Nicolás Maduro

venezolanischer Präsident From Wikipedia, the free encyclopedia

Nicolás Maduro Moros [nikoˈlas maˈduɾo ˈmoɾos] (* 23. November 1962 in Caracas) ist ein venezolanischer Politiker der Vereinigten Sozialistischen Partei. (2013–2026) war er Staatspräsident Venezuelas. Davor war er Außenminister (2006–2013) und ab Oktober 2012 Vizepräsident. Maduro regierte mit einer autoritären Politik als Diktator; er versuchte, das gewählte Parlament abzusetzen, und betrieb offen Wahlfälschung. Ihm wurde zudem korruptes Verhalten vorgeworfen. Die Vereinten Nationen werfen Maduro Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor.

Nicolás Maduro (2023)
Unterschrift von Nicolás Maduro
Unterschrift von Nicolás Maduro

Im Rahmen des Konflikts mit den Vereinigten Staaten (USA) wurden Maduro und seine Frau am 3. Januar 2026 völkerrechtswidrig bei einer US-Militäroperation entführt und in den USA vor Gericht gestellt. Seine Amtsgeschäfte als Präsident wurden auf Vizepräsidentin Delcy Rodríguez übertragen.

Leben

Frühe Jahre

Maduro wurde 1962 als Sohn einer kolumbianischen, katholischen Mutter in Caracas geboren. Sein Vater, Nicolás Maduro García, dessen Familie von sephardischen Juden aus Curaçao abstammte, war Mitbegründer der sozialdemokratischen Partei Demokratische Aktion (Acción Democrática, AD) und flüchtete vor der diktatorischen Militärregierung von Marcos Pérez Jiménez, distanzierte sich aber in den 1960er Jahren von der AD.[1] 1967 wurde der fünfjährige Nicolás Maduro Junior von seinen Eltern auf das Treffen der Wahlbewegung des Volkes (MEP, einer linken Abspaltung der AD) mitgenommen und ein Jahr später zu den großen öffentlichen Aktionen zur Unterstützung der Präsidentschaftskandidatur von Luis Beltrán Prieto Figueroa.

Er arbeitete in der Sozialistischen Liga mit und war in deren nationalem Führungsgremium ebenso aktiv wie im Regionalkomitee von Caracas, zeitweise auch als Leibwächter für politisch aktive Genossen wie den Anwalt und Journalisten José Vicente Rangel, als dieser im Jahr 1983 kandidierte.[2] 1986 besuchte er mit anderen linken Aktivisten für ein Jahr politische Schulungskurse in der Escuela Nacional de Cuadros Julio Antonio Mella auf Kuba, was durch ein Stipendium der Sozialistischen Liga ermöglicht wurde. Nach seiner Rückkehr aus Kuba wurde Maduro Mitbegründer der neuen Gewerkschaft des öffentlichen Personennahverkehrs von Caracas SITRAMECA, in deren Gremien er auch gewählt wurde. Er war 1991 Busfahrer für die staatseigene Metro Caracas.[3] Parallel zur Gewerkschaftsarbeit für SITRAMECA war Maduro Mitglied in der von Hugo Chávez gegründeten Bolivarianischen Revolutionsbewegung. Seine Freundschaft zu Chávez reicht in die Jahre zurück, als Maduro sich mit Cilia Flores, einer Anwältin und seiner späteren Frau, für die Freilassung des inhaftierten Chávez einsetzte, der nach dem fehlgeschlagenen Putschversuch vom Februar 1992 gegen Präsident Carlos Andrés Pérez (1922–2010) zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt worden war. Zwischen 1994 und 1997 war Maduro Mitglied der Nationaldirektion der Bolivarianischen Revolutionsbewegung. Maduro teilt die Ausrichtung auf Russland, die Chávez in Ablehnung der USA eingenommen hatte.[4]

1997 gehörte er neben Hugo Chávez zu den Mitbegründern der Bewegung für eine Fünfte Republik (Movimiento Quinta República, MVR) und wurde als deren Kandidat bei der Wahl zur konstituierenden Nationalversammlung 1998 erstmals zum Abgeordneten gewählt. Bei den Wahlen zur Nationalversammlung von 2000 und 2005 wurde Maduro wiederum zum Abgeordneten gewählt und vertrat die Interessen der MVR des Wahlkreises Distrito Capital. Von 2000 bis 2001 war er zunächst Vorsitzender der Fraktion des MVR in der Nationalversammlung sowie bis 2003 Vorsitzender des Ausschusses für die Entwicklung der sozialen Integration. Die Parlamentswahl am 4. Dezember 2005 wurde von der Opposition boykottiert. Sie befürchtete Manipulation der Wahlcomputer; die PSUV bekam eine hohe Mehrheit. Maduro wurde zum Sprecher der Nationalversammlung gewählt und hatte dieses Amt bis August 2006 inne. Nachfolgerin als Sprecherin des Parlaments wurde seine Ehefrau Cilia Flores. Ihr wird Vetternwirtschaft vorgeworfen.[5]

Als Außenminister

Maduro (ganz links) auf einer Konferenz der Lateinamerikanischen Integrationsvereinigung in Uruguay (2011)

Am 9. August 2006 wurde Maduro von Präsident Chávez zum Außenminister ernannt. Im September 2006 kam es zu Verstimmungen in den Beziehungen zu den USA, als Maduro nach einer Rede vor der UN-Generalversammlung vor dem Rückflug nach Venezuela auf dem Flughafen New York von Sicherheitsbeamten „schikaniert“ wurde. Die US-Regierung entschuldigte sich später dafür.[6] Im Oktober 2007 hielt er eine weitere Rede vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York, in der er die Situation seines Landes, den internationalen Terrorismus und den Irakkrieg thematisierte und hauptsächlich die USA kritisierte.[7]

In einem Interview äußerte er im Januar 2009 seine Ansichten zur globalen Wirtschaftskrise sowie der Situation Amerikas und Europas.[8] Er warnte davor, nach dem „Zusammenbruch des neoliberalen Paradigmas“ die Fehler bei der Bewältigung der europäischen Finanzkrise zu wiederholen, die Lateinamerika in seiner Geschichte bereits begangen hat. Die Verstaatlichung von Banken in den USA und die Debatte um Verstaatlichungen in Europa seien ein Beispiel dafür. Maduro forderte, dass die „Verschwörungen und Komplotte“ gegen die demokratisch gewählten Präsidenten Lateinamerikas ein Ende haben müssten. Es dürfe keinen Putschversuch mehr geben, wie er 2002 gegen Präsident Chávez unternommen wurde, und keine Verschwörungen, wie sie gegen Boliviens Präsidenten Evo Morales geschmiedet wurden. Lateinamerika habe sich für immer verändert, und diese Einsicht müsse sich auch in Washington durchsetzen, sonst würden die USA noch mehr in die Isolation geraten, als sie es ohnehin schon seien.

Im Januar 2009 kam es zu einer Belastung der diplomatischen Beziehungen zu Israel. Nachdem Venezuela wegen der Militäroffensive (Operation Gegossenes Blei) der israelischen Streitkräfte im Gazastreifen israelische Diplomaten ausgewiesen hatte, ordnete die israelische Regierung die Ausweisung des venezolanischen Botschafters und seines Stabes an. In einem Interview mit dem Fernsehsender Al Jazeera führte Maduro zur Ausweisung des venezolanischen Botschafters durch Israel aus:

„Die Antwort des Staates Israel ist schwach, verspätet und in jeder Art für uns eine Ehre. Wir sind stolz, dass der heute existierende Staat Israel, der von diesen Kriminellen geführt wird, diese Entscheidung getroffen hat.“[9]

Im Juli 2009 gehörte er zu den Vermittlern in der honduranischen Verfassungskrise.

Präsidentschaft

Machtübernahme 2013 und erste Jahre seiner Präsidentschaft

Am 11. Oktober 2012 ernannte Chávez nach seiner Wiederwahl Nicolás Maduro zum Nachfolger von Elías Jaua im Amt des Vizepräsidenten.[10] Am 16. Januar 2013 ersetzte Elías Jaua Nicolás Maduro im Amt des Außenministers. Nach dem Tod von Hugo Chávez wurde Maduro am 8. März 2013 als Interimspräsident vereidigt. Er forderte rasche Neuwahlen,[11] deren Termin am 9. März auf den 14. April 2013 festgelegt wurde. Während des Wahlkampfes wurden Opposition und Medien erheblich eingeschüchtert und behindert.[12][13]

Nach Angaben der Wahlbehörde gewann Maduro die Präsidentschaftswahl am 14. April 2013 nur knapp mit 50,66 Prozent der Stimmen gegen seinen konservativen Herausforderer Henrique Capriles (49,06 %).[14] Die Opposition beklagte zahlreiche Unregelmäßigkeiten bei der Wahl, wie nicht geheime und doppelte Stimmenabgaben und Einschüchterung der Wähler. Die von den Chavistas kontrollierte Wahlbehörde lehnte jedoch eine über eine Stimmenauszählung hinausgehende Überprüfung der Wahl ab und erklärte das Ergebnis für gültig.[15] Maduro übernahm einen Staat, dessen Erträge zu 95 Prozent vom Erdölverkauf abhingen und der über keine anderen Reserven verfügte.[16]

Maduro bot dem Whistleblower Edward Snowden im Juli 2013 Asyl an.[17][18] Ende September 2013 ernannte Nicolás Maduro den Neffen seiner Frau, Carlos Erick Malpica Flores, zum Schatzmeister der Republik.[19] Maduro forderte das Parlament auf, ihm mehr Macht im Kampf gegen Korruption zu übertragen.[20] Während einer beginnenden Wirtschaftskrise ließ Maduro im November 2013 alle Geschäfte der Elektrowarenkette Daka besetzen. Dabei wurden die Ladenbesitzer verhaftet und die Läden von Passanten geplündert.[21] Aufgrund der Krise erhielt Maduro Sondervollmachten. Demnach sollte er ein Jahr lang Gesetze ohne die Zustimmung des Parlamentes in Kraft setzen dürfen.[22] Nach einem Stromausfall in Venezuela machte Maduro die Opposition dafür verantwortlich und sprach von Sabotage.[23] Schon im Februar 2014 kam es zu Protesten gegen die hohe Kriminalität, die Warenknappheit und die steigenden Preise in Venezuela. Sechs Demonstranten wurden bei den Krawallen getötet. Maduro beschuldigte indessen den ehemaligen Präsidenten von Kolumbien Alvaro Uribe, die Opposition zu finanzieren und zu kontrollieren.[24] Im November 2014 betrug die Zustimmung zu Maduros Politik in der Bevölkerung noch 24,5 Prozent.[25] Im weiteren Verlauf des Jahres 2014 sank der Ölpreis. Venezuela verlor durch sinkende Einnahmen die Fähigkeit, die Versorgung des Landes durch Importe zu gewährleisten.[26]

Bei den Parlamentswahlen in Venezuela 2015 erhielt die Opposition zwei Drittel der Mandate. Maduro regiert seitdem mit Notverordnungen. Die Versorgungslage im Land wurde immer prekärer. „Maduro-Diät“ nannten die Venezolaner die steigende Mangel- und Unterernährung.[27] Laut einer Umfrage haben drei Viertel der Venezolaner im Jahr 2016 im Schnitt acht Kilogramm Körpergewicht verloren.[28]

Abberufungsreferendum 2016

Demonstranten fordern ein Referendum über die Abberufung von Präsident Maduro (Oktober 2016)

Im März 2016 befürworteten zwei Drittel der Venezolaner in einer Umfrage des Verteidigungsministeriums die Absetzung Maduros.[29] Anfang Mai 2016 wurde von der Opposition das Abberufungsreferendum gestartet. Im Juli 2016 wurde von offizieller Seite bekannt gegeben, dass mit 399.412 gültigen Unterschriften ausreichend Unterstützer für die erste Runde des Referendums vorliegen. Dabei musste in allen Bundesstaaten mindestens ein Prozent der Wahlberechtigten erreicht werden. In der zweiten Runde müssen laut Verfassung innerhalb von drei Tagen 20 Prozent der Wahlberechtigten (ca. vier Millionen Venezolaner) unterschreiben. Gelingt dies, muss der Text des Referendums bald umgesetzt werden; der Präsident wird abgesetzt.

Bis zum 10. Januar 2017 mussten danach gemäß Verfassung Neuwahlen abgehalten werden, nach diesem Datum wäre Maduro von seinem Vizepräsidenten, dem Sozialisten Aristóbulo Istúriz, ersetzt worden, da es im Falle eines erfolgreichen Abwahlreferendums keine Neuwahlen gibt, falls zum Zeitpunkt eines erfolgreichen Referendums der aktuelle Präsident nicht mehr länger als zwei Jahre im Amt wäre.[30][31] Der nationale Wahlrat von Venezuela setzte das Datum auf Februar 2017 fest und stellte zudem die verfassungswidrige Hürde auf, dass das Quorum von 20 Prozent in allen Staaten erreicht werden müsse.[32] Auch die Regionalwahlen von Ende 2016 wurden vom Regime von Maduro verschoben.[33] Die Nationalversammlung bezeichnete mit breiter Mehrheit die spätere Absetzung des Referendums durch den Nationalen Wahlrat wegen Ungültigkeitserklärungen der ersten Unterschriftenrunden durch regimetreue Gerichte in einer Resolution als „Zusammenbruch der Verfassungsordnung“, was einem „Putsch des Maduro-Regimes“ gleichkomme.[34]

Ende Oktober 2016 eröffnete das Parlament ein politisches Verfahren wegen des Verdachts auf „Verfassungsbrüche, Menschenrechtsverletzungen, Angriffe auf die Demokratie und die wirtschaftliche Krise“ gegen Maduro. Er wurde aufgefordert, am 1. November im Parlament Fragen zu beantworten und zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen. Das Parlament setzte auch einen Untersuchungsausschuss ein.[35] Im Dezember 2016 erklärte das Oberste Gericht einen Vorstoß des Parlaments, das eine Amtsenthebung gefordert hatte, für verfassungswidrig.[36] Zu dieser Zeit hatten sich in einer Meinungsumfrage 80 Prozent der Venezolaner für eine Absetzung Maduros ausgesprochen.[37] Am 9. Januar 2017 erklärte das Parlament den Präsidenten für abgesetzt, da er seine verfassungsmäßigen Pflichten nicht erfülle, also in der Krise „abwesend“ sei. Man hoffe auf Neuwahlen. Auch weil sich das Verfassungsgericht präsidententreu verhielt, hatte das Votum keine Auswirkungen.[38]

Entmachtung des Parlaments 2017

Am 29. März 2017 hob das Maduro-treue Oberste Gericht die Immunität aller Parlamentarier auf,[39] entzog dem Parlament alle Kompetenzen und übertrug sie sich selbst. Zwei Tage später bezeichnete die Generalstaatsanwältin Luisa Ortega dieses Vorgehen als Verfassungsbruch.[40] Am 1. April wurde die Entscheidung rückgängig gemacht. Unklar war, auf wessen Veranlassung das Gericht so gehandelt hatte.[41] Der internationale Druck war dementsprechend groß. Tatsächlich hatte das Oberste Gericht die Funktion der Legislative ausgeübt, womit die Gewaltentrennung aufgehoben war. Präsident Maduro wollte ohne Konsequenzen zur Normalität zurückkehren,[42] die Opposition verlangte die Absetzung der Richter.[43] OAS-Generalsekretär Luis Almagro verurteilte Maduros autoritären Regierungsstil. Venezuelas Mitgliedschaft im Mercosur war bereits im Dezember 2016 suspendiert worden. Die Vollmachten, die das Gericht gleichzeitig an Maduro übertragen hatte, blieben jedoch bestehen, so dass Maduro eigenständig Verträge des staatlichen Ölkonzerns PDVSA mit anderen Firmen aushandeln konnte.[44]

Staatlicher Personenkult in Venezuela: Neu gebaute Sozialwohnungen mit Maduros Unterschrift sowie Porträts von Chávez und Maduro an der Außenseite des Gebäudes (2017)

Als die Sozialisten den Rückhalt in der Bevölkerung zu großen Teilen verloren hatten, sollte im Jahr 2017 als letztes Bollwerk gegen die Entmachtung von Maduro eine verfassunggebende Versammlung die „Errungenschaften der bolivarischen Revolution in der Verfassung verankern“. Die Kompetenz zur Einberufung lag allerdings gemäß Verfassung beim Volk; auf eine solche Volksbefragung zur Einleitung der Einberufung wurde verfassungswidrig verzichtet. Die Opposition boykottierte deren Wahl (wegen der im Voraus selektierten Kandidaten); die Chavisten bezeichneten die „Wahl“ als „Sieg“.[45] Mitglieder der über dem Parlament stehenden Versammlung sind unter anderen auch Maduros Ehefrau Celia Flores und sein Sohn Nicolás junior.[46] Maduro regiert mit Dekreten und Sondervollmachten.[47]

Auch die Generalstaatsanwältin Luisa Ortega Díaz hat dieses Vorgehen für verfassungswidrig erklärt. Sie wurde daraufhin auf illegalem Weg ihres Amtes enthoben: das eigentlich dafür zuständige Parlament stimmte dagegen. Sie floh nach fadenscheinigen Anklagen außer Landes. Sie erklärte im Oktober 2017, ausreichend Beweise für Tötungen und Menschenrechtsverletzungen zu besitzen, die Präsident Maduro vor den internationalen Strafgerichtshof bringen könnten. Sie habe keine politischen Ambitionen, sie wolle nur Gerechtigkeit und die demokratischen Institutionen in ihrem Land wiederherstellen.[48]

Wahl 2018

Kritiker bilanzierten im Februar 2018, Maduro sei während seiner fünfjährigen Präsidentschaft nicht ein einziges der Probleme angegangen, die er zu Beginn von seinem Vorgänger geerbt habe.[26] Am 27. Februar 2018 schrieb er sich vielmehr als Kandidat für die vom Herbst 2018 auf April 2018 vorverlegte Präsidentenwahl ein.[49] Weil die Opposition die Regionalwahl boykottiert hatte, hätten sich die wichtigsten oppositionellen Parteien neu einschreiben müssen. Der Termin dafür war jedoch gleichzeitig nach hinten verschoben worden, womit eine Teilnahme der wichtigsten Kandidaten ausgeschlossen war.[50][51] Diese Abstimmung wurde jedoch aufgrund mutmaßlicher Wahlfälschung von den meisten westlichen Staaten, darunter den USA, den Mitgliedern der Europäischen Union und der Mehrheit der Staaten des amerikanischen Kontinents, nicht anerkannt;[52] obwohl manche internationale Wahlbeobachter die Wahl generell als legitim bezeichneten.[53][54][55] So schrieb beispielsweise die kanadische Delegation, dass sie vom Wahlprozess „beeindruckt“ war, und bezeichnete die Wahl als „transparent, sicher, demokratisch und ordnungsgemäß“.[53] Nachdem er schon seit 2017 das Parlament umgangen hatte, legte er den Amtseid nicht, wie von der Verfassung vorgeschrieben, vor dem Parlament ab.[56]

Am 4. August 2018 kam es während einer Militärparade in Caracas zu einem Zwischenfall. Die Regierungsseite sprach von einem Anschlag mit sprengstoffgefüllten Drohnen auf Maduro, bei dem sieben Soldaten verletzt worden seien. Die Feuerwehr sprach hingegen von einer Gasexplosion in einer nahegelegenen Wohnung,[57] auch eine Inszenierung wurde vermutet:[58] Eine bislang unbekannte „Nationale Bewegung der Flanell-Soldaten“ wollte sich im Internet zu dem „Anschlagsversuch“ bekennen. Maduro erklärte nur wenige Stunden nach dem Zwischenfall in einer Fernsehansprache, dass ein Anschlag auf ihn durch die rechtsgerichtete Opposition verübt worden sei, und beschuldigte den Staatspräsidenten Kolumbiens, Juan Manuel Santos, mitverantwortlich zu sein.[59] In einer unerwarteten Wende hatte Maduro sich und die Partei Anfang August 2018 als verantwortlich für die wirtschaftliche Misere des Landes bezeichnet,[58][60] anstatt die Schuld wie üblich nach dem „Drehbuch der Sozialisten“[61] den „US-Imperialisten“ anzulasten. Die NZZ kommentierte, das Schuldeingeständnis könnte Maduro noch „um die Ohren fliegen“. Ebenso gefährlich sei ein Spiel mit dem fast kostenlosen Benzin, das Venezolaner als eine Art Naturrecht ansahen; nur noch für die Inhaber des Carnet de la Patria oder bei einer Registrierung als Autofahrer bei einer Meldestelle sollte dies so bleiben, was von der Opposition als soziale und politische Kontrolle kritisiert wurde[23][62] oder als Günstlingswirtschaft bezeichnet wurde. Der Schmuggel von Benzin war eine wichtige Einkommensquelle der Bevölkerung und korrupter Militärs geworden.

Politische Haltung zu Venezuela (schwarz), Stand März 2019
_ neutral
_ keine Stellung bezogen
_ erkennen Maduro als Präsident an
_ erkennen Guaidó als Präsident an
_ erkennen die venezolanische Nationalversammlung an

Am 15. Januar 2019 erklärte die entmachtete Nationalversammlung die Wiederwahl Maduros für unrechtmäßig und künftige Regierungsentscheidungen für nichtig.[63] Am 23. Januar 2019 erklärte sich der Präsident des Parlaments Juan Guaidó aufgrund einer Neuauslegung von Artikel 233 der venezolanischen Verfassung zum Interimspräsidenten, da kein legitimer Präsident anwesend sei. Ecuador und weitere Länder, darunter die USA, erkannten den Parlamentspräsidenten als Interimspräsidenten an, darauf brach Präsident Nicolás Maduro die diplomatischen Beziehungen zu den USA ab.[64] Im März wurde der Abbruch vollzogen. Mitte März 2019 forderte er alle Minister auf, ihre Rücktritte einzureichen, um einer Reorganisation aufgrund aller Arten von Bedrohungen des Landes zu dienen.[65]

Anfang Juli 2019 stellte Michelle Bachelet, Hohe Kommissarin für Menschenrechte der Vereinten Nationen (UN) einen Bericht mit Belegen über Folter und außergerichtliche Exekutionen in Venezuela vor. Es geht dabei vorrangig um die Praxis der Fuerzas de Acciones Especiales.[66][67][68][69] Am 26. März 2020 klagte das Außenministerium der Vereinigten Staaten Maduro an, mit Drogenkartellen zu kollaborieren, und schrieb 15 Millionen US-Dollar für Hinweise aus, die zu seiner Ergreifung führen (später auf 25 Millionen angehoben).[70][71][72] Im Mai 2020 beschuldigten Nicolás Maduro und seine Regierung die USA und das Nachbarland Kolumbien, für eine militärische Unternehmung am Anfang des Monats verantwortlich gewesen zu sein, die Maduros Sturz zum Ziel gehabt habe.[73] Nach einem im September 2020 veröffentlichten Bericht der UN über von venezolanischen Behörden und Sicherheitskräften begangene Verbrechen seit dem Jahr 2014 machten die UN Maduro für Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantwortlich.[74]

Wahl 2024, Konflikt mit den USA und Entführung 2026

Bei der Präsidentschaftswahl am 28. Juli 2024 kandidierte Maduro erneut. Er wurde vom Vorsitzenden des Wahlrats, Elvis Amoroso, zum Sieger erklärt: Er habe sich einen Stimmanteil von 51 Prozent gesichert, Oppositionskandidat Edmundo González von der Plataforma Unitaria Democrática sei auf 44 Prozent gekommen.

Die Opposition erkannte dieses offizielle Ergebnis nicht an und reklamiert den Sieg für sich, da ihr Kandidat in vorangegangenen Umfragen klar in der Führung lag und sie zudem über Unregelmäßigkeiten bei der Wahl berichtete.[75] In der Folge kam es zu Demonstrationen und Auseinandersetzungen mit der Polizei.[76] Anfang August erklärte US-Außenminister Antony Blinken, dass die USA González als Wahlsieger anerkennen.[77] González verließ Anfang September 2024 das Land und erhielt politisches Asyl in Spanien,[78] die Oppositionsführerin Maria Corina Machado tauchte unter. Am 10. Januar 2025 wurde Maduro für eine dritte Amtszeit vereidigt. Mehrere westliche Länder, auch die EU, reagierten auf die Vereidigung mit Sanktionen gegen mehrere Personen.[79] Am 20. Januar 2025, dem ersten Tag der zweiten Amtszeit von US-Präsident Trump, und im August 2025 erhöhten die USA das Kopfgeld auf Maduro auf 50 Millionen US-Dollar.[72] Das US-Justizministerium begründete dies damit, dass Maduro das Cartel de los Soles anführen soll.[80] Trump ließ im August 2025 Kriegsschiffe vor die Küste Venezuelas verlegen und eine Seeblockade einrichten. Daraufhin ließ Maduro 4,5 Millionen Reservisten bzw. Milizionäre mobilisieren. Die US-Regierung begründete ihre Maßnahmen mit der nicht enden wollenden Opioid-Epidemie in den USA und mit dem Kampf gegen lateinamerikanische Drogenkartelle. Trumps Regierungssprecherin Karoline Leavitt bezichtigte Maduro, die Vereinigten Staaten mit Drogen zu fluten. Die Blockade wird von Beobachtern als Versuch gewertet, Präsident Maduro indirekt zu stürzen.[81]

Am 21. November 2025 telefonierten Trump und Maduro miteinander; laut Reuters, The New York Times und The Miami Herald habe Maduro Trump in dem Telefonat angeboten, Venezuela zu verlassen, vorausgesetzt, er und seine Familienangehörigen erhielten eine vollständige rechtliche Amnestie, einschließlich der Aufhebung aller US-Sanktionen und die Beendigung eines Verfahrens, das der Internationale Strafgerichtshof gegen ihn eröffnete. Maduro habe außerdem um die Aufhebung von US-Sanktionen gegenüber 100 venezolanische Regierungsbeamten gebeten, die von den Vereinigte Staaten der Begehung von Menschenrechtsverletzungen, Drogenhandel und/oder Korruption beschuldigt werden. Maduro bot die Abhaltung von freien Wahlen unter der Bedingung an, dass die venezolanische Regierung die Kontrolle über die Streitkräfte behielte. Trump habe die meisten von Maduros Forderungen in dem weniger als 15 Minuten dauernden Telefonat zurückgewiesen und Maduro aufgefordert, sofort zurückzutreten. Dies habe Maduro abgelehnt. Trump habe Maduro schließlich mitgeteilt, dass dieser eine Woche, bis zum 28. November, Zeit habe, Venezuela zu verlassen und mit seinen Familienangehörigen an einen Ort seiner Wahl zu reisen.[82][83][84]

In den frühen Morgenstunden des 3. Januar 2026 wurden US-Militärschläge durchgeführt.[85] Maduro und seine Frau, Cilia Flores, wurden dabei gefangen genommen, aus Venezuela ausgeflogen und nach New York gebracht.[86][87] Maduro und seine Ehefrau sollen in New York wegen Verbrechen im Zusammenhang mit dem Drogenhandel angeklagt werden.[88][89] Die Zeit bis zum Prozess soll Maduro im Metropolitan Detention Center Brooklyn verbringen, wohin er von Beamten der Drug Enforcement Administration gebracht wurde.[90] Die Amtsgeschäfte als Präsident wurden auf die Vizepräsidentin Delcy Rodríguez übertragen.[91]

Polemiken

Maduro spricht zu Journalisten in Brasilien (2010)

Im Präsidentschaftswahlkampf 2012 sagte Maduro, der Oppositionsführer der Primero Justicia, Henrique Capriles, und Leopoldo López, der ehemalige Bürgermeister von Chacao, einem Stadtteil von Caracas, seien „sifrinitos, mariconzones y fascistas“ (deutsch „Snobs, Schwuchteln und Faschisten“). Darauf gab es heftige Proteste, und Maduro entschuldigte sich einige Tage später mit einer Erklärung.[92][93] Maduro sprach in vielen seiner Reden über „Liebe und Dienst an der Heimat“. Dies wurde mit seinem Glauben an den indischen Guru Sathya Sai Baba in Zusammenhang gebracht. Maduro und seine Frau besuchten mehrmals dessen Ashram in Puttaparthi (Indien).[94][95][96][97] Im Dezember 2012 sagte Maduro in einer öffentlichen Rede: „Oppositionspolitiker und Landesverräter müssen mit dem Hass gegen Hugo Chávez aufhören“[98] und am 5. März 2013 beschuldigte Maduro die „Feinde Venezuelas“, Chávez vergiftet zu haben.[99]

Während einer Rede am 16. März 2013 sagte Maduro, Chávez sei der unsterbliche Kommandant des Volkes.[100] Als Barack Obama die Rechtmäßigkeit der Wahl anzweifelte, sagte Maduro: „Wir verteidigen hier unsere Institutionen, den Frieden, Demokratie, die Menschen Venezuelas (…), und wir können uns mit jedem unterhalten, selbst mit dem obersten aller Teufel: Obama.“[101]

Im Jahr 2017 bezeichnete Maduro alle Organisationen, die mit der Römisch-katholischen Kirche in Venezuela in Verbindung ständen (konkret ging es um die die venezolanische Caritas), als „verseucht, vergiftet durch eine konterrevolutionäre Vision und eine dauerhafte Verschwörung“.[102] Anfang Februar 2019 bat Maduro Papst Franziskus brieflich darum, sich als Vermittler in seinem Konflikt mit den EU-Ländern, die Juan Guaidó als legitimen Interimspräsidenten anerkannt hatten, zu engagieren. Er diene der „Sache Jesu“.[103]

Das Handeln der USA wurde u. a. von Leo XIV., Pax Christi, dem Lutherischen Weltbund und der Bonhoeffer-Niemöller-Stiftung kritisiert.[104]

Strafverfolgung wegen Vorwurf des Drogenhandels

Anklage und Kopfgeld

Am 20. Februar 2020 berichtete der Schweizer Tages-Anzeiger in dem Artikel zum drohenden Berufsverbot einiger Julius-Bär-Banker, dass im Jahr 2018 bereits ein ehemaliger Banker „für die Elite Venezuelas, darunter die Stiefsöhne von Präsident Nicolás Maduro, Unsummen illegaler Gelder gewaschen“ habe und dafür in den USA zu 10 Jahren verurteilt wurde.[105] Im März 2020 warf ihm das Außenministerium der Vereinigten Staaten vor, mit Drogenkartellen zu kollaborieren, und schrieb 15 Millionen US-Dollar für Hinweise aus, die zur Ergreifung von Maduro führen.[106] Im Zentrum steht eine am 26. März 2020 in New York erhobene Anklage wegen „Narco-Terrorismus“ und Kokainschmuggels in die Vereinigten Staaten.[107] Zu einer Eskalation in der Verfolgung der nach Ansicht der USA korrupten Praktiken Maduros kam es im August 2024, als das US-Justizministerium dessen Flugzeug in der Dominikanischen Republik beschlagnahmte und es in die USA zurück überführte, nachdem festgestellt wurde, dass der Erwerb des Flugzeugs unter anderem gegen die US-Sanktionen verstoße. Nach Angaben von Generalstaatsanwalt Merrick Garland sei das Flugzeug illegal für 13 Millionen US-Dollar über eine Briefkastenfirma gekauft und aus den Vereinigten Staaten unter Verletzung bestehender Sanktionen herausgeschmuggelt worden.[108] Die US-Regierung erhöhte die Belohnung für Informationen, die zu einer Festnahme Maduros führen, am Tag seiner Vereidigung für eine dritte Amtszeit im Januar 2025 auf 25 Millionen US-Dollar[109] und verdoppelte sie im August 2025 auf bis zu 50 Millionen US-Dollar.[110][111]

Gerichtsprozess in New York City

Nachdem die USA Nicolás Maduro gefangen genommen und in die USA verbracht hatten, wurden Maduro und seine Ehefrau Cilia Flores in New York City einem Richter vorgeführt.[112] Die Staatsanwaltschaft wirft beiden in einer 25-seitigen Anklageschrift vor, für den Transport von tausenden Kilo Kokain in die Vereinigten Staaten verantwortlich zu sein.[113] Maduro und seine Ehefrau plädierten bei dem Termin auf nicht schuldig. Maduro wurde bei der Anhörung durch den Anwalt Barry Joel Pollack vertreten, der bereits für Wikileaks-Gründer Julian Assange tätig war.[114] Die Verhandlung wurde für das Ehepaar auf Spanisch übersetzt.[115] Maduro bezeichnete seine Gefangennahme als „Entführung“ und erklärte, nach wie vor rechtmäßiger Präsident Venezuelas zu sein.[116][117] Einen der zentralen Vorwürfe, Maduro würde das angebliche Drogenkartell Cartel de los Soles führen, zog das Justizministerium mit Prozessbeginn zurück und zweifelte sogar dessen Existenz an.[118]

Literatur

  • Javier Corrales: Autocracy Rising: How Venezuela Transitioned to Authoritarianism. Brookings Institution, Washington, D. C. 2023, ISBN 978-0-8157-4007-0.

Filme

Commons: Nicolás Maduro – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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