Nannette Streicher

deutsche Klavierbauerin (1769-1833) From Wikipedia, the free encyclopedia

Anna-Maria genannt Nannette Streicher, geb. Stein (* 2. Januar 1769 in Augsburg; † 16. Januar 1833 in Wien), war eine deutsch-österreichische Klavierbauerin, Komponistin, Musikpädagogin und Schriftstellerin.

Nannette Streicher, Tuschezeichnung von Ludwig Krones, 1836

Leben und Wirken

Streicher-Flügel um 1820
Grab von Nannette Streicher und ihrer Familie auf dem Wiener Zentralfriedhof, 32A Nr. 30 (2014)

Nannette war das sechste Kind des Orgel- und Klavierbauers Johann Andreas Stein in Augsburg (1728–1792) und seiner Frau Maria Regina Stein geb. Burkhart.[1] Schon früh erhielt sie Klavier- und Gesangsunterricht von ihrem Vater, der dabei ganz unter dem Einfluss seines Freundes Ignaz von Beecke stand. Im Alter von fünf Jahren soll sie bereits bei einem Konzert mitgewirkt haben.[1]

Sie debütierte im April 1776 als Siebenjährige mit einem Klavierkonzert in der Augsburger Patrizierstube und erhielt als Anerkennung der großen Bewunderung eine Medaille überreicht.[2] Kurz darauf gab sie ein Konzert in der Kaufleutestube sowie am kaiserlichen Hof in Wien. Als Wolfgang Amadeus Mozart 1777 in Augsburg weilte, hörte er ein Vorspiel von Nannette. Die Darbietung gefiel ihm allerdings nicht und er gab dem Vater Ratschläge zur Verbesserung von Technik und Stil der jungen Musikerin.[1]

In der Folge trat Nannette Stein in Augsburg als Pianistin immer wieder in Konzerten auf, teilweise gemeinsam mit ihrer Freundin, der Hofpianistin von Oettingen-Wallerstein, Anna von Schaden. 1787 sang sie in einem Konzert „einige kleinere Arien“. Das Singen musste sie später aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. Der Vater hatte sie schon sehr früh im Klavierbau unterwiesen; sie arbeitete in der väterlichen Werkstatt mit, führte Instrumente vor und begleitete ihn auf Geschäftsreisen. So war sie in der Lage, die Werkstatt nach seinem Tode am 29. Februar 1792 selbstständig weiterzuführen.[3]

Am 7. Januar 1794 heiratete sie den Musiker und Friedrich-Schiller-Freund Johann Andreas Streicher (1761–1833) und übersiedelte im selben Jahr mit ihm nach Wien. Hier führte sie den väterlichen Betrieb zunächst gemeinsam mit ihrem jüngeren Bruder Matthäus Andreas Stein (1776–1842) unter dem Namen „Geschwister Stein“ weiter.[3] 1802 gingen die Geschwister getrennte Wege und Nannette gründete die Firma „Nannette Streicher geb. Stein“. Mit der Unterstützung ihres Mannes – und seit 1824/25 mit ihrem Sohn Johann Baptist (1796–1871) als Teilhaber – gelang es ihr, den Betrieb zu einem der bedeutendsten Klavierbauunternehmen der Residenzstadt auszubauen.[4]

Zu den Freunden und Kunden des Ehepaars Streicher zählten u. a. Ludwig van Beethoven und Johann Wolfgang von Goethe. Von Beethoven erhielt sie den Auftrag, ein Klavier zu bauen, das seiner fortschreitenden Ertaubung durch besondere Klangfülle Rechnung trug.[5] Ihre Freundschaft zu Beethoven ist in über sechzig kleinen Briefchen dokumentiert, in denen er sie um Rat und Hilfe in Haushalts- und Erziehungsfragen bat, nachdem er die Vormundschaft für seinen Neffen Karl erhalten hatte. Auch Eintragungen in den Konversationsheften des Komponisten belegen, wie eng der Kontakt zwischen Beethoven und der Familie Streicher war.

Nannette und Andreas Streicher waren jedoch nicht nur Klavierbauer. Das Ehepaar Streicher gehörte zudem zu den Gründern der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien.[6] Nannette Streicher selbst spielte gerne in privatem Kreis vor Musikfreunden und Besuchern, mitunter zusammen mit ihrer Tochter Sophie (1797–1840), einer gleichfalls begabten Klavierspielerin. Einen wichtigen Beitrag zum Wiener Musikleben bildeten auch die Konzerte, die sie zunächst in ihrer Wohnung, ab 1812 dann in ihrem etwa 300 Zuhörer fassenden Klaviersalon veranstalteten und jungen Künstlerinnen und Künstlern willkommene Auftrittsmöglichkeiten boten.

Nannette Streicher starb am 16. Januar 1833. Sie wurde laut Damen Conversations Lexikon auf dem Sankt Marxer Friedhof beigesetzt. Nach dessen Schließung wurde sie gemeinsam mit ihrem Mann Johann Andreas Streicher in ein Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof umgebettet (Gruppe 32A Nr. 30).

Werke

  • Deux Marches pour le Piano Forte. Composées par Madame Nannette Streicher née Stein. Prix 75 Cs. Bonn et Cologne chez N. Simrock. Propriété de l‘Editeur 1378. [1827].
  • Klage über den frühen Tod der Jungfer Ursula Sabina Stage. Für eine Singstimme und Klavier (c-Moll), Augsburg 1788.
  • Marche à huit Instruments à vent. Nikolaus Simrock, Bonn et Cologne, 1817.[7]

Aufnahmen

  • Jan Vermeulen: Franz Schubert „Works for fortepiano. Volume 1“. Nannette Streicher 1826, Hammerklavier

Literatur

Commons: Nannette Streicher – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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