Nicasius Bernaerts
flämischer Maler
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Nicasius Bernaerts (* 15. März 1620 in Antwerpen; † 16. September 1678 in Paris) war ein flämischer Maler des 17. Jahrhunderts. In Frankreich war er auch als Nicasius bekannt. Er spezialisierte sich auf Tier-, Jagd- und Vogeldarstellungen sowie auf Blumen- und Fruchtstillleben und arbeitete als Mitarbeiter der königlichen Gobelinmanufaktur unter Charles Le Brun.[1]

Leben
Nicasius Bernaerts, dessen Name in den Quellen auch in den Formen Bernaerds, Bernaert, Bernaerts und Nicaise sowie im Italienischen als Monsù Nicasio erscheint, wurde am 15. März 1620 in Antwerpen geboren. Im Alter von vierzehn Jahren, im Jahr 1634, trat er in die Lehre des bedeutenden flämischen Tiermalers Frans Snyders ein und wird als dessen Schüler in den Registern der Antwerpener Lukasgilde aufgeführt. Nach Abschluss seiner Ausbildung unternahm er eine Reise nach Italien, ohne zunächst den Meistergrad erlangt zu haben, und ließ sich anschließend in Frankreich nieder. Bereits vor 1643 war er in Paris tätig, wo er zu den angesehenen flämischen Malern zählte. Nach einigen Jahren kehrte er in seine Heimat zurück und wurde am 12. Februar 1654 als Meister in die Antwerpener Lukasgilde aufgenommen. Dieser Aufenthalt in Flandern erwies sich jedoch als vorübergehend, denn Bernaerts ließ sich erneut in Paris nieder.[1]
Die Aufnahme in die Académie royale de peinture et de sculpture gestaltete sich langwierig: Am 7. Februar 1660 wurde ihm eine Frist von drei Monaten zur Ausführung seines Aufnahmestücks gewährt. Doch am 29. Januar 1661 wurde seine Kandidatur suspendiert. Im Oktober 1663 wurde er erneut zugelassen und lieferte sein Aufnahmestück am 4. Januar 1665 ab. Seine Mitgliedschaft trat jedoch erst im März 1672 in Kraft. Seit 1667 war er für die königliche Gobelinmanufaktur unter der Direktion von Charles Le Brun tätig. Zu seinen Schülern zählte gegen Ende seiner Laufbahn François Desportes, der später als bedeutender Tiermaler Frankreichs Ansehen erlangte. Nicasius Bernaerts starb am 16. September 1678 in Paris in großer Armut und war zu diesem Zeitpunkt bereits weitgehend in Vergessenheit geraten.[1]
Werk

Nicasius Bernaerts war in Frankreich vor allem als Maler von Vogel- und Jagddarstellungen bekannt. Daneben schuf er Blumen- und Fruchtstillleben. Ab 1667 sind ihm eine Reihe von Tierdarstellungen für die Gobelinteppiche der königlichen Manufaktur zuzuschreiben, die sich durch brillante Farbigkeit und souveräne Komposition auszeichnen. Sein malerisches Œuvre vermittelt zwischen der flämischen Tradition und der französischen Schule der Tiermalerei. Nach Einschätzung der Forschung wartet es noch auf eine umfassende Neubewertung. Möglicherweise müssen einige bislang Desportes zugeschriebene Werke Bernaerts zurückgegeben werden. Im Verlag Pierre-François Basan erschienen zwei Kupferstiche nach seinen Gemäldevorlagen: Le Bien Venu Mais Mal Reçu sowie Le Furet Au Pillage.[1]
Zu seinen erhaltenen Werken zählen das Aufnahmestück für die Académie royale von 1665, das sich im Musée des Beaux-Arts in Dijon befindet und Hunde, Katzen und erlegtes Wild zeigt, sowie mehrere Tierdarstellungen und Vogelstudien im Pariser Louvre. Darunter befinden sich zwei kleine Hunde und neun Tierstudien mit Vögeln, die vermutlich ursprünglich aus der Gobelinfabrikation stammen. Das Museum in Rouen verwahrt eine Darstellung von Tieren in einer Landschaft. Die Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste in Wien besitzt einen als Zuschreibung geführten Ententümpel.[1]
Literatur
- Anatole de Montaiglon: Procès-verbaux de l'Académie royale de peinture et de sculpture. Charavay Frères, Paris, 1875.
- Arnauld Roy: Les envois de l'État au musée de Dijon (1803–1815). Paris, 1980.
- Claus Grimm: Stilleben. Die niederländischen und deutschen Meister. Belser, Stuttgart/Zürich, 1988
- Filippo Baldinucci: Notizie de' professori del disegno. Florenz, 1847.
- Guillaume Janneau: Les Gobelins. Paris, 1965.
- Henri Hymans: D'artistes belges. Brüssel, 1920.
- Jan De Maere, Marie Wabbes: Illustrated Dictionary of 17th Century Flemish Painters. La Renaissance du Livre, Brüssel, 1994.
- Kurt J. Müllenmeister: Meer und Land im Licht des 17. Jahrhunderts. Band III: Tierdarstellungen. Bremen, 1973.
- Luigi Salerno: La natura morta italiana. Ugo Bozzi, Rom, 1984.
- Stéphane Loire: Le Salon de 1673. In: Bulletin de la Société de l'histoire de l'art français. Paris, 1992 (1993).
- Bernaerts, Nicasius. In: Ulrich Thieme, Felix Becker (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Begründet von Ulrich Thieme und Felix Becker. Band 3: Bassano–Bickham. Wilhelm Engelmann, Leipzig 1909.
- Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 2: Bedeschini – Bülow. Paris, 2006.
- Allgemeines Künstlerlexikon Online / Artists of the World Online. Herausgegeben von De Gruyter, Verlag De Gruyter, 2009.