Nico and the Navigators
Berliner Musiktheater-Ensemble
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Nico and the Navigators ist ein freies Berliner Musiktheater-Ensemble,[1] das 1998 von der Regisseurin Nicola Hümpel und dem Bühnen- und Medienkünstler Oliver Proske am Bauhaus Dessau gegründet wurde.[2][3] Mit seiner bildstarken, genreübergreifenden Handschrift – einer Verbindung aus Schauspiel, Tanz, Gesang und digitalen Medien – zählt es heute zu den profiliertesten Musiktheatergruppen Europas.[4][5]
Geschichte
Nach seiner Gründung arbeitete das Ensemble von 1999 bis 2006 als „Artist in Residence“ an den Berliner Sophiensaelen und entwickelte dort den Inszenierungszyklus Menschenbilder.[6][7] Nach Eggs on Earth (2000)[8] wurde auch Wo Du nicht bist. Ein Stück über das Glück (2007) beim Berliner Theatertreffen in der Reihe „Inszenierungen in der Diskussion“ geführt.[9] Seit der Eröffnung der Spielstätte Radialsystem V 2006 ist die Kompanie hier beheimatet;[10] Berliner Kooperationen entstanden zudem mit der Deutschen Oper Berlin (2012)[11] und dem Konzerthaus Berlin (2017[12], 2019[13] & 2023[14]). An der Berliner Philharmonie entstand 2020 eine Kooperation mit Kirill Petrenko, der Karajan-Akademie der Berliner Philharmoniker sowie dem Vocalhelden-Chor.[15] Weitere Berliner Spielorte sind unter anderem die Zionskirche,[16] das DOCK 11 EDEN***,[17] das Georg Kolbe Museum,[18] die St. Elisabeth-Kirche oder die Villa Elisabeth.[19]
Das Ensemble ist für interdisziplinäre Musiktheater-Inszenierungen zwischen Schauspiel, Tanz, Gesang, Bildender Kunst sowie partiell KI-gesteuerter Video-Technologie und Augmented-Reality bekannt.[20] Dabei setzt sich die Truppe aus einem Pool internationaler Künstler und Künstlerinnen aus diesen Bereichen zusammen.
Seit 2006 realisieren Nico and the Navigators bildmächtige Opern- und Musiktheater-Produktionen zu Werken unter anderem von John Adams, Johann Sebastian Bach, Ludwig van Beethoven, Philippe Boesmans, Georg Friedrich Händel, Leoš Janáček, György Kurtág, György Ligeti, Gustav Mahler, Giacomo Puccini, Gioachino Rossini, Fausto Romitelli, Franz Schubert und Heinrich Schütz.[21][22][23][24][25][26][27][28][29]
Die Regisseurin Nicola Hümpel und der Bühnenbildner Oliver Proske wurden für ihre Arbeit mit Nico and the Navigators mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem George-Tabori-Preis (2011)[30] und dem Konrad-Wolf-Preis der Akademie der Künste Berlin (2016).[31] Hümpel inszenierte 2016 an der Staatsoper Stuttgart Philippe Boesmans' Oper Reigen (Koproduktion mit Nico and the Navigators); die Produktion wurde in Kritiken besprochen und im Zusammenhang mit der Wahl der Oper Stuttgart zum „Opernhaus des Jahres“ erwähnt.[32][33][34] 2020 wurde die Staatsoper Hannover bei den OPER! AWARDS als „Bestes Opernhaus“ ausgezeichnet.[35][36] Im selben Jahr entstand dort Gioachino Rossinis Der Barbier von Sevilla (Regie: Nicola Hümpel; Bühne: Oliver Proske).[37] Die TV-Aufzeichnung von Force & Freedom (2021, in Zusammenarbeit mit dem Kuss Quartett, EuroArts und ZDF/Arte) wurde für den Musikpreis Opus Klassik nominiert.[38][39]
Mit der politischen Farce Ein Volksbürger (2024), basierend auf einem Text des Verfassungsrechtlers Maximilian Steinbeis und Recherchen des Verfassungsblogs, wendete sich das Ensemble dem Politischen Theater zu.[40][41] Der Verein der Hauptstadtjournalisten öffnete mit Ein Volksbürger erstmals seit seiner Gründung im Jahr 1950 das Haus der Bundespressekonferenz für eine künstlerische Intervention. Die Aufzeichnung der Inszenierung wurde auf YouTube sowie in der ZDF/Arte-Mediathek veröffentlicht und in sechs Sprachen übertitelt[42]; das Stück war zudem auf der Shortlist für das Berliner Theatertreffen[43] und wurde für den Friedrich-Luft-Preis nominiert.[44] Wie vorherige Produktionen gastierte The Whole Truth about Lies (2024), die Populismus und Künstliche Intelligenz thematisiert, 2025 in der Shanghai Concert Hall.[45]
Gastspiele und Festivals
Auftritte führten das Ensemble an zahlreiche Bühnen und Festivals im In- und Ausland, unter anderem: Berliner Philharmonie, Bregenzer Festspiele,[46] Deutsche Oper Berlin, Moscow International House of Music, Elbphilharmonie Hamburg,[47] Théâtres de la Ville de Luxembourg, Händel-Festspiele Halle, Kammerspiele München, Kampnagel, Konzerthaus Berlin, Kunstfest Weimar, Opéra-Comique Paris, Opéra de Rouen, BOZAR Brüssel,[48] Residenztheater München, Münchener Biennale, Schwetzinger SWR Festspiele, Shanghai Concert Hall,[49] Staatsoper Hannover, Staatsoper Stuttgart, UMTFestival Korea,[50] Wiener Festwochen.[51]
Technik und Innovation
Seit 2019 entwickelt Oliver Proske gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen und Programmierern für das Ensemble digitale Bühnentechnologien mit Fokus auf Kameratracking, Augmented Reality und Künstlicher Intelligenz.[52][53] Diese wurden regelmäßig in Laboren gemeinsam mit dem Ensemble getestet und weiterentwickelt. In Kooperation mit der HTW Berlin entstand ein KI-basiertes Kameratracking-System für Live-Bühnenaufführungen, das eine automatisierte Kameranachführung und kamerabasierte Nahaufnahmen unterstützt.[54][55]
Pädagogische Arbeit
Im Umfeld der Uraufführung des Staged Concerts Lost in Loops (Konzerthaus Berlin, 2023) realisierte die Kompanie ein Vermittlungsprojekt mit Schülern und Schülerinnen der SchuleEins (Berlin-Pankow).[56][57][58]
Für die Produktion Ein Volksbürger (2024) entstand begleitend Unterrichtsmaterial (Toolkits) für den Schulunterricht.[59] Das Projekt wurde von der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) gefördert[59][60] und wird in parlamentarischen Unterlagen im Kontext von Demokratievermittlung genannt.[60]
Die Regisseurin Nicola Hümpel vermittelt ihre Methode der „angeleiteten Improvisation“ in Lehr- und Workshopformaten an verschiedenen Ausbildungsinstitutionen, unter anderem an der Otto-Falckenberg-Schule (München) und an der Bayerischen Theaterakademie August Everding.[61] Workshops fanden zudem im Rahmen der enoa-Trainings an der Queen Elisabeth Music Chapel (Waterloo) statt.[62] Darüber hinaus ist Hümpel als Jurymitglied tätig, unter anderem für die Studienstiftung des deutschen Volkes im Bereich „Regie Musiktheater“.[63] Oliver Proske gibt Seminare und Workshops u. a. zu Bühnenbild und digitalen Verfahren.[64] Am Münchner Residenztheater leitete er 2023 einen Workshop zu Augmented Reality im Theater (u. a. Nutzung von AR-Brillen und künstlerische Anwendungen).[65] Von 2015 bis 2021 gehörte Proske dem Vorstand des Bundes der Szenografen an.[66]
Förderung
Auszeichnungen und Nominierungen (Auswahl)
- 2000: Friedrich-Luft-Preis (Nominierung) für Eggs on Earth[70]
- 2003: Friedrich-Luft-Preis (Nominierung) für Kain, Wenn & Aber[71]
- 2005: „Bestes ausländisches Gastspiel“ (italienisches Theaterjahrbuch Patalogo) für Der Familienrat[71]
- 2007: Wo Du nicht bist. Ein Stück über das Glück in der Reihe „Inszenierungen in der Diskussion“ des Berliner Theatertreffens[72]
- 2011: George-Tabori-Preis[73]
- 2016: Konrad-Wolf-Preis (Nicola Hümpel)[74]
- 2021: Opus Klassik (Nominierung) für Force & Freedom[75][76]
- 2022: Aurea Award (Nominierung) für die AR-Loopmachine[77]
- 2025: Ein Volksbürger in der Reihe „Inszenierungen in der Diskussion“ des Berliner Theatertreffens[78]
Inszenierungen (Auswahl)
- 1998 Ich war auch schon einmal in Amerika[79]
- 1999 Lucky Days, Fremder![80]
- 2000 Eggs on Earth[81]
- 2001 Lilli in Putgarden[82]
- 2002 Der Familienrat[71]
- 2003 Kain, Wenn & Aber[71]
- 2004 HELden & KleinMUT[71]
- 2006 Wo Du nicht bist[83]
- 2007 Niels Arms and Songs[84]
- 2008 Obwohl ich dich kenne[85]
- 2009 Anæsthesia; Ombra & Luce[86][84]
- 2010 Orlando[87]
- 2011 Cantatatanz; Petite messe solennelle[88][89]
- 2012 Angels’ Share; Mahlermania[90][91]
- 2013 Shakespeare’s Sonnets – Hate me when thou wilt[92]
- 2014 Die Befristeten[93][94]
- 2015 Die Stunde da wir zu viel voneinander wussten[95][96]
- 2016 Reigen[32]
- 2017 Silent Songs into the wild; Im Gegensatz zu dir[97][98]
- 2018 Muss es sein? Ja, es muss sein!; Die Zukunft von gestern[99][100]
- 2019 Niemand stirbt in der Mitte seines Lebens; Verrat der Bilder[101][102]
- 2020 Der Barbier von Sevilla; FAITH TO FACE – Puccinis Suor Angelica; Force & Freedom; JETZT – Muss es sein? Es muss sein![103][104][27]
- 2021 Empathy for the Devil[105]
- 2022 Du musst Dein Leben rendern!; Fleisch und Geist[106][107]
- 2023 Lost in Loops; Wasted Land[57][108]
- 2024 Ein Volksbürger; POST.KAFKA; The Whole Truth about Lies[109][110][111]
- 2025 Quartett zum Quadrat[112]
Digitale Formate (Auswahl)
Projekte an der Otto-Falckenberg-Schule (Kooperation)
Projekte an der Theaterakademie August Everding (Kooperation)
- 2015 Silent Songs Werkstatt[123]