Nicht der Pflicht nur zu genügen

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Nicht der Pflicht nur zu genügen (auch: Der Sonne entgegen![1] oder Sonn' entgegen!) ist ein deutsches Studentenlied, das von Cäsar Flaischlen im Jahr 1894 verfasst wurde.[2] Es ist eines der bekanntesten Studentenlieder und wird häufig bei akademischen Feiern, wie Kneipen oder Kommersen, gesungen.[3][4][5] Es wird auch von Freimaurern gesungen.[6] Das Lied thematisiert das Streben nach einer umfassenden Lebensführung, die sich nicht nur nach gesellschaftlichen Erwartungen und der Pflicht orientiert, sondern auch nach persönlicher Entfaltung und höheren Idealen.

Verbindungsstudenten beim Singen auf einer Kneipe

Geschichte und Rezeption

Der Liedtext in Cäsar Flaischlens Gesammelte Dichtungen (1921).

Es wurde 1894 von Cäsar Flaischlen (1864–1920), einem deutschen Lyriker und Mundartdichter, geschrieben, der in der Studentenbewegung jener Zeit aktiv war.[2][7] Das Lied entstand im Umfeld der Studentenverbindungen und der akademischen Bewegung des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Die Lieder dieser Zeit waren im Laufe des 20. Jahrhunderts oft Ausdruck eines Streben nach Selbstverwirklichung und einer Feier des akademischen Lebens.

Als Teil der deutschen Studentenliedertradition steht „Nicht der Pflicht nur zu genügen“ neben anderen bekannten Liedern wie „Gaudeamus igitur“ in der Reihe jener Werke, die eine kritische Haltung gegenüber einer rein utilitaristischen Lebensweise zum Ausdruck bringen. Dabei bleibt es ein Lied, das die Ideale der Freiheit, des Idealismus und der persönlichen Entfaltung betont und in seiner Zeit eine Stimme für die Studentenbewegung war, die die akademische und intellektuelle Entwicklung als entscheidend für das Leben eines Menschen betrachtete.

Nicht der Pflicht nur zu genügen ist seit seiner Entstehung ein beliebtes Lied in akademischen Kreisen geblieben, besonders in Verbindung mit traditionellen akademischen Zeremonien, wie Kneipen oder Kommersen. Es ist im bekanntesten Studentenliederbuch, dem Allgemeinen Deutschen Kommersbuch, zu finden.[1][8]

Text

Der Text von „Nicht der Pflicht nur zu genügen“ richtet sich gegen eine bloße Erfüllung der gesellschaftlichen Erwartungen und die Beschränkung des Lebens auf funktionale Ziele. Vielmehr fordert das Lied dazu auf, auch den persönlichen und geistigen Freiraum zu suchen und das Leben nach höheren Idealen zu gestalten. Es verbindet den Ruf nach Freiheit und Selbstverwirklichung mit einem Bekenntnis zu den Prinzipien der akademischen und ethischen Bildung.[2][7]

1. Nicht der Pflicht nur zu genügen,

was sie fordert und verlangt,

nicht der Stunde nur zu leben,

was sie nimmt und was sie dankt,

Freunde, einem stolzern Wollen

gelte unser Tages Lauf:

|: Über Sturm und über Wolken

Sonn’ entgegen trag’s uns auf! :|

3. Gib dem Menschen, was des Menschen,

doch laß Gott, was Gott gehört;

nicht dem Kampf nur um dein Morgen

auch dir selbst sei etwas wert!

Auch dir selbst, Freund, und der Jugend,

die so stolz die Stirn dir schirmt

|: und auf Feuerflügeln jauchzend

unsre Seelen aufwarts stürmt! :|

2. Sonn’ entgegen aus des Alltags

sorgendumpfen Nebelspuk,

mit der Siegkraft trotzger Jugend

über Not und Last und Druck.

Und wenn andre töricht finden,

was sie uns so „träumen“ sehn,

|: unsre Losung sei und bleibe

Nie im Alltag aufzugehn! :|

4. Heute drum, so lang ein froher

Jugendmut uns führt zum Sieg,

heute drum heißt es entscheiden:

Mit wem Frieden, mit wem Krieg?

Freunde, Manner laßt uns werden,

die da stolz im Kampfe stehn,

|: treu und furchtlos, festverschworen,

nie im Alltag aufzugehn! :|

Musikalische Merkmale

Die Melodie wurde von Johann Peters’ 1867 komponiertem Rheinlied (Strömt herbei, ihr Völkerscharen) übernommen.

„Nicht der Pflicht nur zu genügen“ ist ein traditionelles deutsches Studentenlied und wird meist im 4/4-Takt mit einer lebhaften, melodischen Musikbegleitung gesungen. Die Melodie entspricht der typischen Form von Studentenliedern der damaligen Zeit. Sie ist eingängig, mit klarer Struktur und einem marschierenden Rhythmus, der die energetische und kämpferische Haltung des Textes unterstreicht.[9]

Siehe auch

Literatur

  • Deutsche studenten-Lieder. M. Schauenburg, 1973, S. 40 (117 S.).
  • Raimund Lang: Ergo cantemus!: Texte und Materialien zum Studentenlied. SH-Verlag, 2001, ISBN 978-3-89498-112-9, S. 165 (278 S.).
  • Flaischlen, Gedichte. Aus den Lehr- und Wanderjahren des Lebens, Erstdruck: Berlin 1900 [1899], Querwegein (Originaltext).
  • Caesar Flaischlen: Heimat und Welt, Nachdruck des Originals von 1918. Nikosia, Zypern 2016, ISBN 978-9925-0-1929-8, S. 111, 112 (172 S.).
  • Michael Jung: Liederbücher im Nationalsozialismus. Band 2. Johann-Wolfgang-Goethe-Universität zu Frankfurt am Main, 1989, S. 617 (894 S.).

Einzelnachweise

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