Nato Watschnadse
georgisch-sowjetrussische Filmschauspielerin (1904-1953)
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Nato Watschnadse (Natalia „Nato“ Vachnadze, georgisch ნატო ვაჩნაძე, geb. Natalia Andronikaschwili - georgisch ნატო ანდრონიკაშვილი, Natalya Georgievna Andronikasvhili russisch Наталья Георгиевна Андроникашвили; 14. Juni 1904, Warschau, Russisches Kaiserreich; 14. Juni 1953, Grigolischi (Sugdidi), Mingrelien) war eine georgische und sowjetische Filmschauspielerin. Sie begann ihre Karriere in der Stummfilm-Zeit. Sie spielte gewöhnlich die Rolle einer Ingénue (jugendlichen Naiven). Auch in der Tonfilmzeit arbeitete sie bis zu ihrem Tod bei einem Flugzeugabsturz im Jahr 1953 als Schauspielerin. Sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Titel „Volkskünstlerin der Georgischen Sozialistischen Sowjetrepublik“ und den Stalinpreis.

Leben
Nato Watschnadse wurde in Warschau geboren, damals Teil des Russischen Reiches, als Tochter des georgischen Vaters Georgi Andronikow aus der Familie Andronikaschwili und der polnischen Mutter Jekaterina Sliwizkaja geboren. Ihren Nachnamen nahm sie aus ihrer ersten Ehe mit Merab Vachnadze an, mit dem sie einen Sohn, Tengiz Vachnadze (geb. 1926), den späteren Architekten, hatte. Ihre zweite Ehe schloss sie mit dem Filmregisseur Nikoloz Schengelaja (ნიკოლოზ შენგელაია, Николай Михайлович Шенгелая), mit dem sie zwei Söhne hatte, die Filmregisseure Giorgi Schengelaia und Eldar Schengelaia.[1] Ihre dritte Ehe ging sie mit dem sowjetischen Marinekapitän Anatoli Kacharawa (ანატოლი კაჭარავა, 1910–1982) ein. Nato Vachnadzes jüngere Schwester Kira (1908–1960) wurde ebenfalls Schauspielerin und heiratete den Schriftsteller Boris Pilnjak.
Obwohl verschiedene Versionen ihrer Entdeckung für den Film existieren, ist die populärste und wahrscheinlichste, dass der Filmregisseur Schakro Berischwili (Shakro Berishvili) in einem Fotostudio in Tiflis auf ihre Fotografien aufmerksam wurde. Er spürte sie in Kachetien auf und überzeugte sie, in ihrem ersten Film, dem Abenteuerfilm „Arsen der Bandit“ (Разбойнике Арсене - Rasboinike Arsene) von 1923, mitzuspielen.[2] Die Rolle der „Nunu“ in dem Film „Vatermord“ von 1923 und die Rolle der „Esma“ in dem Film „Drei Leben“ (Tri schisni, russisch Три жизни) von 1924 machten sie nicht nur in der Georgischen Unionsrepublik, sondern in der gesamten Sowjetunion berühmt. In diesen Filmen verkörperte sie die Ingénue, eine unschuldige und leidenschaftliche junge Frau. Der Theater- und Filmregisseur Kote Mardschanischwili (კონსტანტინე (კოტე) მარჯანიშვილი, Константи́н Алекса́ндрович Марджанов) gab Watschnadse zwei anspruchsvolle Rollen in den Experimentalfilmen „Die Stechfliege“ (კრაზანა, ) und „Amok“, die auf Romanen von Ethel Voynich und Stefan Zweig basieren. Inzwischen nicht nur ein nationaler, sondern auch ein internationaler Star, spielte sie die Zigeunerin „Mascha“ in dem deutsch-sowjetischen Film „Der lebende Leichnam“, der auf Lew Tolstois gleichnamigem Theaterstück basiert.[1]
Watschnadse zusammen mit ihrem Kollegen Igor Iljinskij – eine der ersten Filmstars der jungen Sowjetunion und wurde mitunter als die sowjetische Wera Wassiljewna Cholodnaja bezeichnet, nach der ersten Filmdiva des Russischen Reiches.[3] Zu den Indizien für ihren Starruhm zählen die Nennung ihres Namens in Filmwerbungen und die Veröffentlichung zweier Groschenromane mit einer Auflage von fast 100.000 Exemplaren. Ihre Filmfigur unterschied sich deutlich von denen anderer Schauspielerinnen. Die meisten sowjetischen Schauspielerinnen der 1920er-Jahre spielten entweder die traditionelle oder die proletarische Heldin. Watschnadse hingegen verkörperte glamouröse Frauen mit einem aktiven Privatleben – vermutlich ermöglichte ihr ihre 'exotische' georgische Herkunft mehr Freiheiten auf der Leinwand als einer russischen Schauspielerin. Ungewöhnlich für das sowjetische Kino waren die meisten ihrer Filme erotische Melodramen, in denen sie mit großer Leidenschaft und Emotionalität spielte. Jewgenija Ginsburg beschrieb sie in ihren Memoiren als „taubenhafte Heldin“ („dovelike heroine“) und als „ewiges Opfer“ („an eternal victim“).[3] Der Schriftsteller Wiktor Schklowski bezeichnete sie als „Künstlerin amerikanischen Typs, da ihr Wert in der Reinheit ihres ethnografischen Typs liegt“.[4]
Mit dem Aufkommen des Tonfilms beschloss Vachnadze, sich eine Auszeit zu nehmen. Auf Empfehlung von Grigori Kosinzew ging sie nach Moskau, wo sie als Regieassistentin für Esfir Schub arbeitete.[5] Anschließend kehrte sie nach Georgien zurück und setzte ihre Karriere mit einigen der ersten georgischen Tonfilme fort, darunter „Die letzten Kreuzritter“ (Poslednije krestonoszy, russisch Последние крестоносцы, 1934) und „Die letzte Maskerade“ (Posledni maskarad, russisch Последний маскарад, 1934) von Micheil Tschiaureli. Sie spielte auch in Filmen ihres zweiten Ehemanns, Nikoloz Schengelaja, mit, darunter der Stummfilm „Giuli“ und „Das goldene Tal“ (Solotistaja dolina, russisch Золотистая долина). Der Film „Die Eroberer der Gipfel“ (Pokoriteli werschin, russisch Покорители вершин, 1952) wurde von David Rondeli inszeniert.[1]
Als erster Star des georgischen und sowjetischen Kinos wurde sie sowohl als Volkskünstlerin der Sozialistischen Georgischen Sowjetrepublik, als auch mit dem Stalinpreis ausgezeichnet. Sie wurde zur Verdienten Künstlerin der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik ernannt und erhielt drei Orden des Roten Banners der Arbeit. 1943 trat sie der Kommunistischen Partei der Sowjetunion bei. Nato Watschnadse starb 1953 bei einem Flugzeugabsturz.[6] Kurz vor ihrem Tod wandte sich der Dichter und Schriftsteller Boris Pasternak bei einem Besuch in seinem Landhaus an sie. Er sagte über Nato Watschnadse: „Deine Schönheit weckt in uns den Wunsch, vor dir niederzuknien!“[7]
Nach ihrem Tod wurde sie mehrfach geehrt. Eine Straße in Tiflis wurde nach ihr benannt, sowie ein Tanker der Georgian Shipping Company (1985–1995).[8] Der Georgische Filmpreis wurde zu ihren Ehren als „Nato“ bezeichnet.[9] 1981 wurde auf dem Familienanwesen in Gurdschaani, Kachetien, das Nato Vachnadze House Museum gegründet.[10] Ihre Überreste wurden auf dem Didube-Pantheon beigesetzt.
Filmographie
| Jahr | Englisch Georgisch Russisch |
Rolle | Regisseur |
|---|---|---|---|
| 1923 | Arsen the Bandit არსენა ყაჩაღი Разбойник Арсен |
Neno | Vladimir Barsky Владимир Григорьевич Барский |
| Patricide მამის მკვლელი У позорного столба |
Nunu | Hamo Beknazarian Համո Բեկնազարյան Амбарцум Бек-Назаров | |
| 1924 | Three Lives სამი სიცოცხლე Три жизни |
Esma | Iwan Perestiani |
| 1925 | The Case of Tariel Mklavadze ტარიელ მკლავაძის მკვლელობის საქმე Герой нашего времени |
Despine | Iwan Perestiani |
| Who is the Guilty? ვინ არის დამნაშავე? Наездник из Вайлд Вест |
Pati | Alexandre Tsutsunava ალექსანდრე წუწუნავა Цуцунава, Александр Ражденович | |
| Horrors of the Past 2 ათასის ფასად |
Vladimir Barsky | ||
| 1926 | The Gadfly კრაზანა Овод |
Jema | Kote Marjanishvili კონსტანტინე (კოტე) მარჯანიშვილი Константи́н Алекса́ндрович Марджанов |
| Natela ნათელა Натела |
Natela | Hamo Beknazarian | |
| 1927 | Amok ამოკი Амок, закон и долг |
Frau | Kote Marjanishvili |
| Giuli გიული Гиули |
Guili | Nikoloz Schengelaja | |
| 1928 | The Living Corpse Живой труп |
Masha | Fjodor Ozep |
| 1930 | Suburban Quarters Кварталы предместья |
Dora | Grigori Gritscher-Tcherikover |
| 1931 | Iron Brigade Железная бригада |
Masha | Dmitri Vasilyev Дмитрий Иванович Васильев |
| 1934 | The Last Crusaders უკანასკნელი ჯვაროსნები Последние крестоносцы |
Tsitsya | Siko Dolidze |
| The Last Masquerade უკანასკნელი მასკარადი Последний маскарад |
Tamari | Micheil Tschiaureli | |
| 1937 | The Golden Valley ნარინჯის ველი Золотистая долина |
Nani | Nikoloz Schengelaja |
| Arsena არსენა Арсен |
Neno | Micheil Tschiaureli | |
| 1939 | Girl from Khidobani ქალიშვილი ხიდობნიდან Девушка из Хидобани |
Gviristine | Diomide Antadze |
| 1940 | Motherland სამშობლო Родина |
Natela | Diomide Antadze & Nikoloz Schengelaja |
| 1941 | Qadjana ქაჯანა Каджана |
Marta | Konstantine Pipinashvili |
| 1943 | He will come back ის კიდევ დაბრუნდება Он еще вернется |
Manana | Diomide Antadze & Nikoloz Schengelaja |
| 1947 | A Cradle for Akaki აკაკის აკვანი Колыбель поэта |
Mano | Konstantine Pipinashvili |
| 1948 | Keto and Kote ქეთო და კოტე Кето и Котэ |
Tanzend in der letzten Szene | Vakhtang Tabliashvili & Shalva Gedevanishvili |
| 1952 | Conquerors of the Peaks მწვერვალთა დამპყრობნი Покорители вершин |
Elisabed Lomidze | Davit Rondeli |
Weblinks
- Nato Vachnadze bei IMDb