New York, Fall 1974

Musikalbum von Anthony Braxton From Wikipedia, the free encyclopedia

New York, Fall 1974 ist ein Musikalbum von Anthony Braxton. Die am 27. September und 16. Oktober 1974 in den Generation Sound Studios in New York City entstandenen Aufnahmen erschienen 1975 auf Arista Records.

Veröffent-
lichung

1975

Format(e)

LP, CD, Download

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New York, Fall 1974
Studioalbum von Anthony Braxton

Veröffent-
lichung

1975

Aufnahme

27. September / 16. Oktober 1974

Label(s)

Arista Records

Format(e)

LP, CD, Download

Genre(s)

Jazz

Titel (Anzahl)

6

Länge

39:20

Besetzung

Produktion

Michael Cuscuna, Steve Backer

Studio(s)

Generation Sound Studios, New York City

Chronologie
Quartet Live at Moers New Jazz Festival
(1975)
New York, Fall 1974 Five Pieces 1975
(1975)
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Hintergrund

Braxtons Aufnahmen für Arista Records 1974–79

Im Jahr 1974 wurde Braxton von zwei amerikanischen Plattenlabels umworben. Der Komponist entschied sich für Clive Davis’ damals noch junges Label Arista und gegen Atlantic Records, da er dort mit Steve Backer zusammenarbeiten würde – dem ehemaligen Leiter von Impulse! Records, der ein tiefes Verständnis für die Musik mitbrachte –, sowie mit Michael Cuscuna, der später bei Mosaic Records und anderen Reissue-Projekten tätig war. Mike Shanley zufolge war dies eine kluge Entscheidung, denn man gewährte ihm bei Arista völlige künstlerische Freiheit – von Aufnahmen mit seinem Quartett bis hin zu Doppelalben mit Solo-Saxophonmusik und, „in einem Schritt, der die Controller der Firma wohl schier zur Weißglut getrieben haben muss“, einer dreiteiligen Komposition, an der vier 39-köpfige Orchester beteiligt waren.[1]

Der Produzent Clive Davis, der zuvor wegen des Verdachts auf Veruntreuung verschwundener Gelder von Columbia Records gefeuert worden war, nutzte Arista Records, das er kaufte, um wieder ins Musikgeschäft einzusteigen, notierte Tom Hull (The Village Voice). Davis war der Ansicht, dass dem Label ein Jazz-Programm neuen Schwung verleihen würde und engagierte Steve Backer von Impulse! Records, um es umzusetzen. Backer sammelte alte Kataloge von Savoy Records (dem Label von Charlie Parker) und neues Material von Freedom, einem französischen Label, das von Avantgardisten genutzt wurde, die keine Verträge mit amerikanischen Labels mehr fanden. Dann lud er Braxton nach New York ein. Die Zusammenarbeit verlief so gut wie möglich; man ließ ihm große Handlungsfreiheit.[2]

Braxtons erste drei Alben auf Arista verkauften sich gut und wurden von der Kritik hoch gelobt. Ihren Höhepunkt erreichte der Erfolg, als die Kritiker von Downbeat Creative Orchestra Music 1976 zum Album des Jahres kürten. Doch spätere Alben floppten, teils aufgrund der Schwierigkeit von Braxtons Kompositionen, vor allem aber, weil Jazz in dieser Zeit allgemein an öffentlichem Interesse verlor. Der Vertrag endete 1980, nachdem Arista neun Braxton-Alben auf insgesamt 13 LPs veröffentlicht hatte. Sie verschwanden bald vom Markt und blieben es auch – ironischerweise waren Braxtons berühmteste Alben am schwersten zu finden, so Tom Hull.[2]

Obwohl Braxton bereits vor, während und nach dieser Zeit für eine Vielzahl anderer Labels aufnahm – allen voran in späteren Jahren für Leo Records, aber auch für das Windham-Hill-Records-Sublabel Magenta Records –, waren es nach Ansicht von Syd Fablo doch seine Veröffentlichungen bei dem damals noch jungen Major-Label Arista gewesen, die ihm zu internationalem Ruhm verhalfen.[3]

Das erste Album, das Braxton für das Arista-Label einspielen sollte, war New York, Fall 1974; bald darauf folgte Five Pieces 1975. Die Phase der Aufnahmen für kleinere Label in Europa und den USA wie Freedom, New Tone, America, SteepleChase und Ring war damit beendet.

Das erste Arista-Album

Kenny Wheeler (1992)

Im Sommer 1974 hatte Braxton ein neues Quartett zusammengestellt, dem Kenny Wheeler (Trompete), Dave Holland (Bass) und Barry Altschul (Schlagzeug) angehörten; ein Mitschnitt von einem Konzert in Avignon erschien später als Bootleg. Braxton, der auf New York, Fall 1974 zwischen Altsaxophon, Flöte, Klarinette, Sopraninosaxophon und Kontrabassklarinette wechselte, interpretierte sechs seiner Eigenkompositionen, die zunächst graphisch betitelt waren, in unterschiedlichsten Besetzungen. Beteiligt waren neben Wheeler und Holland auch der Schlagzeuger Jerome Cooper, der Geiger Leroy Jenkins (B3) und für ein Duo Richard Teitelbaum am Moog-Synthesizer (B1). Im zweiten Stück auf der B-Seite (B2) spielte Braxton auf dem Sopraninosaxophon mit dem Altsaxophonisten Julius Hemphill, Baritonsaxophonisten Hamiet Bluiett und dem Tenorsaxophonisten Oliver Lake.

Titelliste

  • Anthony Braxton: New York, Fall 1974 (Arista – BLPN-9-AR)[4]
  1. A1: – 8:50
  2. A2: – 3:07
  3. A3: – 7:03
  4. B1: – 6:33
  5. B2: – 8:18
  6. B3: – 5:29

Die Kompositionen stammen von Anthony Braxton.

In der Neuausgabe der Aufnahmen in der Kompilation The Complete Arista Recordings of Anthony Braxton wurden die einzelnen Stücke mit ihren Nummern bezeichnet. (Die Darstellung orientiert sich im Folgenden an der Jazz Discography von Tom Lord.)

  • Kenny Wheeler (tp, flhrn), Anthony Braxton (fl, as, contrabass-cl), Leroy Jenkins (vln-1), Dave Holland (kb), Jerome Cooper (dr) New York, 27. September 1974:
  1. Composition 23B
  2. Composition 23C
  3. Composition 23D
  4. Composition 23A (1)
  • Anthony Braxton (cl), Richard Teitelbaum (synt), New York, 16. Oktober 1974:
  1. Composition 38A
  • Anthony Braxton (sopranino), Julius Hemphill (as), Oliver Lake (ts), Hamiet Bluiett (bar), New York, 16. Oktober 1974:
  1. Composition 37

Rezeption

Scott Yanow verlieh dem Album in Allmusic vier Sterne und meinte, am zugänglichsten wären seine drei Darbietungen mit einem Quartett, dem der Trompeter Kenny Wheeler, der Bassist Dave Holland und der Schlagzeuger Jerome Cooper angehörten. Die historisch bedeutendste Aufführung sei jedoch die eines Saxophonquartetts ohne Begleitung, bestehend aus Braxton, Julius Hemphill, Oliver Lake und Hamiet Bluiett; diese Formation (mit David Murray anstelle von Braxton) sollte ab 1977 als World Saxophone Quartet bekannt werden. Die große Vielfalt dieser Aufnahmen mache dieses Album zu einem idealen Einstieg in Anthony Braxtons mitunter sperrige, aber schlüssige Musik.[5]

Einzelnachweise

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