Nacim Ghanbari

deutsche Germanistin From Wikipedia, the free encyclopedia

Nacim Ghanbari (* 1979 in Teheran) ist eine deutsche Germanistin, Literatur- und Kulturwissenschaftlerin.[1] Seit 2020 ist sie Professorin für Neuere deutsche Literatur mit dem Schwerpunkt Literatur- und Kulturgeschichte/Historische Semantik an der Universität Siegen.[2] Ihre Forschung befasst sich mit deutscher Literatur des 18. und 19. Jahrhunderts, Klassischer Moderne, Patronage, Netzwerktheorie, Literaturtheorie sowie mit den Zusammenhängen von Kulturtheorie und Sozialgeschichte.[3][4]

Leben

Ghanbari studierte von 1999 bis 2004 Germanistik, Geschichte und Philosophie an den Universitäten Konstanz und Hannover und schloss ihr Studium 2004 an der Universität Konstanz mit dem Magistra Artium ab.[2] Von 2004 bis 2007 war sie Promotionsstipendiatin im Konstanzer Graduiertenkolleg Die Figur des Dritten; 2005 war sie Gastwissenschaftlicherin an der Abteilung für Germanistik der Universität Chicago.[5] Sie wurde 2008 an der Universität Konstanz mit der Arbeit Das Haus. Eine deutsche Literaturgeschichte 1850–1926 summa cum laude promoviert.[2] Sie war wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Konstanz und der Universität Siegen und forschte danach 2012/2013 am Internationalen Forschungszentrum Kulturwissenschaften in Wien und 2014/15 mit einem Feodor-Lynen-Stipendium der Alexander-von-Humboldt-Stiftung an der Universität Chicago.[2][4] Von 2015 bis 2020 war sie Juniorprofessorin für Neuere deutsche Literatur an der Universität Siegen; 2017/18 war sie zudem Gast-Assistenzprofessorin an der Germanistischen Abteilung der Princeton University.[2] Im Jahr 2023 habilitierte sie sich an der Philosophischen Fakultät der Universität Siegen mit der Schrift Patronage und deutsche Literatur im 18. Jahrhundert und erhielt die Venia legendi für Neuere deutsche Literaturwissenschaft, Germanistik und Allgemeine Literaturwissenschaft.[2]

Wirken

Ghanbaris erste Monografie Das Haus. Eine deutsche Literaturgeschichte 1850–1926 erschien 2011 bei De Gruyter und befasst sich mit genealogischen Erzählmustern in deutschsprachigen Romanen vom späten 19. bis ins frühe 20. Jahrhundert mithilfe der sozialanthropologischen Kategorie des Hauses.[6] An der Studie sind die kulturwissenschaftlichen, sozialanthropologischen und germanistischen Ansätze hervorzuheben.[7] In Patronage und deutsche Literatur im 18. Jahrhundert beschreibt Ghanbari Patronage als schriftintensive soziale Praxis, die Aufnahme in soziale Netzwerke und die Entstehung literarischer Öffentlichkeiten ermöglicht, und behandelt dabei insbesondere Anna Louisa Karsch und Jakob Michael Reinhold Lenz.[3] Als Herausgeberin war sie an Bänden und Themenheften zu Kollaboration, Reinigungsarbeit, Heinrich Bosse, Christlob Mylius und Anna Louisa Karsch beteiligt.[2] Neben ihrer akademischen Forschung veröffentlichte Ghanbari Essays und Zeitungsbeiträge zu den Protesten im Iran und zur Bewegung Frau, Leben, Freiheit.[1][8] Ghanbari gemeinsam mit Anna Kinder deutsch-iranische Protestgeschichte im Deutschen Literaturarchiv Marbach nach.[9]

Veröffentlichungen (Auswahl)

Einzelnachweise

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