Neuartige Sanitärsysteme
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Neuartige Sanitärsysteme (NASS) bezeichnet innovative kreislauforientierte Abwasserlösungen, mit dem Ziel der Wiederverwendung von Wasser- und (Nähr-)Stoffströmen. Neuartige Sanitärsysteme beruhen auf einer Trennung von Wasserströmen, die im konventionellen System gemischt sind.
Stoffstrom-Systeme
Hier unterscheidet man gemeinhin verschiedene Stoffstrom-Systeme:
- 2-Stoffstrom-Systeme (Grauwasser, Schwarzwasser)
- 3-Stoffstrom-Systeme (Grauwasser, Gelbwasser, Braunwasser). 3-Stoffstrom-Systeme können etwa durch die Verwendung von Trenntoiletten erreicht werden, die den Urin vom Kot getrennt auffangen. Durch die Nutzung von Trockentrenntoiletten und wasserelosen Urinalen können auch 3-Stoffstrom-Systeme geschaffen werden, die ohne Wasser Urin und Kot getrennt lagern können. Somit verringert sicher der Wasseranteil noch einmal deutlich.
Hintergrund
Die Neuartigen Sanitärsysteme zielen nicht alleine auf die bessere Verwertung von Abwasserinhaltsstoffen (wie Nährstoffe und organische Stoffe), sondern auch auf die Steigerung der Ressourceneffizienz der Kanalisations- bzw. Kläranlagensysteme. Sie werden in der deutschen Siedlungswasserwirtschaft intensiv innerhalb der zuständigen wissenschaftlich-technischen Fachvereinigung DWA diskutiert, insbesondere vom Fachausschuss KA-1 und seinen Arbeitsgruppen.[1]
Neuartige Sanitärsysteme erlauben
- die Nutzung oder Wiederverwertung von Stoff- und Wasserströmen im jeweils betrachteten Einzugsgebiet,
- die Bereitstellung kosteneffizienter Alternativen zu bestehenden Systemen,
- das Angebot zur Ergänzung der konventionellen Wasserversorgungs- und Abwasserbeseitigungssystem
- die Darstellung einer erweiterten Verfahrenspalette (auch für den Einsatz im Ausland).[2]
Umsetzung
Neuartige Sanitärsysteme werden mittlerweile nicht mehr nur im Modellmaßstab umgesetzt,[3] sondern auch auf Quartiersebene (z. B. in Hamburg (Jenfelder Au)[4] und in Qingdao).[5] Technische Normen der DWA sind in Vorbereitung.[6] Seit 2022 gibt es in dem Bereich auch eine Norm der DIN, die sich mit wasserlosen Sanitärkonzepten auseinandersetzt.[7]
In Deutschland haben sich verschiedene Anbieter, Kommunen und Forschungseinrichtungen von neuartigen, nachhaltigen Sanitärsystemen zu einem Netzwerkz zusammengeschlossen - kurz NetSan.[8] Sie verfolgen die Ziele neue Sanitärsysteme im Markt zu etablieren, um die Sanitär- und Nährstoffwende weiterzuentwickeln.
Siehe auch
Literatur
- DWA Neuartige Sanitärsysteme. Themenband Hennef 2008
- DWA "Brauchen wir in Deutschland neuartige Sanitärsysteme?" Hennef 2010