Nachauflauf
Anwendungszeitpunkt von Herbiziden im Pflanzenschutz
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Als Nachauflauf (kurz NA) wird im Pflanzenschutz der Anwendungszeitpunkt von Herbiziden bezeichnet, der nach dem Auflaufen (Keimung und Sichtbarwerden) sowohl der Kulturpflanze als auch der zu bekämpfenden Konkurrenzflora (Unkräuter und Ungräser) liegt. Die Behandlung richtet sich gezielt gegen bereits wachsende Unkräuter. Das Gegenstück ist die Vorauflauf-Anwendung, die vor dem Auflaufen der Kulturpflanze stattfindet.[1][2]
Grundprinzip und Wirkungsweise
Nachauflaufherbizide werden auf die Blätter und Stängel der bereits entwickelten Unkräuter appliziert. Die Wirkstoffe werden über die grünen Pflanzenteile (meist die Blätter) und über die Wurzeln aufgenommen und entfalten dort ihre Wirkung.[2] Je nach Wirkstofftyp geschieht dies auf zwei Wegen:
- Kontaktwirkung: Das Herbizid zerstört nur die Pflanzenteile, mit denen es direkt in Berührung kommt. Eine vollständige Benetzung der Pflanze ist für den Erfolg entscheidend.[3]
- Systemische Wirkung: Der Wirkstoff wird von der Pflanze aufgenommen und über die Leitungsbahnen (Phloem und/oder Xylem) in der gesamten Pflanze verteilt. So werden auch unterirdische Teile wie Wurzeln oder Rhizome erreicht, was besonders bei mehrjährigen Unkräutern wichtig ist.[3]
Die Selektivität, also die Fähigkeit des Herbizids, nur die Unkräuter zu schädigen und die Kulturpflanze zu schonen, ist entscheidend. Sie beruht entweder auf biochemischen Unterschieden (die Kulturpflanze kann den Wirkstoff abbauen) oder auf morphologischen Unterschieden (z. B. unterschiedliche Wachsschichten auf den Blättern).
Anwendungszeitpunkt und -bedingungen
Der Erfolg einer Nachauflauf-Behandlung hängt stark vom richtigen Zeitpunkt und den Witterungsbedingungen beziehungsweise der Befahrbarkeit ab.[2]
- Entwicklungsstadium der Unkräuter: Junge, aktiv wachsende Unkräuter im Keimblatt- bis 2-4-Blatt-Stadium sind am empfindlichsten. Mit zunehmendem Alter entwickeln sie dickere Cuticula und werden widerstandsfähiger.
- Entwicklungsstadium der Kulturpflanze: Die Anwendung muss in einem Stadium erfolgen, in dem die Kulturpflanze eine hohe Toleranz gegenüber dem Wirkstoff aufweist (sogenanntes "Anwendungsfenster").
- Witterung: Eine hohe Luftfeuchtigkeit und wüchsiges Wetter (Temperaturen meist über 10 °C) fördern die Aufnahme des Wirkstoffs. Trockenheit, Hitze oder Kälte können die Wirkung reduzieren und die Kulturpflanzenverträglichkeit beeinträchtigen.[4]
Wirkstofftypen
Blattherbizide
Reine Blattherbizide wirken ausschließlich über die grünen Pflanzenteile und haben keine oder nur eine sehr geringe Bodenwirkung. Sie bekämpfen nur bereits aufgelaufene Unkräuter.[3] Beispiele sind:
- Glyphosat: Ein nicht-selektives Breitbandherbizid, das systemisch wirkt. Im Nachauflauf wird es hauptsächlich zur Stoppelbehandlung eingesetzt.
- ACCase-Hemmer (FOPs, DIMs und DENs): Spezialisten gegen Ungräser (z. B. Flughafer, Acker-Fuchsschwanz). Sie wirken systemisch.
- ALS-Hemmer (Sulfonylharnstoffe): Eine große Wirkstoffgruppe mit breitem Wirkungsspektrum gegen zweikeimblättrige Unkräuter und teilweise auch Ungräser.
- Wuchsstoff-Herbizide (z. B. 2,4-D, MCPA): Wirken systemisch gegen zweikeimblättrige Unkräuter in Getreide und Mais.
Boden- und Blattherbizide
Diese Herbizide werden sowohl über das Blatt als auch über den Boden (Wurzeln) aufgenommen.[3] Sie bekämpfen bereits aufgelaufene Unkräuter (Blattwirkung) und bieten gleichzeitig eine Dauerwirkung gegen später keimende Unkräuter (Bodenwirkung). Ein feuchter Boden ist für die Aktivierung der Bodenwirkung essenziell.
Anwendung in der Praxis
Die Nachauflauf-Behandlung ist eine Standardmaßnahme in vielen landwirtschaftlichen Kulturen wie Getreide, Mais, Zuckerrüben und Raps.[5] In Zuckerrüben ist das sogenannte Splitting-Verfahren verbreitet[6], bei dem mehrere Behandlungen (meist drei) mit reduzierter Aufwandmenge im Abstand von etwa 10–14 Tagen erfolgen. Dies hält die Kulturpflanzenverträglichkeit hoch und erfasst immer wieder neu keimende Unkräuter in ihrem empfindlichsten Stadium.
Moderne Technologien wie die teilflächenspezifische Anwendung mittels Kamerasensoren (Precision Farming) ermöglichen es, Nachauflauf-Herbizide nur dort auszubringen, wo tatsächlich Unkräuter wachsen ("Spot-Spraying"), was den Herbizidverbrauch erheblich reduzieren kann.[7]