Nico Kaufmann
Schweizer Komponist und Pianist
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Leben
Nico Kaufmanns Vater Willi Kaufmann-Ernst (1887–1942) war Arzt; die Familie der Mutter war dank der Erfindung des Pissoirs reich geworden.[1] Der Vater war auch als Komponist tätig und konnte seinen begabten Sohn entsprechend fördern. Dieser studierte am Konservatorium Zürich Klavier und Komposition und schloss mit dem Klavierdiplom ab. Von 1935 bis 1937 arbeitete er als Komponist und Korrepetitor am Theater Basel.[2] Nachdem er kurzzeitig Schüler des berühmten Pianisten Vladimir Horowitz (der einzige Horowitz-Schüler in dessen europäischer Zeit) gewesen war, errang er auch das Konzertdiplom.

Pianist und Komponist
Kaufmann wurde Arrangeur und musikalischer Leiter des Cabaret Cornichon.[2] Seine Leistungen als Pianist wurden bald in der Presse anerkennend besprochen. Auch die Anerkennung seiner Musikerkollegen blieb ihm nicht versagt, gewann er doch 1945 den ersten Preis im nationalen Klavierwettbewerb in Genf.[3]
Nach dem Zweiten Weltkrieg konzentrierte sich Kaufmann auf das Komponieren von Schauspielmusik, Ballettmusik und auch einer Filmmusik (1960). Weiter schuf er zahlreiche Stücke für Klavier und Kammerorchester sowie Chansons und Lieder, darunter einen Liederzyklus zu Gedichten von Hermann Hesse.[4] Ein Zubrot verdiente er sich, indem er als beliebter Barpianist auftrat.
Nico Kaufmanns Nachlass wird in der Musiksammlung der Zentralbibliothek Zürich aufbewahrt. Mit dem Erbe, das er in höherem Alter erhielt, förderte er junge Musikerinnen und Musiker. 2000 wurde es in eine nach ihm benannte Stiftung überführt, welche ab 2002 insgesamt 20 Stipendien sprach.[5] Von Amtes wegen gehörten dem Stiftungsrat jeweils der Zürcher Stadtpräsident, der Direktor der Musikhochschule sowie ein Vertreter der Stifterfamilie an.[6] Das letzte Stipendium wurde 2025 dem Pianisten Sergey Tanin ausbezahlt.[1]
Seine zu Lebzeiten unveröffentlichten autobiographischen Aufzeichnungen nutzte Lea Singer als Recherchebasis für ihren psychologisch-biographischen Roman über das in jenen Zeiten zwanghaft verheimlichte Beziehungsleben homosexueller Künstler.[7]
Nico Kaufmann fand seine letzte Ruhestätte auf dem Friedhof Enzenbühl in Zürich.
Verstecktes Leben
Seine für die Karriere wohl wichtigste Beziehung begann 1937 zum bereits berühmten Pianisten Horowitz, dem er nach Paris folgte. Kaufmann war nicht nur dessen Schüler, sondern auch Liebhaber.[1] Nachdem sein Vater davon erfahren hatte, musste Kaufmann wieder nach Zürich zurückkehren. Ein intensiver Briefkontakt blieb jedoch bestehen, bis auch dieser 1939 infolge der Übersiedlung von Horowitz in die USA abbrach.
Im Cabaret Cornichon lernte Kaufmann schliesslich den Schauspieler Karl Meier kennen, der ihn mit der Homosexuellenzeitschrift Der Kreis bekannt machte. An den Bällen der Vereinsmitglieder sorgte Kaufmann, der dort als Lysis bekannt war, für die musikalische Unterhaltung. Die Kabarettprogramme bereicherte er mit eigenen Kompositionen, wie zum Beispiel vertonten Gedichten von Heinrich Federer.
Auch nach der Auflösung des Kreises 1967 blieb Kaufmann Mitglied in Organisationen der Homophilenbewegung. Er schrieb zuletzt an Memoiren (unveröffentlicht), die Rückschau auch auf diesen relativ versteckten Teil seines Lebens geben.
Sein persönlicher Nachlass befindet sich seit 2017 im Schwulenarchiv Schweiz in Zürich.
Literatur
- Franco Battel: Nico Kaufmann †. In: ak, ISSN 0259-5419, Jahrgang 13, Nr. 1 (1997), S. 16.
- Ingrid Bigler-Marschall: Nico Kaufmann. In: Andreas Kotte (Hrsg.): Theaterlexikon der Schweiz. Band 2, Chronos, Zürich 2005, ISBN 3-0340-0715-9, S. 970.
- Barbara Busch: Nico Kaufmann. Der verschwiegene Horowitz-Schüler. In: Piano News Heft 3 (2001) S. 34–39.
- Giorgio Scherrer: Pianist, schwuler Pionier – und dann plötzlich Millionär: das unvollendete Leben des Nico Kaufmann. In: Neue Zürcher Zeitung. 18. November 2025.
- Lea Singer: Der Klavierschüler. Roman. Kampa Verlag, Zürich 2019, ISBN 978-3-311-10009-6.
- Karl-Heinz Steinle: Der Kreis: Mitglieder, Künstler, Autoren (= Hefte des Schwulen Museums. Nr. 2). Verlag rosa Winkel, Berlin 1999, ISBN 3-86149-093-5, S. 37–38.
Weblinks
- Lebenslauf und Nachlassverzeichnis, Zentralbibliothek Zürich
- Kapitel über Nico Kaufmann auf schwulengeschichte.ch
- Stiftung Nico Kaufmann auf stadt-zuerich.ch