Nicolaus Comnenus Papadopoli
italienischer Kirchenrechtler und Historiker griechischer Herkunft
From Wikipedia, the free encyclopedia
Nicolaus Comnenus Papadopoli (italienisch Niccolò Comneno Papadopoli, griechisch Νικόλαος Κομνηνός Παπαδόπουλος Nikólaos Komninós Papadópoulos; * 6. Januar 1655 auf Kreta; † 20. Januar 1740 in Padua) war ein italienischer Kirchenrechtler und Historiker griechischer Herkunft.
Leben und Werk
Sein Vater war Giovanni Papadopoli, ein Notar der Republik Venedig in der Inselhauptstadt Candia, heute Iraklio (Ηράκλειο).[1]
An der Universität Padua wirkte er als Bibliothekar und gab 1726 unter dem Titel Historia Gymnasii Patavini ein zweibändiges Werk über deren Geschichte heraus. Es fand in verschiedenen Ländern wegen darin erwähnter prominenter Persönlichkeiten Aufmerksamkeit, wobei Papadopoli letztlich für seine Fehler bekannt wurde: In England interessierte man sich vor allem für seine Anekdoten aus dem Leben Oliver Cromwells. Da sich aber der (spätere) Lordprotektor nie in Italien aufgehalten hatte, muss Papadopolis’ hier einer Verwechslung aufgesessen sein oder wissentlich eine Unwahrheit verbreitet haben.

In der Geschichtsforschung Deutschlands und Polens galt lange Zeit Papadopolis Angabe, Nicolaus Copernicus habe sich zum Studium der Medizin bei der natio Polona immatrikuliert. Nach Mitte des 19. Jahrhunderts überprüften unter anderem Baldassare Boncompagni und Antonio Favaro[2] die alten Matrikel und stellten fest, dass es zu der Zeit in Padua gar keine polnische Verbindung gab, in der er sich der spätere Astronom hätte eintragen können. Damit ging die Darstellung Papadopolis als Papadopoli-Fälschung[3] in die Geschichte der Copernicus-Biografien ein. Carlo Malagola erforschte die Unterlagen der Universität Bologna und stellte fest, dass dort 1496 ein Nicolaus Kopperlingk de Thorn in den Akten der Natio Germanica verzeichnet war – was allerdings nicht beweist, wo statt bei der nicht existenten Natio Polona Kopernikus sich in Padua tatsächlich immatrikuliert hatte. Die Fehler und korrekte Belege in Deutschland ins allgemeine Bewusstsein zu bringen, war das Verdienst des Coppernicus-Biografen Leopold Prowe.
Papadopolis bekanntes Werk über Kirchenrecht sind die Prænotiones mystagogicæ ex jure canonico. Darin schrieb er über die Gültigkeit oder Ungültigkeit von Ehen orthodoxer Priester, nach der Priesterweihe eingegangene Ehen seien verboten, aber trotzdem gültig.
Literatur
- Sir James Burrow: A few anecdotes and observations relating to Oliver Cromwell and his family. J. Worrall, London 1763. (Electronic reproduction: Thomson Gale, Farmington Hills, Mich. 2003. Google Buchsuche)
- K. E. Von Moy de Sons, Fr. H. Vehring: Archiv für Katholisches Kirchenrecht. Verlag Franz Kirchheim, Mainz 1863 (Google Buchsuche)
- Christian Pletzing: „Deutsche Kultur“ und „polnische Zivilisation“ Geschichtsbilder in West- und Ostpreußen zwischen Vormärz und Kulturkampf. In: Matthias Weber: Preussen in Ostmitteleuropa: Geschehensgeschichte und Verstehensgeschichte. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 2003, ISBN 3-486-56718-7, S. 189–204.
- Stefan Kirschner, Andreas Kühne: Die Rezeption von Copernicus im Spiegel seiner Biographien. In: Rudolf Seising, Menso Folkerts, Ulf Hashagen (Hrsg.): Form, Zahl, Ordnung. Studien zur Wissenschaftsgeschichte. Festschrift für Ivo Schneider zum 65. Geburtstag. (= Boethius. Band 48). Steiner, Stuttgart 2004, S. 467–479. (Google Buchsuche)
Weblinks
- Schriften von Papadopoli im Opac des Servizio Bibliotecario Nazionale
- Normeintrag im Opac des SBN
- Prænotiones mystagogicæ ex jure canonico in der Nationalbibliothek Florenz