Nakamichi
Unternehmen in Japan
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Nakamichi K.K. (jap. ナカミチ株式会社, Nakamichi Kabushiki kaisha) ist ein japanischer Hersteller von Unterhaltungselektronik und war Vorreiter bei der Entwicklung von hochwertigen Kassettendecks.
| Nakamichi | |
|---|---|
| Rechtsform | Aktiengesellschaft |
| Gründung | 1948 |
| Sitz | Tokio, Japan |
| Branche | Unterhaltungselektronik |
| Website | www.nakamichi.com |
Anfänge
Die Gründung erfolgte 1948 von Etsuro Nakamichi († 10. November 1982[1][2]) in Tokio als Forschungsinstitut Nakamichi Research.[3][4] Schwerpunkte lagen im Bereich Elektromagnetismus, magnetische Aufnahmetechnik, Akustik und Kommunikation.[1] Anfänglich wurde Auftragsforschung für die Regierung, Universitäten und die Industrie durchgeführt. Von Nakamichi entwickelte Spulentonbandgeräte wurden unter anderen großen Handelsnamen verkauft. Mit der Entwicklung der Musikkassette stellte dann auch Nakamichi hochwertige Kassettengeräte her, teilweise auch für andere große Unternehmen.[5]
Pionier in der Kassettendeck-Technologie

1973 war Nakamichi einer der ersten Hersteller, die Rekorder mit drei Tonköpfen vorstellten, den Nakamichi 1000 und den Nakamichi 700. Damit wurde direkte Hinterbandkontrolle möglich, das heißt das Abhören bzw. die Kontrolle des aufgenommenen Musiksignals noch während der laufenden Aufnahme. Zudem verbesserte sich dadurch die Klangqualität, denn für Aufnahmeköpfe sind andere Luftspaltdimensionen ideal als für Wiedergabeköpfe. In den USA erhielten diese beiden Rekorder noch den Namenszusatz Tri-Tracer, um auf die neue Technik aufmerksam zu machen.
In den 1980er Jahren war Nakamichis bekanntestes Gerät das 1982 (im selben Jahr wie der erste CD-Spieler) vorgestellte Kassettendeck Dragon,[7][8] das drei Tonköpfe mit einer automatischen Azimutanpassung des Wiedergabekopfes verband. Damit können auch mit einem Azimutfehler behaftete Aufnahmen, etwa von Fremdgeräten, in hoher Qualität wiedergegeben werden. Ursprünglich war diese Technik von Marantz entwickelt worden, aber im Gegensatz zu deren piezogesteuertem System verwendete Nakamichi herkömmliche elektrische Stellmotoren.[9][8] Dies Gerät geht technisch wie das Dreikopfmodell 1000[1] auf Niro Nakamichi, den Bruder von Etsuro Nakamichi, zurück.[10][11]

Eine weitere exklusive Besonderheit bei Nakamichi waren die sogenannten UDAR-Kassettendecks (UniDirectional AutoReverse) der RX-Serie. Hier wurde im Gegensatz zu herkömmlichen Autoreverse-Geräten am Bandende oder auf Tastendruck nicht der Tonkopf gewendet und gleichzeitig die Bandrichtung umgekehrt, sondern über einen speziellen Mechanismus die Kassette im Gerät gedreht. Das geschah genauso schnell wie in herkömmlichen Geräten das Umschalten der Bandrichtung. Der Vorteil dieser Technik ist zum einen, dass die Capstanwellen weiterlaufen können, was dem Gleichlauf insbesondere in den ersten Sekunden zugutekommt, und zum anderen, dass der Tonkopf fest montiert ist, was der Azimutgenauigkeit entgegenkommt.
Zu gewisser Berühmtheit gelangte das Kassettendeck RX 505 durch eine Szene in dem Kinofilm 9½ Wochen, in der der mechanische Drehmechanismus großformatig gezeigt wird.[12]
1989 wurde der digitale Aufnahmerekorder 1000 vorgestellt.[13][1]
Andere Gerätetypen

Nakamichi stellte in den 1980er Jahren und etwa mindestens bis 1994[14] auch alle anderen Komponenten einer damaligen typischen Stereoanlage her. Diese erreichten jedoch trotz hoher Qualität nicht annähernd die Bekanntheit und Verbreitung der Kassettendecks. Als eine Erklärung für den eher geringen Markterfolg wird das damals futuristisch anmutende, eher nüchterne Design mit teilweise kantigen geometrischen Formen genannt, wobei die Geräte fast durchweg in Schwarz gehalten waren. Andere Hersteller hochpreisiger HiFi-Produkte wie Luxman hätten mit ihren Produkten besser den damaligen Kundengeschmack getroffen. Zudem hätte Nakamichi nie eine breite Palette von Geräten in unterschiedlichsten Preisklassen angeboten wie andere Hersteller.[15]
Zum Programm gehörten etwa der 20.000 DM (nach heutigem Geldwert ca. 24.000 Euro) teure High-End-Plattenspieler TX-1000 mit computergesteuerter Kompensation von Gleichlaufstörungen,[15] Receiver, Tuner, CD-Player, Vollverstärker, Lautsprecherboxen und Verstärkerkombinationen aus separatem Vorverstärker und Endstufe. Viele dieser Geräte sind bis heute gefragte Gebrauchtgeräte,[15] etwa die 27 kg schwere Endstufe PA-7e aus den späten 1980er Jahren mit 330 Watt Sinusleistung an 4 Ohm, für die eine Lizenz des US-amerikanischen Verstärker-Anbieters Threshold[16] verwendet wurde.[17] Die Endstufe kostete etwa 4.500 DM, nach heutiger Kaufkraft ca. 5.000 Euro. Der zugehörige Vorverstärker CA-7e kostete 7.000 DM, heute rund 7.800 Euro. Beide Geräte werden heute noch gebraucht zu Preisen von jeweils deutlich über 1.000 Euro angeboten.[18]
Nakamichi baute in den 1990er Jahren auch CD-Wechsler für CD-ROMs. Diese Geräte fassten bis zu 7 CDs und wurden über die SCSI-Schnittstelle angesprochen.
Wirtschaftliche Schwierigkeiten ab den 1990er Jahren
In den 1990er Jahren wurden Kassettendecks nach und nach von anderen, digitalen Aufnahmemedien vollständig vom Markt verdrängt, zunächst von der bespielbaren CD, später auch durch die MP3-Technologie. Damit verschwand mit den Kassettendecks auch der stärkste Umsatzbringer.[15] Das Dragon-Kassettendeck wurde bis 1993 gebaut.[7] 2000 waren die Kassettendecks der DR-Serie noch erhältlich.[19]
Bis 1993 war das Unternehmen auch auf dem europäischen Markt vertreten, zog sich dann aber wegen Absatz- und Vermarktungsproblemen zurück. 1997 wurde das Unternehmen von der in Hongkong ansässigen The Grande Holdings Ltd. übernommen, die ebenfalls die Marken Akai und Sansui hält.[20]
In der Zwischenzeit war aus Nakamichi ein renommierter Hersteller von Car-HiFi geworden,[21][22] welcher überwiegend von japanischen Kfz-Herstellern eingesetzt wurde.[23]
Nach 2000
Niro Nakamichi baute ab 2001 in einem neuen US-amerikanischen Unternehmen Mechanical Research hochwertige Verstärker unter dem Namen Niro,[24][25][10] ab 2003 in Mehrkanal-Technik.[26][27]

Am 19. Februar 2002 beantragte das japanische Unternehmen ein Insolvenzverfahren nach dem Gesetz über die zivilrechtliche Reaktivierung (民事再生法, minji-saisei-hō) mit einer Schuldensumme von 20 Mrd. Yen (170 Mio. €). Davon ausgenommen war die Vertriebstochter Nakamichi Hambai K.K. (ナカミチ販売株式会社).[28]
Im Juni 2006 baute Nakamichi seinen ersten tragbaren DVD-Spieler, Lumos, mit eingebautem LCD-Bildschirm.[29][30]
Zum 31. Mai 2008 stellte Nakamichi Hambai den Vertrieb von Nakamichi-Produkten ein und wendete sich dem After-Sales-Management zu, während Nakamichi (etwa bis 2011) selber Plasma-[31] und LCD-Fernseher[32] ausschließlich für den ausländischen Markt entwickelte.[33]
2014 präsentierte Nakamichi eine 7.1-Vor-/Endstufenkombination, die AV1/AVP1.[34] 2019 kehrte Nakamichi als Marke in den USA mit modernen Fahrzeugprodukten (CarPlay/Android Auto, Bluetooth-Streaming) zurück.[35][36] 2023 wurde auf der Consumer Electronics Show eine etwa 1,48 m breite Soundbar mit 17 Lautsprechern und dem Namen Dragon vorgestellt,[37] und die Marke ist im Bereich Lautsprecher für Home Cinema aktiv (2024).[38][39] Für Europa sind in diesem Bereich bislang keine Aktivitäten bekannt.[37][40]
Weblinks
- Website von Nakamichi (englisch)
- Unternehmensgeschichte und Hi-Fi-Klassiker (Archivlink, deutsch)
- The unofficial Nakamichi Cassette Deck resource for the last 10 years (englisch)
