstein öffentlich, der neben geschäftlichen auch private Mitteilungen umfasste. Erste persönliche Kontakte zwischen ihnen gab es spätestens im Jahr 2002. Die meisten Nachrichten waren unspektakulär, um strafbare Inhalte ging es nie, die Korrespondenz belegt aber eine enge Freundschaft und dokumentiert, dass bedeutende Persönlichkeiten aus der Finanzoligarchie wie Peter Thiel, Len Blavatnik, David Cameron, Leon Black, Ariane de Rothschild, Lawrence Summers oder der Bill-Gates-Berater Boris Nikolic (* 1970) zu Junkermanns Netzwerk gehören.[5][6] Wiewohl keine Verstrickungen Junkermanns in Epsteins Verbrechen erkennbar werden, bietet der im Rahmen der Strafermittlungen gegen ihn sichergestellte und schließlich veröffentlichte E-Mail-Verkehr erhellende Aufschlüsse über die Funktionsweisen internationaler Finanz- und Einflussnetzwerke, die investigativjournalistisch breit ausgewertet werden.[20] In einem Interview erklärte Junkermann im Februar 2026, sie habe sich „getäuscht“ gefühlt.[21] Gleichzeitig dokumentiert Bericht EFTA00867120 der Epstein-Akten unter anderem folgenden Schriftverkehr aus dem Januar 2015 (aus dem Englischen übersetzt): Junkermann: „Denke an Dich, … hoffe, der Sturm zieht bald vorüber … Kuss“ Epstein: „Danke, ich nehme schlechte Presse nicht ernst.“ Junkermann: „Trotzdem nervig, wenn die Ratten aus dem Keller kommen.“[22][23]
Zudem heißt es in einer am 5. März 2019 um 10:45 verfassten Nachricht an Jeffrey Epstein: "Cross fingers it is just a wave and it goes away again. … bad timing on the whole Me too".[24]
Ein Verfügungsantrag, mit dem Junkermann erreichen wollte, dass über ihren Kontakt zu Epstein nicht berichtet werden darf, wurde vom LG Frankfurt im März 2026 abgewiesen.[25]
Weblinks
- Nicole Junkermann: Epsteins mysteriöse deutsche Vertraute - WELT. Abgerufen am 21. Februar 2026.
- Ehemalige Webseite von Nicole Junkermann, archiviert bei archive.org am 13. Juni 2021