Naum von Ohrid

Bulgarischer Klostergründer und Schüler der heiligen Kyrill und Methodius From Wikipedia, the free encyclopedia

Naum von Ohrid, auch Naum von Preslaw genannt (altbulgarisch: Наоумъ Охридскїй bzw. Наумъ Прѣславьскїй, neubulgarisch und mazedonisch: Наум Охридски Naum Ohridski bzw. Наум Преславски Naum Preslawski; * um 830 im Ersten Bulgarischen Reich; † 23. Dezember 910 in Ohrid, Erstes Bulgarisches Reich[1]) war ein mittelalterlicher bulgarischer Gelehrter, Missionar und Heiliger, der unter den Slawen wirkte, und zählt zu den sogenannten Sieben Apostel des Ersten Bulgarischen Reiches.[2][3][4][5][6] Er gehörte zu den Schülern von Kyrill und Method und wird mit der Entwicklung der glagolitischen und kyrillischen Schrift in Verbindung gebracht. Naum war einer der Gründer der Literaturschule von Preslaw. Später wirkte er an der Literaturschule von Ohrid. Er gehörte zu den ersten Heiligen, die von der Bulgarisch-Orthodoxen Kirche nach ihrer Gründung im 9. Jahrhundert heiliggesprochen wurden. Die Mission des Naum von Ohrid spielte eine bedeutende Rolle bei der ethnokulturellen Transformation der lokalen frühslawischen Bevölkerung im damaligen Kutmičevica (Makedonien und Südalbanien) zu Bulgaren.[7]

„Der heilige Naum von Ohrid“, Prozessionsikone aus dem Ende des 14. Jahrhunderts, aus der Kirche Sveta Bogorodica Perivlepta in Ohrid.

Leben

Informationen über seine frühen Jahre sind spärlich. Laut der Zweiten Lebensbeschreibung des Heiligen Naum wuchs er in Moesia auf, der byzantinischen Bezeichnung für Bulgarien.[8] Der Hagiographie des Kliment von Ohrid durch Theophylakt von Ohrid und einigen anderen Quellen zufolge nahm Naum im Jahr 863 zusammen mit Kyrill und Method, ihren Schülern Gorazd, Kliment von Ohrid, Angelarij und Sava sowie weiteren slawischen Missionaren an der historischen Mission nach Großmähren teil.[9] Aus einem im 10. Jahrhundert verfassten Auszugs aus dem „Leben Naums“ von einem aus Devol stammenden Schüler Naums, dessen Namen unbekannt geblieben ist, heißt es:

„...Der ehrenwürdige und große Vater Naum wuchs in Moesien auf, und gemäß der Erziehung, die ihm seine adligen Eltern angedeihen ließen, hielt er Adel und Reichtum und all das für Spreu und schloss sich dem apostelgleichen Konstantin dem Philosophen und seinem Bruder Method an, die umherwanderten und das moesische und dalmatinische Volk lehrten, folgte ihnen überallhin, sogar bis zum alten Rom...“[10]

In Großmähren und Unterpannonien

In den folgenden 22 Jahren arbeitete er mit Kyrill und Method sowie anderen Missionaren an der Übersetzung der Bibel ins Altkirchenslawische und deren Verbreitung in Großmähren und im Fürstentum Unterpannonien. 867 oder 868 wurde er in Rom zum Priester geweiht, zusammen mit zwei weiteren Schülern von Kyrill und Methodi, Gorazd und Kliment von Ohrid, durch die Bischöfe Formosus und Gauderich. Für die Mission in Mähren entwickelten die Missionare das glagolitische Alphabet, das erste Alphabet, das den spezifischen Merkmalen der slawischen Sprache entsprach. Seine Nachfolgeschrift, das Kyrillische, wird noch heute von vielen Sprachen verwendet. Die Missionare verfassten auch das erste slawische Zivilgesetzbuch, das in Großmähren Anwendung fand. Die Missionsarbeit stieß jedoch auf Widerstand deutscher Geistlicher, die sich ihren Bemühungen um die Schaffung einer slawischen Liturgie widersetzten. 874 änderte der mährische Fürst Kocel seine politische Orientierung, wandte sich von Konstantinopel ab und suchte Kontakte nach Westen.[1] Naum und die anderen Schüler Konstantins und Methods gerieten in Konflikt mit den lateinischen Missionaren, die nach Mähren kamen und der Verkündigung in lateinischer (und nicht in slawischer) Sprache den Vorzug gaben.[1] Im Jahr 885 waren die beiden wichtigsten Förderer der Missionare, Rastislav von Mähren (Großmähren) und Fürst Koceľ von Unterpannonien, sowie Kyrill und Method verstorben, und der Druck der deutschen Kirche nahm zusehends zu. Nach dem Tod Methods 885 wurden seine Schüler vertrieben und fanden Zuflucht im Bulgarischen Reich von Zar Boris I.

Das Erste Bulgarische Reich unter Knjas Boris I. im späten 9. Jahrhundert.

Im Ersten Bulgarischen Reich

Das Kloster Sveti Naum am Ohridsee im heutigen Nordmazedonien.

Im Jahr 886 empfing der Statthalter von Belgrad, damals in Bulgarien, die Schüler von Kyrill und Method. Bulgarien wurde zu dieser Zeit von Knjas Boris I. regiert, der 864 zum Christentum konvertiert war. Nach der Christianisierung wurden die religiösen Zeremonien von byzantinischen Geistlichen auf Griechisch abgehalten. Um den byzantinischen Einfluss auf seinen Staat zurückzudrängen, war Boris I. an der Etablierung der slawischen Sprache im Gottesdienst interessiert. Vor diesem Hintergrund veranlasste Boris die Gründung zweier literarischer Akademien, in denen die Theologie in slawischer Sprache gelehrt werden sollte. Unter Kliments und Naums Leitung wurden zwei berühmte Schulen gegründet – die Schule von Ohrid, wo Kliment tätig war, und die Schule von Preslaw, wo zunächst Naum tätig war (daher auch sein Beiname Preslawski). In den zwei Schulen wurde das Altkirchenslawische bzw. altbulgarische als Liturgiesprache unterrichtet. Die Entwicklung der altslawischen Schriftkultur verhinderte eine Assimilation an die benachbarten Kulturen und förderte die Herausbildung einer eigenständigen bulgarischen Identität.[11][12]

Naum zog zunächst zusammen mit Kliment von Ohrid, Angelarij und möglicherweise Gorazd (anderen Quellen zufolge war Gorazd zu diesem Zeitpunkt bereits verstorben) in die Hauptstadt Pliska. Dort verbrachte er die nächsten 25 Jahre seines Lebens. Naum war einer der Gründer der Literaturschule von Pliska, an der er von 886 bis 893 wirkte. Gegen Ende des 9. Jahrhunderts wirkte der heilige Naum gemeinsam mit dem heiligen Kliment von Ohrid von den Zaren Boris I. und Simeon I. entsandt in der Region Ohrid (Kutmičevica).[13]

893, kurz nach seiner Machtergreifung, berief der neue bulgarische Zar Simeon der Große ein Konzil in der neuen Hauptstadt Preslaw ein, auf dem Kliment zum Bischof von Drembica und Velika geweiht wurde. Um Kliment in Ohrid zu ersetzen, entsandte Simeon Naum, der bis dahin in Preslaw gewirkt hatte. Anschließend setzte Naum Kliments Werk in Ohrid fort, einem weiteren wichtigen Zentrum slawischer Gelehrsamkeit. In diesen Jahren wurde an der Literaturschule von Preslaw die kyrillische Schrift entwickelt und in Bulgarien eingeführt, möglicherweise auf Naums Initiative hin.[14][15] Neben dem Bau von Kirchen und Klöstern widmeten sich Naum und Kliment der Ausbildung slawischer Kleriker und entwickelten Ohrid zu einem kirchlichen und kulturellen Zentrum. Dabei waren sie an der Ausbildung und Erziehung von etwa 3.500 christlichen Studenten beteiligt. Die Schule von Ohrid brachte einen Großteil der altbulgarischen Literatur hervor[13]. Im Jahr 905 gründete Naum ein Kloster am Ufer des Ohridsees, das später seinen Namen (Kloster Sveti Naum) erhielt. Aus einem im 10. Jahrhundert verfassten Auszugs aus dem „Leben Naums“ von einem aus Devol stammenden Schüler Naums, dessen Namen unbekannt geblieben ist, heißt es:[16]

„...Naum und Kliment kamen in das illyrische und das lychnidische Land. In den Dewol-Bergen am Ende des Sees der Stadt Ochrida, zwischen den Flüssen gründete Naum ein großes Kloster und eine Kirche, dem Erzengel Michael und allen himmlischen Kräften geweiht, mit den Mitteln und auf Geheiß des frommen bulgarischen Zaren Michail Boris und seines Sohnes Zar Simeon...“[10]

Er starb dort im Jahr 910[17], woraufhin Kliment den Prozess seiner Heiligsprechung einleitete.[18] Damit wurde Naum der erste einheimische Heilige Bulgariens.[19]

Naum wird heute als „Erleuchter der Bulgaren“ und als Heiliger der Bulgarisch-Orthodoxen Kirche sowie von der Mazedonisch-Orthodoxen Kirche verehrt. Mögliche Gedenktage der 23. Dezember bzw. der 5. Januar oder der 27. Juli, der Gedenktag der Sieben Heiligen (bulgarisch Свети седмочисленици, Kyrill, Method und ihre fünf Schüler Kliment, Naum, Sava, Gorazd und Angelarij).[20]

Ihm zu Ehren trägt der St. Naum Peak auf der Livingston-Insel in der Antarktis seinen Namen.

Literatur

Commons: Naum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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