National Tramway Museum

Nationales Straßenbahnmuseum des Vereinigten Königreichs From Wikipedia, the free encyclopedia

Crich Tramway Village ist ein Freilichtmuseum in Crich in der Grafschaft Derbyshire (England). Es beherbergt das National Tramway Museum (deutsch: Nationales Straßenbahnmuseum), das eine der größten Sammlungen historischer Straßenbahnen der Welt umfasst. Das Museum zeigt die Geschichte des Straßenbahnwesens im Vereinigten Königreich von den 1860er Jahren bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Schnelle Fakten Daten ...
National Tramway Museum

Parade im National Tramway Museum
Daten
Ort Crich, Derbyshire Welt-Icon
Eröffnung 1959
Website
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Geschichte des Museums

Geschichte des Standorts

Trasse der von George Stephenson erbauten Montanbahn

Der Eisenbahnpionier George Stephenson hatte enge Verbindungen zu Crich, und die heutige (Stand 2008) Museumsstraßenbahn folgt teilweise dem Verlauf der Montanbahn, die er zur Verbindung des Steinbruchs mit Ambergate errichtete.[1][2]

Beim Bau der North Midland Railway von Derby nach Rotherham und Leeds entdeckte Stephenson im Gebiet von Clay Cross reiche Kohlevorkommen und erkannte eine neue Geschäftsmöglichkeit. Crich war bereits für seinen hochwertigen Kalkstein bekannt. Stephenson plante, den örtlichen Kalkstein zusammen mit der geförderten Kohle zur Herstellung von gebrannten Kalk für landwirtschaftliche Zwecke zu nutzen und diesen über die neue Eisenbahn zu vertreiben. Der Steinbruch „Cliff Quarry“, an dessen Stelle sich heute das Museum befindet, wurde von Stephensons Firma erworben. Um ihn mit den in Ambergate errichteten Kalköfen zu verbinden, ließ Stephenson eine Bahnlinie anlegen. Stephenson verbrachte die letzten zehn Jahre seines Lebens in Chesterfield und brachte häufig Besucher nach Crich, um ihnen die Bahn zu zeigen. Er starb 1848 und wurde in der Holy Trinity Church in Chesterfield beigesetzt.[1][3]

Der Steinbruch blieb bis 1957/58 in Betrieb. Kurz darauf wurde ein Teil des Geländes für die Museumsnutzung erworben. Andere Bereiche des Steinbruchs, nun „Crich Quarry“ genannt, wurden in den 1960er Jahren erneut eröffnet und von RMC sowie Tarmac betrieben. Im Jahr 2000 ging das aktive Steinbruchgelände in den Besitz der Bardon-Gruppe über, die den Abbau 2010 einstellten. Der Steinbruch blieb seither geschlossen.[4]

Tramway Museum Society

Triebwagen Nr. 45 aus Southampton – die erste Anschaffung 1948

Nach dem Zweiten Weltkrieg, als die meisten britischen Straßenbahnbetriebe schlossen, ereignete sich der erste Schritt in der Geschichte des National Tramway Museum: Eine Gruppe von Straßenbahnfreunden nahm im August 1948 an einer Abschiedsfahrt der Southampton Tramways teil und beschloss, einen der offenen Wagen zu erwerben, auf dem sie gerade gefahren waren. Für 10 Pfund erwarben sie den Triebwagen Nr. 45, der heute Teil der Museumssammlung ist. Aus dieser Initiative entstand die Idee eines „fahrenden Straßenbahnmuseums“. Aus der ursprünglichen Gruppe ging 1955 die Tramway Museum Society hervor, die 1962 als gemeinnützige Gesellschaft eingetragen und 1963 als Bildungsstiftung anerkannt wurde.[5]

Erwerb des Geländes

Das Depot 1963, kurz nach Erwerb des Geländes

Nach längerer Suche wurde die Gesellschaft 1959 auf den stillgelegten Kalksteinbruch in Crich aufmerksam, wo Mitglieder der Talyllyn Railway Preservation Society Gleismaterial von Stephensons Bahn für ihre Museumsbahn in Wales bargen. Nach einer Besichtigung beschlossen die Mitglieder, Teile des Geländes zu pachten und später zu kaufen. Durch ehrenamtliche Arbeit entstand im Lauf der Jahre eine repräsentative Sammlung von Straßenbahnwagen und -ausrüstung, ein betriebsfähiges Gleisnetz, Werkstätten und Depots. 1967 entschloss man sich, rund um die Strecke ein städtisches Straßenbild aufzubauen, um den historischen Betrieb authentisch darzustellen – das Konzept des Crich Tramway Village war geboren. Mitglieder sammelten Straßenmobiliar und sogar komplette Gebäude, die zur Unterbringung der Bibliothek, Foto- und Archivbestände dienten.[5]

Zeitleiste

Bau der Bowes-Lyon-Brücke und Ausstellungshalle, 1984
  • 1963 – Erster Pferdestraßenbahnbetrieb[5]
  • 1964 – Erste elektrische Straßenbahn in Betrieb[5]
  • 1968 – Streckenverlängerung bis Wakebridge, erstes jährliches „Grand Transport Extravaganza“-Fest[2]
  • 1969 – Eröffnung der Werkstätten[5]
  • 1975 – Der Duke of Gloucester wird Schirmherr der Gesellschaft[5]
  • 1976 – Eröffnung der wiederaufgebauten Fassade der Derby Assembly Rooms[6]
  • 1978 – Eröffnung der landschaftlich reizvollen Strecke bis Glory Mine[2]
  • 1982 – Eröffnung der ersten Museumsbibliothek[5]
  • 1985 – Leihgabe von Triebwagen für die Hundertjahrfeier der Blackpool Tramway[5]
  • 1988 – Teilnahme am Glasgow Garden Festival[5][7]
  • 1990 – Teilnahme am Gateshead Garden Festival[8]
  • 1991 – Eröffnung der Ausstellungshalle[5]
  • 1997 – Erste barrierefreie „AccessTram“[5]
  • 2002 – Eröffnung der Werkstatt-Galerie und des Gasthauses „Red Lion“
  • 2004 – Eröffnung des Waldpfades und Skulpturenwegs durch die Herzogin von Devonshire[5]
  • 2010 – Eröffnung der Ausstellung „Century of Trams“[5]
  • 2011 – Wiedereröffnung der restaurierten George-Stephenson-Werkstatt[5]
  • 2014 – Fahrgäste konnten erstmals an der Endstation Glory Mine aussteigen[9]
  • 2025 – Eröffnung eines neuen Cafés neben dem „Red Lion Pub“

Sammlung

Die Fahrzeuge stammen primär von Straßenbahnbetrieben der britischen Inseln – unter anderem aus London, Sheffield, Leeds, Blackpool, Nottingham und Southampton – aber auch aus Betrieben des ehemaligen Commonwealth. Auch Straßenbahnen vom europäischen Kontinent sind vertreten.

Das Museum verfügt über mehr als 80 Straßenbahnwagen in seiner Sammlung. Die Mehrheit sind die für den britischen Kulturraum prägenden elektrische Doppeldeckerstraßenbahnen, gebaut zwischen 1900 und 1930 für verschiedene britische Städte. Die Sammlung umfasst auch frühere Pferde- und dampfbetriebene Wagen, modernere Straßenbahnen sowie Fahrzeuge, die für Städte weltweit gebaut wurden.

Viele Wagen sind betriebsfähig und werden auf der Museumsstrecke eingesetzt, während andere restauriert und statisch in der Ausstellungshalle oder an anderen Stellen des Geländes gezeigt werden. Einige befinden sich in unrestauriertem Zustand, teils im externen Lager des Museums in Clay Cross.

Zu den Fahrzeugen gehören:

  • Southampton 45, gebaut 1903, war der erste Straßenbahnwagen, der von der Tramway Museum Society erhalten wurde, gekauft für nur £10 im Jahr 1949 nach der Schließung der Southampton Corporation.
  • Sheffield 15, eine Pferdebahn aus dem Jahr 1874, war der erste Wagen, der 1963 im Museum fuhr, noch bevor die elektrische Oberleitung installiert wurde. Der Wagen fährt noch an einigen „Pferdebahn“-Tagen im Jahr.
  • Blackpool and Fleetwood 2, ein einstöckiger Wagen aus dem Jahr 1898, war 1964 die erste elektrische Straßenbahn im Museum.
  • Blackpool 4, der älteste elektrische Wagen in der Sammlung, gebaut 1885 für die Eröffnung der ersten elektrischen Straßenbahn Großbritanniens. Vom Blackpool Tramway System aufbewahrt und später vom Museum übernommen (seit 1973).
  • London United Tramways 159, ein luxuriös ausgestatteter Wagen von 1902 für die wohlhabenden westlichen Vororte Londons (Hampton Court, Hammersmith, Wimbledon).
  • Chesterfield 7, eine elektrische Straßenbahn von 1904, überlebte einen Depotbrand, wurde nach der Außerdienststellung als Haus genutzt und später vom Museum restauriert.
  • Metropolitan Electric Tramways 331, gebaut 1930 als Prototyp für die Feltham-Wagen, die bis in die 1950er Jahre in den nördlichen Vororten Londons eingesetzt wurden.
  • Glasgow 1282, ein „Coronation“-Wagen aus dem Jahr 1940, fuhr noch bei der Schlusspassage 1962.
  • Sheffield 510, 1950 in Dienst gestellt, wurde fast neuwertig stillgelegt, als das System 1960 geschlossen wurde; dekoriert als „Sheffields letzte Straßenbahn“.
  • Prag 180, gebaut 1908, wurde dem Museum während des Prager Frühlings geschenkt und kurz vor Einmarsch der Warschauer-Pakt-Staaten in die ČSSR nach Crich transportiert; symbolisiert die Lage des Landes.
  • Den Haag 1147, gebaut 1957 in Belgien für eine niederländische Straßenbahn im PCC-Design, Vorläufer moderner Straßenbahnen weltweit, u. a. auch in Großbritannien.

Ausrüstung und Infrastruktur

Neben den Fahrzeugen besitzt das Museum zahlreiche Exponate zur Straßenbahntechnik. Darunter sind etwa Oberleitungen, Weichen, Signaltechnik und Stromversorgungssysteme, historische Werkzeuge und Maschinen für Wartung und Instandhaltung von Straßenbahnen oder originalteile und Nachbauten von Straßenbahnwagenachsen, Radsätzen, Bremsen und Motoren.[5]

Das Museumsgelände

Teil der Period Street mit dem Red Lion Pub rechts, Depot links und der Bowes-Lyon-Brücke im Hintergrund

Das Museumsgelände besteht aus mehreren Bereichen, die die Straßenbahn des Museums entweder durchquert oder an denen sie vorbeiführt. Der Haupteingang des Museums führt Besucher zum Bereich Victoria Park, während die Straßenbahnen ihre Fahrt am Town End beginnen, einem kurzen Fußweg oder einer kurzen Fahrt unter der Bowes-Lyon-Brücke und der Period Street entlang.[9]

Period Street

Fassade der Derby Assembly Rooms von der Haltestelle Town End aus gesehen

Die Strecke der Straßenbahn beginnt an einem Stummelterminus bei Town End, wo ausfahrende Straßenbahnen Fahrgäste aufnehmen, nachdem zuvor an Stephenson Place die einfahrenden Fahrgäste ausgestiegen sind. Die ersten 500 Meter der Strecke sind doppelgleisig und in Pflasterstraße verlegt; dieser Abschnitt wird Period Street genannt. Die Straße hat breite Gehwege auf beiden Seiten und ist von mehreren alten Gebäuden und Straßenmobiliar flankiert. Die Straßenkulisse wird durch die Bowes-Lyon-Brücke abgeschlossen, unter der die Straßenbahn hindurchfährt.[2][10]

Zu den Gebäuden und Ausstattungen der Straße gehören:

  • Die denkmalgeschützte Fassade der Derby Assembly Rooms von 1763, die 1975–76 auf das Gelände umgesetzt wurde. Das dahinterliegende moderne Gebäude beherbergt mehrere kleine Ausstellungen und die Bibliothek der Tramway Museum Society.[11]
  • Die ursprüngliche Werkstatt von Stephensons Eisenbahn, heute das Stephenson Discovery Centre.[11]
  • Das Red Lion Pub, von Stoke-on-Trent umgesetzt und weiterhin als Pub in Betrieb, sowie das Café des Museums.[12]
  • Eine Straßenbahnhaltestelle aus Gusseisen und Glas, vermutlich aus Birmingham, an der Haltestelle Town End.[13]
  • Eine Bundy-Uhr, ursprünglich in West Bromwich zur Regulierung der Abfahrtszeiten der Straßenbahnen an den Endhaltestellen.[14]
  • Ein Gusseisen-Urinal, ursprünglich am Endpunkt der Reading Corporation Tramways aufgestellt.[15]
  • Eine Police Box aus den 1930er Jahren und ein Police Call Post aus den 1920er Jahren, beide ehemals von der Metropolitan Police Londons genutzt und denkmalgeschützt.[16]
  • Ein Penfold-Briefkasten von 1872–1879 und eine K1-Telefonzelle von 1921, beide ehemals vom Post Office genutzt und denkmalgeschützt.

Stephenson Werkstatt und Discovery Centre

Blackpool 'Boot'-Straßenbahn vor dem George Stephenson Centre

Eines der wenigen Gebäude auf dem Gelände, das die Gründung des Museums überdauert hat, ist die Stephenson-Werkstatt. Sie wurde im 19. Jahrhundert errichtet und diente als Schmiede und Waggonwerk für George Stephensons meterspurige Erzbahn. Ursprünglich als Stone Workshop bekannt, wurde das Gebäude vollständig restauriert und beherbergt heute im Erdgeschoss eine moderne Lernanlage und im ersten Stock das Stephenson Discovery Centre.[11][17]

Das Stephenson Discovery Centre erläutert die frühe Geschichte des Museums, einschließlich der Geschichte George Stephensons, seines Erwerbs des Cliff Quarry und der Errichtung der Erzbahn. Es beschreibt außerdem, wie die Überbevölkerung in wachsenden Städten die Einführung von Straßenbahnen in Großbritannien im 19. Jahrhundert ermöglichte. Eine moderne Glasbrücke vom Obergeschoss bietet Zugang zur Aussichtsplattform der Straßenbahnwerkstatt.[11][17]

Straßenbahndepot und Ausstellungshalle

Straßenbahnen und andere Exponate in der Ausstellungshalle

Das Straßenbahndepot befindet sich am Ende der Period Street, kurz bevor die Bowes-Lyon-Brücke passiert wird. Das Depot beherbergt den Großteil der Straßenbahnflotte, einschließlich der betriebsbereiten Wagen, die nicht im Einsatz sind, sowie der in der Ausstellungshalle präsentierten Fahrzeuge. Das Depot hat 18 Gleise, auf denen jeweils mehrere Straßenbahnen abgestellt werden können. Die ersten 10 Gleise sind direkt vom Depotvorplatz erreichbar, Gleise 11 bis 18 über eine Schiebebühne, die auch Zugang zur Ausstellungshalle bietet.[9][18]

Das Depot beinhaltet eine Werkstatt auf den Gleisen 1 bis 3 für die Wartung der Straßenbahnen. Eine Aussichtsplattform, erreichbar über eine Glasbrücke vom Stephenson Discovery Centre, ermöglicht Besuchern Einblicke in die laufenden Arbeiten und zeigt kleine Exponate dazu.[11]

Die Ausstellungshalle präsentiert die Ausstellung „Century of Trams“, die die Entwicklung der Straßenbahn von 1860 bis 1960 zeigt – von Pferde- und Dampfbahnen bis zu elektrischen Straßenbahnen. Die Geschichte wird durch die Präsentation zahlreicher Museumswagen, erläuternde Tafeln, akustische Darstellungen der einzelnen Jahrzehnte und interaktive Exponate erzählt.[11]

Bowes-Lyon-Brücke und Victoria Park

Bowes-Lyon-Brücke mit Blick auf Victoria Park

Die Bowes-Lyon-Brücke überspannt das Ende der Period Street und bildet sowohl einen Aussichtspunkt als auch den optischen Abschluss des nachgestellten Stadtbereichs des Museums. Das Brückendeck besteht aus Gusseisen und stammt aus dem Jahr 1844, als es auf dem Bowes-Lyon-Anwesen in St Paul's Walden, Hertfordshire, installiert wurde. Die Brücke wurde 1971 an das Museum gespendet und am heutigen Standort wieder aufgebaut. Im Brückendeck ist ein Stück Pferdestraßenbahnschiene eingelassen, das den leichten Aufbau solcher Schienen im Vergleich zu den unteren elektrischen Gleisen demonstriert.[9][19]

Nördlich und westlich der Brücke befindet sich Victoria Park, ein nachgebildeter Park der viktorianischen Ära. Das Zentrum bildet ein Musikpavillon, der 1978 hier aufgebaut wurde, zuvor aber im Longford Park in Stretford, Greater Manchester, stand. Vom Park führt ein Weg zum Woodland Walk und Skulpturenweg des Museums. Neben dem Park liegt eine Haltestelle, die sowohl von ein- als auch ausfahrenden Straßenbahnen genutzt wird und nach dem Park benannt ist. Östlich des Parks, auf der gegenüberliegenden Seite der Straßenbahn, befindet sich der Museumseingang.[9][20]

Wakebridge und Glory Mine

Wakebridge-Haltestelle und Überholung Richtung Glory Mine

Kurz hinter der Haltestelle Victoria Park wechselt die Strecke vom Rillenschienen- in das Schwellen-Gleis, wird einspurig und verläuft zwischen Wald im Westen und dem stillgelegten Cliff Quarry im Osten, bevor sie die Wakebridge-Überholung und Haltestelle erreicht.[9]

Die Haltestelle verfügt über verschiedene Unterstände und einfache Gebäude, darunter das Birmingham Tram Shelter, das Bradford Cabmans Shelter und das Octogon, sowie die elektrische Unterstation der Strecke. Ein Weg führt zum Woodland Walk und Sculpture Trail des Museums. Neben der Haltestelle zeigt die Peak District Mines Historical Society Exponate zum Bergbau, darunter den Eingang eines Stollens mit batteriebetriebenem Lokomotivnachbau sowie einen Shop für Mineralien, Bücher und Edelsteine.[9][21][22][23]

Hinter Wakebridge verläuft die Strecke entlang eines freiliegenden Hangs mit Blick auf das Tal des Derwent, Teil des Derwent Valley Mills World Heritage Site. Heute ländlich, war dieses Tal ein Zentrum der Industriellen Revolution, in dem im 18. Jahrhundert das moderne Fabriksystem zur Nutzung von Richard Arkwrights Water Frame für die Baumwollspinnerei eingeführt wurde.[24]

Am Ende der Strecke befindet sich die Haltestelle Glory Mine mit Überholung. Ein Fußweg kreuzt hier die Strecke und führt zur Crich Stand.[2][9][25]

Woodland Walk und Sculpture Trail

Riesige Holzameise auf dem Sculpture Trail

Der Woodland Walk und Sculpture Trail verbindet die Haltestellen Victoria Park und Wakebridge und verläuft durch den Mischwald, der für die Kalkstein-Geologie von Crich typisch ist. Die Baumarten sind überwiegend Esche, aber auch Bergahorn, Erle und Birke. Die Strauchschicht umfasst Hasel, Ulmen, Wildrosen, Holunder und Weißdorn. Der Aschendachwald auf Kalkstein führt zu einer vielfältigen Bodenflora, darunter Primeln, Frühblühende Orchideen, Küchenschellen, Majoran, Knoblauch und Erdbeeren.[26]

Die meisten Skulpturen entlang des Trails stammen vom Bildhauer Andrew Frost, der mit einer Motorsäge die Grundform aus einem Baumstamm schnitzt und anschließend die Details bearbeitet. Solche Skulpturen sind vergänglich, da Holz spaltet, Pilze wachsen und Dachskrallen Einfluss haben. Der Skulpturenpfad ist daher ständig im Wandel, alte Werke werden entfernt und neue hinzugefügt.[26]

Auf dem Woodland Walk sind zudem ein Stück orgininales Schmalspurgleis aus dem alten Steinbruch und ein Labyrinth aus dort zurückgelassenen Steinen zu finden. Besucher haben Blick ins Tal des River Derwent und auf die Crich Stand.[26]

Straßenbahnstrecke

Betriebsstrecke

Die Betriebsstrecke der Straßenbahn ist ungefähr 1,6 Kilometer lang. Die Linie beginnt an einem Stumpfendbahnhof bei Town End, wo ausfahrende Straßenbahnen Fahrgäste aufnehmen, nachdem zuvor an Stephenson Place ein- oder ausgestiegen wurde. Von Town End ist etwa der erste Abschnitt zweigleisig, in einer Pflasterstraße verlegt, flankiert von den Gebäuden des nachgebauten historischen Dorfes, einschließlich der Haltestelle Stephenson Place, die nur in Fahrtrichtung zum Stadtzentrum bedient wird. Die Straßenszene wird durch die Bowes-Lyon-Brücke abgeschlossen, unter der die Linie auf verschränkten Gleisen verläuft. Kurz vor der Brücke erlaubt eine Weiche die Zufahrt zum Depot und Betriebshof.[2]

Auf der anderen Seite der Brücke kehrt die Strecke auf Doppelgleis zurück und bedient die Haltestelle Victoria Park, die sowohl den nachgebauten victorianischen öffentlicher Park gleichen Namens als auch den Haupteingang des Museums vom Parkplatz aus erschließt. Das Doppelgleis setzt sich weitere 240 Meter fort, bevor es in ein eingleisiges Gleis übergeht, das bis zur Haltestelle und Ausweichstelle Wakebridge reicht. Jenseits der Ausweichstelle verläuft die Strecke eingleisig bis zum Endbahnhof Glory Mine, wo sich eine weitere Ausweichstelle, ein Stumpfgleis sowie ein Abstellgleis befinden.[2]

Fahrgastbetrieb

Die Straßenbahn wird grundsätzlich während der Öffnungszeiten des Museums betrieben. Abhängig von der Jahreszeit und der Nachfrage verkehrt normalerweise ein Zwei- oder Dreifachzug. Bei einem Zwei-Wagen-Betrieb begegnen sich die Straßenbahnen auf dem zweigleisigen Abschnitt in der Nachbildungstraße. Bei drei eingesetzten Straßenbahnen erfolgt das Passieren sowohl in der Ausweichstelle bei Wakebridge als auch auf der Straße.[2]

Bei besonderen Anlässen können bis zu 18 Straßenbahnen eingesetzt werden, die auf der eingleisigen Strecke in Konvois von zwei oder drei Wagen verkehren. Die Konvois begegnen sich auf der Straße, bei Wakebridge und am Endbahnhof Glory Mine.[2]

Die Straßenbahn verfügt über einen Straßenbahnwagen von 1969 aus Berlin, der für Besucher mit Behinderungen umgebaut wurde und über einen Rollstuhllift sowie breitere Türen verfügt. Dieser Wagen ist derzeit nicht in Betrieb, das Museum sammelt Spenden für eine neue barrierefreie Straßenbahn: Blackpool 645.[27]

Stromaufnahme der Fahrzeuge

Die meisten Straßenbahnwagen des Museums sind elektrische Wagen, die für den Betrieb mit einem Oberleitungssystem ausgelegt sind und dabei einen oder mehrere Stromabnehmer verschiedener Typen nutzen. Das Oberleitungssystem des Museums wurde so aufgebaut, dass alle genannten Stromabnehmer verwendet werden können. Die Versorgungsspannung beträgt 600Volt Gleichstrom.[2][28][29]

Andere Formen der Stromaufnahme wurden in den frühen Jahren des elektrischen Straßenbahnbetriebs verwendet. Das Museum besitzt nicht betriebsfähige Exponate mehrerer Systeme:

  • Stromschienen in Stahlrinnen unter der Fahrbahn, wie sie bei der ersten britischen Straßenbahn in Blackpool verwendet wurden. In Crich wird dies durch den Wagen Blackpool 4 in der Ausstellungshalle dargestellt.[30]
  • Das Stud Contact-System, dargestellt durch einen Dummy-Pfosten zwischen den Schienen im Betriebshof. Dies ist das einzige bekannte erhaltene Beispiel und stammt aus Wolverhampton.

Museumsgelände

Lage und Umgebung

Das National Tramway Museum befindet sich auf dem Gelände des ehemaligen Kalksteinbruchs Cliff Quarry bei Crich in Derbyshire. Das Gelände liegt auf einem Hügel mit weitreichender Aussicht und bietet eine authentische Kulisse für historische Straßenbahnfahrten.[1]

Nachbildung historischer Straßenkulissen

Da Straßenbahnen normalerweise nicht in Steinbrüchen verkehrten, entwickelte die Gesellschaft ab 1967 eine nachgebaute Straßenumgebung rund um die Gleise. Es wurden:

  • Straßenzüge aus der viktorianischen und frühen Industriezeit nachgebildet.
  • Historische Straßenmöbel, Gebäude und Schilder gesammelt und teilweise adaptiert, um die Sammlungen unterzubringen.
  • Workshops und Depots errichtet, die die Straßenbahnwartung und -restaurierung demonstrieren.[5]

Naturnahe Bereiche und Industriegeschichte

Das Museumsgelände integriert sowohl natürliche als auch historische Elemente:

  • Die Glory Mine und andere landschaftliche Abschnitte zeigen ehemalige industriell genutzte Bereiche des Steinbruchs.
  • Waldwege, Picknickplätze und ein Skulpturenpfad verbinden Freizeitnutzung mit edukativen Elementen.[5]

Infrastruktur und Besucherbereiche

Für die Besucher wurden zahlreiche Einrichtungen geschaffen:

  • Ausstellungshallen und Bibliothek bieten Zugriff auf Bücher, Fotos und Archive.
  • Gastronomische Einrichtungen wie das Red Lion Pub und das neue Café ergänzen das Angebot.
  • Werkstattbesichtigungen ermöglichen einen Einblick in Restaurierungstechniken und historische Fahrzeugpflege.

Historische Gebäude und Straßenszenen

Um ein authentisches Straßenbahn-Erlebnis zu vermitteln, hat das Museum historische Gebäude und Straßenszenen rekonstruiert:

Anzuführen sind wiederaufgebaute Fassaden und Häuser aus verschiedenen britischen Städten, z.B. Derby Assembly Rooms,[5] originale Straßenmöbel wie Straßenlaternen, Ampeln, Telefonzellen und Schilder aus dem 19. und 20. Jahrhundert oder Straßenzüge, in denen die Straßenbahnen verkehren, um den historischen Betrieb zu demonstrieren.[5]

Bibliothek und Archiv

Die Museumssammlung wird ergänzt durch eine umfangreiche Bibliothek und Archivbestände:

  • Historische Fotos, Pläne, Fahrpläne und Betriebsunterlagen britischer und internationaler Straßenbahnbetriebe.
  • Bücher, Zeitschriften und Fachliteratur zur Verkehrsgeschichte, Technik und städtischen Entwicklung.
  • Digitale Archive mit Scanmaterial zur Forschung und Bildung.[5]

Veranstaltungen

Das Crich Tramway Village ist Schauplatz zahlreicher Themenveranstaltungen, darunter Oldtimer-Tage, Modellbahnausstellungen, Familientage und Kostümfeste, bei denen das Straßenbild des frühen 20. Jahrhunderts nachgestellt wird.

Auch internationale Treffen von Straßenbahnhistorikern und Verkehrsmuseen finden regelmäßig statt.

Das Museum bietet thematische Ausstellungen zu verschiedenen Aspekten der Straßenbahngeschichte:

  • Century of Trams – eine Dauerausstellung in der Hauptausstellungshalle, die die Entwicklung der Straßenbahnen über 100 Jahre zeigt.[5]
  • Workshops und Vorführungen, die Restaurierungsprozesse und technische Hintergründe erläutern.
  • Temporäre Sonderausstellungen zu bestimmten Straßenbahngesellschaften, Fahrzeugtypen oder Regionen.[5]

Bedeutung

Das National Tramway Museum gilt als das wichtigste Straßenbahnmuseum des Vereinigten Königreichs und eines der führenden Europas. Es wird von der gemeinnützigen Tramway Museum Society betrieben und durch Eintrittsgelder, Spenden und ehrenamtliche Arbeit finanziert.

Das Museum steht unter Denkmalschutz und ist Teil des nationalen Kulturerbes von England.

Literatur

Commons: National Tramway Museum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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