Nabû-kudurrī-uṣur I.
babylonischer König im 12. Jhd. v. Chr
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Nabû-kudurrī-uṣur I., auch Nebukadnezar I. in Analogie zur hebräischen Namensform von Nabû-kudurrī-uṣur II., war ein babylonischer König und regierte um 1125 bis 1104 v. Chr. als vierter Herrscher aus der Zweiten Isin-Dynastie. Sein Name bedeutet „Nabû schütze meinen Erbsohn“.
Leben
Nabû-kudurrī-uṣur war der vierte König der 2. Isin-Dynastie und folgte seinem Vater Ninurta-nādin-šumi 1125 v. Chr. auf den Thron. Seine größten Errungenschaften in seiner 22-jährigen Regierungszeit waren neben dem Erreichen der Unabhängigkeit vom Assyrischen Reich vor allem die Eroberung des benachbarten Königreichs Elam und die Rückholung der Statue des babylonischen Stadtgottes Marduk. Auf ihn folgte 1104 v. Chr. sein Sohn Enlil-nādin-apli.
Politik
Außenpolitik
Die 576 Jahre währende Kassiten-Dynastie wurde 1155 v. Chr. durch die Eroberung Babylons durch die Elamiten zerschlagen. Nach der Niederlage wurden den Babyloniern hohe Tribute auferlegt. Die berühmten Gesetzesstele des Hammurapi I. (mit dem Kodex Hammurapis) wurden in die elamitische Hauptstadt Susa gebracht. Der schmerzvollste Verlust war für die Babylonier jedoch die Statue von Marduk, die ebenso nach Susa verschleppt wurde. Dies war womöglich der Grund, dass Nabû-kudurrī-uṣur Jahrzehnte später den Feldzug gegen das östlich von Babylon gelegene Königreich Elam startete.
Die Dauer von Nabû-kudurrī-uṣurs Krieg mit Elam und die Anzahl der Feldzüge, die er führte, sind nicht bekannt. Jedoch fand der entscheidende Feldzug möglicherweise 1110 v. Chr. statt, welchen er von der Grenzstadt Dēr im Monat Du'uzu (Juni/Juli) begann. Eine Stele des Kassiten-Scheichs Šitti-Marduk erzählt detailliert von den Vorbereitungen und Ereignissen der Schlacht:
„[…] als der König der Götter, Marduk, ihm befahl, das Land der Akkade zu rächen, ergriff er seine Waffen und machte bis hin zur Stadt Dēr, der Kultstadt des An, einen Angriff. Für 30 bēru (Wegestrecke) machte er sich im IV. Monat auf den Weg. Nachdem (während) des gesamten Zeitraums die Mittagshitze wie Feuer glühte und die „Windungen?“ der wie Wege wie Flammen brannten, gab es kein Wasser in den Auen, die Tränken waren abgeschnitten.“
Die entscheidende Schlacht fand am Fluss Ulaya statt, welcher in der heutigen Provinz Chuzestan im Südwesten Irans liegt. In dieser Schlacht konnte sich das babylonische Königreich durchsetzen, wobei der kassitische Scheich Šitti-Marduk den ausschlaggebenden Gesamtsieg über Elam erzielte. Das Schicksal des elamitischen Königs Hutelutuš-Inšušinak bleibt unklar. Nach dieser Schlacht plünderte und verwüstete Nebukadnezar das Königreich Elam und seine Hauptstadt Susa so sehr, dass dies womöglich der Grund war, dass Quellen und Berichte aus und über Elam die nächsten 300 Jahre fehlen.
Für die Babylonier war Nabû-kudurrī-uṣur größte Errungenschaft die „Heimholung“ der babylonischen Stadtgott-Statue Marduk in die babylonische Hauptstadt Babylon, welche sich Jahrzehnte im Besitz der Elamiter befunden hatte. Dieser Sieg wurde in Hymnen, epischer Poesie und in der Marduk-Prophezeiung gefeiert. Das „Nabû-kudurrī-uṣur und Marduk“ oder das Epos von Nabû-kudurrī-uṣur ist eine legendäre Geschichte der Genesung der Statue von Marduk und eine von zwei Hymnen, die seine militärischen Errungenschaften verherrlichen. Die zweite Hymne ist die „Hymne an Marduk“, die den Sieg über die Elamiter feiert.[2]
Mit dem nördlich von Babylon gelegenen Assyrischen Reich gab es ebenso bewaffnete Auseinandersetzungen. Ende des 12. Jahrhunderts v. Chr. konnte das Assyrische Reich unter Tukulti-apil-Ešarra I. (1114–1076 v. Chr.) seinen Machtbereich bis Persischen Golf ausweiten, wobei auch Babylon erobert wurde.[3] Jedoch konnte Nabû-kudurrī-uṣur schon kurze Zeit später wieder die Unabhängigkeit Babyloniens erreichen.
Innenpolitik
Durch die Eroberung Babyloniens durch die Elamiter 1155 v. Chr. endete die 576 Jahre währende Kassiten-Dynastie und begann die 2. Dynastie von Isin. Während der Herrschaft Nabû-kudurrī-uṣurs sind keine größeren Benachteiligungen der Kassiten Überliefert. So dienten unter ihm viele Kassiten in hohen militärischen und zivilen Ämtern und in anderen hohen Positionen wie die des Statthalters. Der Kassit Šitti-Marduk hatte als militärischer Anführer großen Anteil beim Sieg über das Königreich Elam.
Nabû-kudurrī-uṣur ließ während seiner Zeit als Herrscher mehrere Tempel errichten und ausbauen. Überliefert ist der Bau des Tempels Ekituš-ḫegal-tila in Babylon, welcher dem Wettergott Adad gewidmet war. Ebenso ließ er Bauarbeiten am Haupttempel des Schöpfergottes Enlil in Nippur durchführen.
Literatur
- John A. Brinkman: Nebukadnezar I. In: Michael P. Streck (Hrsg.): Reallexikon der Assyriologie und Vorderasiatischen Archäologie. Band 9: Nab – Nuzi. De Gruyter, Berlin u. a. 2001, ISBN 3-11-017296-8, S. 192–194.
- Dietz-Otto Edzard: Geschichte Mesopotamiens. Von den Sumerern bis zu Alexander dem Großen. 2., verbesserte Auflage. Beck, München 2009, ISBN 978-3-406-51664-1, S. 176, 183 und 191.
- Paul-Richard Berger: NEBUKADNEZAR I. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 6, Bautz, Herzberg 1993, ISBN 3-88309-044-1, Sp. 527–528.