Neulichterfelde
Wohnquartier im Berliner Bezirk Steglitz-Zehlendorf
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Neulichterfelde ist ein geplantes Wohnquartier im Berliner Bezirk Steglitz-Zehlendorf, das rund 2500 Wohnungen für etwa 6000 Menschen vorsieht und als Modellprojekt für nachhaltige Stadtentwicklung gilt.
Vorgeschichte
Die Vorgeschichte von Neulichterfelde ist geprägt von einer wechselvollen Nutzung des Geländes, auf dem das neue Stadtquartier entstehen soll. Ursprünglich handelte es sich um landwirtschaftlich genutzte Flächen, die 1928 von der Deutschen Reichsbahn erworben wurden, um dort ein Reichsbahnausbesserungswerk zu errichten – ein Vorhaben, das jedoch nie umgesetzt wurde.[1] Während des Zweiten Weltkriegs befand sich auf dem Gelände ein Arbeiterlager der Reichsbahn sowie ein Kriegsgefangenenlager, das als Teil des Mannschaftsstammlagers (Stalag) III D diente.[2] Von 1953 bis 1994 diente es der US-Army als Truppenübungsplatz Parks Range. Danach blieb das Areal lange Zeit ungenutzt, bis es in den 2010er Jahren in den Fokus städtebaulicher Planungen rückte. Im Rahmen eines Masterplanverfahrens ab 2013 wurde das Gebiet als potenzieller Standort für ein nachhaltiges Wohnquartier identifiziert.[3]
Die historische Belastung des Geländes durch seine NS-Vergangenheit führte zu intensiven Diskussionen über den Umgang mit der Erinnerungskultur im Rahmen der Neubebauung.[2]
Planungen
Die Planungen für das Stadtquartier Neulichterfelde begannen 2012 und mündeten nach zwölf Jahren intensiver Abstimmungen, Werkstattverfahren und öffentlicher Beteiligung in einen Satzungsbeschluss des Bebauungsplans durch die Bezirksverordnetenversammlung Steglitz-Zehlendorf im März 2024.[4][5] Damit war der Weg frei für die Umsetzung eines der größten Wohnungsbauprojekte Berlins. Geplant sind rund 2500 Wohneinheiten auf etwa 39 Hektar des insgesamt 96 Hektar großen Geländes. Davon entfallen etwa 1900 auf Geschosswohnungen und rund 600 auf Reihenhäuser und Doppelhaushälften.[6] Etwa 540 Wohnungen sollen als Sozialwohnungen entstehen.[7] Ergänzt wird das Quartier durch eine Grundschule, mehrere Kitas, eine Jugendfreizeiteinrichtung, einen Sportplatz mit Turnhalle sowie Nahversorgungsangebote. Die Investitionssumme beläuft sich voraussichtlich auf mehrere hundert Millionen Euro, wobei genaue Zahlen bislang nicht öffentlich genannt wurden. Die Groth Gruppe als Projektentwicklerin arbeitet mit Partnern aus den Bereichen Energie, Mobilität und Bildung zusammen, um ein nachhaltiges und vernetztes Quartier zu schaffen.[7] Der Bau soll in mehreren Etappen erfolgen.
Aktueller Stand
Das Projekt befindet sich in der Phase der Baufeldfreimachung und Erschließung. Seit Oktober 2024 laufen vorbereitende Maßnahmen wie Baumfällungen und die Einrichtung der Baustelle.[8][9] Diese Arbeiten sollen etwa 1,5 Jahre dauern und umfassen die Verlegung von Leitungen für Wasser, Strom und Telekommunikation sowie die Anlage von Straßen und Wegen.[10] Allerdings gibt es Verzögerungen: Ein Ameisennest auf Baufeld II wurde im September 2025 entdeckt und darf aus Artenschutzgründen in diesem Jahr nicht mehr versetzt werden. Dadurch verschiebt sich dort die Beräumung dieses Teilbereichs und damit auch der Beginn der Hochbauarbeiten.[11][12] Optisch ist das Gelände derzeit geprägt von Baustellenlogistik, Rückbau alter Strukturen und ersten Erdarbeiten. Die Mietwohnungen im ersten Bauabschnitt sollen nahe dem S-Bahnhof Lichterfelde Süd entstehen, gefolgt vom Stadtplatz mit Wohn- und Geschäftshäusern.[9] Der Hochbau soll Mitte 2026 beginnen.
Kritik
Akteure aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft kritisierten das Projekt und stellten es teilweise grundsätzlich in Frage.[13] Neben grundlegenden sozialpolitischen Kritikpunkten, etwa von Seiten der Linken, wurde von wirtschaftsnahen Beobachtern insbesondere die ungesicherte Finanzierung bemängelt.[14] Die zur Verwirklichung des Projektes genannten Summen seien deutlich zu gering angesetzt; das Vorhaben sei nur durch externe Fonds finanzierbar, deren Stabilität angesichts volatiler Märkte als unsicher gelte.[13]
Ferner sei es unwahrscheinlich, dass Privatkäufer sich in ausreichender Zahl für hochwertige Wohnungen in unmittelbarer Nähe eines sozialen Brennpunktes entscheiden würden.[15] Dementsprechend würden hier vor allem Anlageimmobilien entstehen, was langfristig zu einer weiteren sozialen Entmischung führen könne.[16] Ein finanzielles Engagement des Landes Berlin sei daher nicht nur sozial fragwürdig, sondern auch ökonomisch heikel.[17]