Neoliner Origin

Erstes großmaßstäbliches, kommerziell eingesetztes Ro‑Ro-Segelschiff From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Neoliner Origin ist ein von der französischen Firma Neoline entwickeltes und auf der Werft RMK Marine gebautes RoRo-Schiff mit Segelantrieb. Es soll laut Eigentümer das erste großmaßstäblich kommerziell eingesetzte Segelschiff und so ein Vorreiter in der Schifffahrtsbranche sein.[1]

Schnelle Fakten Schiffsdaten, Schiffsmaße und Besatzung ...
Neoliner Origin
Schiffsdaten
Flagge Frankreich Frankreich
Schiffstyp RoRo-Frachtsegler
Rufzeichen FNWF
Heimathafen Nantes
Eigner Caroline 93
Reederei Neoline
Bauwerft RMK Marine, Tuzla
Stapellauf 31. Januar 2025
Schiffsmaße und Besatzung
Länge 136 m (Lüa)
Breite 24,2 m
Tiefgang (max.) 14 m
Vermessung 13.278 BRZ
 
Besatzung 13
Maschinenanlage
Maschine dieselelektrisch
Höchst­geschwindigkeit 14 kn (26 km/h)
Generator­leistungVorlage:Infobox Schiff/Wartung/Leistungsformat 4.000 kW (5.438 PS)
Propeller 2 × Propellergondel mit Verstellpropeller
Takelung und Rigg
Anzahl Masten 2
Segelfläche 3000 m²
Geschwindigkeit
unter Segeln
max. 11 kn (20 km/h)
Transportkapazitäten
Tragfähigkeit 6.300 tdw
Container 265 TEU
laufende Spurmeter 1.200 m
Zugelassene Passagierzahl 12
PaxKabinen 6
Fahrzeugkapazität 400 PKW
Sonstiges
Klassifizierungen Bureau Veritas
Registrier­nummern IMO-Nr. 1021829
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Bau und Betrieb

Das Schiff wurde von dem türkischen Werftbetrieb RMK Marine in Tuzla gebaut und Ende September 2025 an seinen Eigentümer übergeben.[2]

Das Schiff verließ am 16. Oktober 2025 den französischen Hafen Saint-Nazaire mit einer gemischten Ladung aus Autos und Maschinen für seine erste Atlantiküberquerung. Bereits nach zwei Tagen wurde das hintere Hauptsegel beschädigt. Für die Weiterfahrt wurde zusätzlich auf den dieselelektrischen Antrieb zurückgegriffen. Am 24. Oktober 2025 erreichte das Schiff den Hafen von Saint-Pierre und Miquelon, bevor es am 30. Oktober in Baltimore anlegte.[3] Das Schiff soll monatlich von Saint-Nazaire via Saint-Pierre nach Baltimore im Frachtverkehr verkehren, wobei auf dem Weg zurück nach Frankreich ein Zwischenstopp in Halifax geplant ist.[1]

Neoline plant, bis 2030 eine Flotte von fünf bis sieben ähnlichen Schiffen aufzubauen, um jährlich nennenswerte Ladungsmengen CO₂‑neutral zu befördern.

Technik

Das Schiff ist 136 m lang[2] und mit 13.278 BRZ vermessen. Die Tragfähigkeit beträgt 6.300 dwt. Der Antrieb beruht auf zwei starren Solid-Sail-Segeln, die zusammen etwa 3000 m² Fläche bieten und 60–70 Prozent des Vortriebs liefern; ein 4000-kW-Dieselgenerator liefert Strom für den Hilfsantrieb, der bei Gegenwind eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 14 Knoten ermöglicht.[4] Die 91 m hohen Masten lassen sich bei Bedarf, zum Beispiel für die Unterquerung von Brücken, innerhalb einer Stunde einziehen.[2]

Das Schiff verfügt über drei RoRo-Decks mit zusammen 1200 Spurmetern. Das RoRo-Deck auf dem Hauptdeck ist 121 m lang und 20,2 m breit. Die nutzbare Höhe beträgt 9,8 m. Auf dem Hauptdeck stehen 1150 m² für den Transport von Ladungen zur Verfügung. Auf dem darunterliegenden, 40 m langen Deck stehen 368 m² zur Verfügung. Die nutzbare Höhe beträgt hier 2,7 m. Das unterste Deck ist 81,6 m lang und 14,6 m breit. Die nutzbare Höhe beträgt 5,7 m. Auf dem Deck stehen 850 m² zur Verfügung. Das RoRo-Deck auf dem Hauptdeck ist über eine 16,5 m lange und 12,6 m breite, herunterklappbare Rampe zugänglich. Die beiden unter dem Hauptdeck liegenden RoRo-Decks sind über feste Rampen vom Hauptdeck aus zugänglich.[5]

Das Schiff kann rollende Ladungen wie Pkw, Nutzfahrzeuge und andere rollende Güter befördern. An Bord können auch 265 TEU befördert werden. Die Container werden dafür im Ladehafen auf Trailer geladen und somit auch als rollendes Gut befördert.[5]

An Bord stehen sechs Doppelkabinen für zwölf Passagiere zur Verfügung.[4]

Umweltbilanz und Finanzierung

Neoline gibt an, dass das Segelsystem den fossilen Kraftstoffbedarf um mehr als 80 % im Vergleich zu einem gleich großen konventionellen Frachter reduziert, der mit 15 Knoten fährt.[4] Die entsprechende CO₂‑Einsparung geht mit praktisch keinen SOx‑ und NOx‑Emissionen einher, was das Schiff besonders attraktiv für Kunden machen soll, die ihre Lieferketten nachhaltig gestalten wollen. Ein integriertes Wetter‑Routing‑System nutzt Echtzeit‑Satellitendaten, um die Segelstellung optimal anzupassen und den dieselelektrischen Antrieb nur bei ungünstigen Bedingungen zu aktivieren.[4] Die Finanzierung des Projekts wurde laut einem Bericht von RINA mit rund 120 Millionen USD veranschlagt, wobei ein erheblicher Teil durch private Investoren wie Renault und das Containerschifffahrtsunternehmen CMA CGM bereitgestellt wurde.[6] Kritiker bemängelten jedoch, dass die hohen Baukosten und die noch relativ geringe Ladekapazität im Vergleich zu herkömmlichen Containerschiffen die Wirtschaftlichkeit langfristig gefährden könnten. In einem Kommentar äußerte ein Analyst, dass die Rentabilität stark von stabilen Windbedingungen abhänge und dass Versicherungsprämien für das neuartige Konzept zunächst höher seien.[3]

Literatur

Fachartikel

  • Bruno Cianci: Back to the future (of Sailing). In: The Naval Architect. Band 5, 2025, ISSN 0306-0209, S. 36–38.
Commons: Neoliner Origin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Videos

Einzelnachweise

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