NSDAP-Mitgliederkartei
Archivbestand des Bundesarchivs
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Die NSDAP-Mitgliederkartei umfasst die elementaren Daten von Mitgliedern der NSDAP, die ihren Sitz im Braunen Haus in München hatte. Das Material ist für Forschungen aller Art von Interesse, darunter auch für die Aufklärung, inwieweit Karrieren nach 1945 ungehindert fortgesetzt wurden und wie dies die Entwicklung Nachkriegsdeutschlands mitbeeinflusste.[1]
Karteien
Die Karteikarten umfassen Angaben wie Name, Geburtsdatum, Geburtsort, Beruf, NSDAP-Mitgliedsnummer, Beitrittsdatum sowie die Zugehörigkeit zu den jeweiligen Ortsgruppen. Sie besteht aus der alphabetisch sortierten Zentralkartei (4,4 Millionen Karten) und der ursprünglich nach Gauen sortierten Gaukartei (8,3 Millionen Karten).
Die Karteien lagen im damaligen Braunen Haus am Münchner Königsplatz und sollten 1945 vernichtet werden. Michel Thomas, der als Mitglied des Counter Intelligence Corps der 45. US-Infanterie-Division an der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau teilgenommen hatte, entdeckte am 20. Mai 1945 in der Papierfabrik Josef Wirth in München 68 Tonnen Mitglieder-Karten der NSDAP-Zentralkartei, die dort eingestampft werden sollten. Hanns Huber, der Geschäftsführer der Papiermühle, hatte deren Vernichtung verzögert.[2] Die Kartei wurde dem US-Stadtkommandanten in München gemeldet und im Januar 1946 einschließlich der originalen Möbel des Braunen Hauses in das Berlin Document Center gebracht. Überliefert wurde diese Geschichte von Astrid Eckert, die am Deutschen Historischen Institut Washington forschte.[3][4][5][6] Bestenfalls 62,5 % der Karten sind erhalten, die zugehörigen Antragsscheine sind zu über 90 % vernichtet.
Die Karteien gehörten dann zu den Beständen des Berlin Document Center (BDC). Ab 1991 wurden die Karteikarten auf Mikrofilm verfilmt. Seit 1994 befindet sich der Bestand beim Bundesarchiv in der Außenstelle in Lichterfelde. Der Bestand besteht aus 12.717.012 Digitalisaten. Sie sind als die Bestände R 9361-VIII KARTEI (Zentralkartei) und R 9361-IX KARTEI (Gaukartei) erfasst. Es können bestenfalls 90, vermutlich aber eher 80 Prozent der NSDAP-Mitglieder über die Kartei nachgewiesen werden.
Die neu gegründete NSDAP bestand von 1925 bis 1945, die Mitglieder der 1923 verbotenen Partei sind in der Mitgliederkartei nicht erfasst, da mit der Neugründung der NSDAP 1925 jeder die Aufnahme neu beantragen musste. 1989 gab das BDC die höchste in seinem Karteibestand aufgefundene Mitgliedsnummer mit 10.174.581 an.[7]
Weil noch personenbezogene Schutzfristen bestehen, ist eine Nutzung des Bestandes beim Bundesarchiv über das Internet nicht möglich.[8]
2025 machten die National Archives die Daten in digitaler Form frei verfügbar (Zentraldatei A3340-MFKL, Ortsgruppendatei A3340-MFOK).[9]
Die deutsche Wochenzeitung Die Zeit stellte im April 2026 eine Suchmaschine vor, mit deren Hilfe in beiden Dateien recherchiert werden kann.[10]
Die Rechercheplattform Correctiv und das Medium Katapult boten ab dem 12. Mai 2026 auf Grundlage der Seite brownarchive.org des Programmierers Christoph Reit ebenfalls eine Recherchemöglichkeit anhand von Nachname, Vorname, Geburtsdatum, Geburtsort oder auch Gau-Angabe, an.[11] Kurz nach der Veröffentlichung erhielten Correctiv und Katapult von der Herausgeberin der im April 2026 online gestellten Suchmaschine der Zeit den Hinweis, dass es sich bei den hinter Brownarchive stehenden Daten nicht um die Primärdaten handelt, sondern sich die Entwickler auf die aufbereiteten Daten der Zeit bedient hätten. Dem seien Correctiv und Katapult nachgegangen und haben unmittelbar sowohl die Datenbank als auch den zugehörigen Artikel NSDAP-Kartei ohne Bezahlschranke vom Netz genommen. Sohin ist auch brownarchive.org zurzeit nicht abrufbar.[12]
Siehe auch
Rundfunkbericht
- Alexa Schulz: War Opa Nazi? – NSDAP Mitgliedkarten online veröffentlicht (WDR Aktuelle Stunde) in der WDR-Mediathek (5 Min.), abrufbar bis 3. April 2028
Weblinks
- NSDAP-Mitgliederkartei – Umsignierungen und Abgaben. Bundesarchiv.de
- Benutzung und Auskunft aus der digitalisierten NSDAP-Mitgliederkartei. Bundesarchiv.de
- Mitgliederverzeichnis der DAP und der NSDAP 1919-1921. Bundesarchiv, BArch NS 26/230; Deutsche Digitale Bibliothek (DDB).
- Records Relating to Membership in the Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP), 1945–1994. National Archives.
- Bestimmung der in Frage kommenden Filmrolle nach Namen