Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker 2026

86. Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker am 1. Jänner 2026 From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker 2026 war das 86. Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker, welches am 1. Jänner 2026 im Wiener Musikverein stattfand. Als Dirigent wurde zum ersten Mal der Kanadier Yannick Nézet-Séguin eingeladen.[1][2]

Yannick Nézet-Séguin (2018)

Besonderheiten

Dirigent

Yannick Nézet-Séguin (geboren 1975) war zum Zeitpunkt des Neujahrskonzerts in drei Führungsfunktionen in Nordamerika verpflichtet – als Musikdirektor der Metropolitan Opera in New York sowie als Chefdirigent des Philadelphia Orchestra und des kanadischen Orchestre Métropolitain. Mit ihm arbeiteten die Wiener Philharmoniker erstmals 2010 zusammen, für das Mozart-Requiem bei den Salzburger Festspielen, doch der Funke zwischen Orchester und Dirigent sei erst im Jahre 2022 übergesprungen, so Vorstand Daniel Froschauer, als Nézet-Séguin bei einer Konzertserie der Philharmoniker in der New Yorker Carnegie Hall einsprang und, unmittelbar nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine, die Dirigate von Waleri Gergijew übernahm.[3] Es folgten die Einladung zum Sommernachtskonzert der Wiener Philharmoniker 2023, zu einem Abonnementkonzert im Jahre 2025 und zum nächsten noch nicht vergebenen Neujahrskonzert, dem von 2026.[1]

In der Pause der Hörfunkübertragung auf Ö1 wurde in der Sendereihe Intermezzo ein Interview mit dem Dirigenten gesendet. Er sprach vor allem über Vertrauen und über die drei New Yorker Konzerte im Jahre 2022, als er nahezu ohne Proben einsprang und sich eine enge Beziehung zwischen den Philharmonikern und ihm etablierte. Als Schwerpunkte seiner Programmauswahl definierte er „Offenheit der Kulturen“, Frauen und Frieden.[4]

In seiner kurzen Ansprache vor dem Donauwalzer wünschte Yannick Nézet-Séguin der Welt paix (auf Französisch), kindness (auf Englisch) und schließlich auf Deutsch: „Prosit Neujahr“.

Begleitgesang der Orchestermitglieder

Beim Egyptischen Marsch von Johann Strauss (Sohn) konnte man die Wiener Philharmoniker kurzfristig auch als Chor erleben, ebenso bei der ersten Zugabe und beim Malapou-Galoppe von Joseph Lanner waren sie gesanglich jeweils im Trio der Kompositionen gefordert.

Balletteinlagen für die TV-Produktion

Unter der Regie von Michael Beyer, der zum 13. Mal für die Umsetzung der Ballettproduktion verantwortlich war und zum 10. Mal die Konzertübertragung verantworten soll, wurden im Sommer 2025 zwei Tanzeinlagen mit dem Wiener Staatsballett filmisch in Szene gesetzt.[5][6]

Für die Choreografie zeichnete John Neumeier verantwortlich, der beim Konzert 1999 sein Debüt beim ORF-Ballett gab.[5] Die Ballettkostüme entwarf Albert Kriemler. Kriemler und Neumeier arbeiteten zuvor für das Konzert 2006 für das Ballett zusammen.[5][7]

Einer der Drehorte: die Säulenhalle des Museums für angewandte Kunst (MAK) in Wien

Getanzt wurde zum Walzer Rosen aus dem Süden und zur Diplomatenpolka, beide von Johann Strauss (Sohn). Als Drehorte dienten für den Walzer das Museum für angewandte Kunst (MAK) in Wien und für die Polka die Wiener Hofburg, wo unter anderem auf der Botschafterstiege gedreht wurde.[5][6] Im MAK entstanden Aufnahmen in der Säulenhalle, der Bibliothek, der Kunstblättersammlung und der Schausammlung Historismus Jugendstil.[8]

Vor der Kamera standen zwölf Tänzer des Wiener Staatsballetts, für den Walzer-Dreh die vier Paare Ketevan Papava und Timoor Afshar, Natalya Butchko und Géraud Wielick, Gaia Fredianelli und Calogero Failla sowie Alaia Rogers-Maman und Victor Cagnin in einer choreografischen Erzählung über eine Rosendarstellung aus dem Nachlass der Wiener Porzellanmanufaktur aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.[5][8] Zur Diplomatenpolka tanzten Alessandro Frola, Natalya Butchko, Gaia Fredianelli, Anita Manolova, Tatiana Mazniak und Laura Cislaghi.[5]

Gäste

Bundespräsident Alexander Van der Bellen lud den Präsidenten von Montenegro, Jakov Milatović, und Ehefrau Milena Milatović zum Konzert ein, Bundeskanzler Christian Stocker seinen montenegrinischen Amtskollegen Milojko Spajić. Innenminister Gerhard Karner empfängt den zypriotischen Migrationsminister Nicholas Ioannides anlässlich der Zyprischen EU-Ratspräsidentschaft 2026 und die finnische Innenministerin Mari Rantanen.[9]

Aus Sicherheitsgründen werden erstmals Körperscanner für das Publikum eingesetzt, nachdem beim Konzert 2023 Klimaaktivisten Störaktionen geplant hatten.[10]

Programm

Das Programm wurde am 29. Oktober 2025 bekanntgegeben. Nach der Vorankündigung sollten fünf Werke erstmals im Rahmen eines Neujahrskonzertes der Wiener Philharmoniker aufgeführt werden, darunter zwei Werke von Komponistinnen: Die Polka Sirenen Lieder von Josephine Weinlich, die in Wien das erste Damenorchester Europas gründete, und der Rainbow Waltz von Florence Price.[1][2]

Kritiker bezeichneten den aufgeführten Rainbow Waltz allerdings als Fälschung. Es wurde ein »Arrangement« des Stückes von Wolfgang Dörner dargeboten, das der Musikwissenschaftler und Price-Spezialist John Michael Cooper als größte Beleidigung für Price und ihre Musik sowie als »Fälschung« bezeichnet. Dörners »Arragement« fügte eine Einleitung hinzu und behielt kaum erkennbare Themen, Ideen, Strukturen und Harmonien des Stückes von Price bei.[11]

Nach dem Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker 2025 mit einem Walzer von Constanze Geiger wurden damit zum zweiten Mal von Frauen komponierte Werke aufgeführt.[1][2]

Tatsächlich waren es dann sechs Werke, die erstmals zur Aufführung gelangten: Zu den beiden genannten Komponistinnen-Kompositionen waren dies Carl Michael Ziehrers Walzer Donausagen, die Polka Brausteufelchen von Eduard Strauß, Joseph Lanners Malapou-Galoppe und die Polka schnell Cirkus von Philipp Fahrbach dem Jüngeren (während der Fernsehübertragung als Philipp Fahrbach (Sohn) bezeichnet). Letztere war Zugabe und nicht Bestandteil des offiziellen Programms.

1. Teil

  • Johann Strauss (Sohn): Ouvertüre zur Operette Indigo und die 40 Räuber
  • Carl Michael Ziehrer: Donausagen, Walzer, op. 446
  • Joseph Lanner: Malapou-Galoppe, op. 148 Nr. 1
  • Eduard Strauß: Brausteufelchen, Polka schnell, op. 154
  • Johann Strauss (Sohn): Fledermaus-Quadrille, op. 363
  • Johann Strauss (Vater): Der Karneval in Paris, Galopp, op. 100

2. Teil

Zugaben

Mit gekennzeichnete Werke standen erstmals in einem Programm eines Neujahrskonzertes.

Besetzung (Auswahl)

Pausenfilm

Allgemeines

Einer der Drehorte: Die Albertina
Der Claude-Monet-Garten im Schulgarten Kagran

Der 27-minütige Pausenfilm von Alex Wieser unter dem Titel Der Zauber der Kunst – 250 Jahre Sammlung Albertina (The Magic of Art – 250 Years Albertina Collection) führt in einer nächtlichen Fantasiereise durch die Albertina. Dabei werden Werke der Sammlungen durch Musik zum Leben erweckt und Mitarbeiter der Albertina tauchen in die Werke von Wassily Kandinsky bis Claude Monets Seerosenteich ein.[13][14] Gedreht wurde unter anderem im Claude-Monet-Garten im Schulgarten Kagran.[15]

Als Darstellerin war Beatrix Brunschko zu sehen, im Abspann ist In Gedenken an Georg Burdicek, Musikaufnahme zu lesen.[16]

Musik

  • Maurice Ravel: Introduktion und Allegro
    • Anneleen Lenaerts (Harfe)
    • Benjamin Morrison, Patricia Hood-Koll (Violine)
    • Sebastian Führlinger (Viola)
    • Bernhard Naoki Hedenborg (Cello)
    • Karl-Heinz Schütz (Flöte)
    • Alex Ladstätter (Klarinette)
  • Fritz Kreisler: Marche miniature viennoise
    • Yamen Saadi (Violine)
    • Herbert Rüdisser (Klavier)
  • Francis Poulenc: Sextett für Klavier und Bläserquintett
    • Luc Mangholz (Flöte)
    • Sebastian Breit (Oboe)
    • Lukas Schmid (Fagott)
    • Manuel Huber (Horn)
    • Gregor Hinterreiter (Klarinette)
    • Gabriel Meloni (Klavier)
  • Wolfgang Amadeus Mozart: Serenade Nr. 12 c-moll „Nacht-Musique“ (KV 388/384a)
    • Paul Blüml, Julia Zulus (Oboe)
    • Andrea Götsch, Alex Ladstätter (Klarinette)
    • Benedikt Dinkhauser, Wolfgang Koblitz (Fagott)
    • Jan Janković, Wolfgang Lintner (Horn)

Übertragung

Für die 68. ORF-Übertragung zeichnete zum zehnten Mal Michael Beyer verantwortlich. Die Moderation für den ORF übernahm zum vierten Mal Teresa Vogl. Das Konzert wurde in 93 Ländern übertragen.[17]

In Österreich verfolgten das Konzert bis zu 887.000 Zuschauer. Den reichweitenstärkeren zweiten Konzertteil sahen durchschnittlich 839.000 Personen bei einem Marktanteil von 51 Prozent. Der Pausenfilm erreichte 809.000 Seher.[17][18]

In Deutschland wurde das Konzert vom ZDF im Fernsehen übertragen und erreichte durchschnittlich 2,46 Millionen Zuschauer, sodass der Gesamt-Marktanteil bei 21,6 Prozent lag.[19] Im Radio übertrugen die öffentlich-rechtlichen Kultursender das Konzert live.

Aufnahmen

Die Audio-Doppel-CD dieses Konzertes zählt in Österreich zu den meistverkauften Alben des Jahres 2026.[20]

Einzelnachweise

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