Niki Passath
Medienkünstler
From Wikipedia, the free encyclopedia
Leben
Passath zeichnet sich durch eine konsequent inter- und transdisziplinäre künstlerische Praxis aus. Sein Markenzeichen ist ein gattungsübergreifendes Element. In Performances, Installationen, Objekten, Zeichnungen und Malerei verschmelzen Disziplinen und Methoden unterschiedlicher Kunstgattungen. Ergänzt wird dies durch den Einsatz technologischer Verfahren aus Robotik und KI-Forschung.
Ein zentraler Ausgangspunkt für seinen Werdegang ist die Klassische Musik. Mit elf Jahren begann er Violoncello an der Grazer Kunstuniversität zu studieren. Zeitgleich mit der Erlangung seines Maturas 1995 endete auch seine klassische Ausbildung. Nach einem Studium der Architektur an der Technischen Universität Graz von 1995 bis 2000 absolvierte er ein Studium der Visuellen Mediengestaltung und Digitaler Kunst an der Universität für Angewandte Kunst in Wien, in den Klassen von Karel Dudesek, Thomas Fürstner und Peter Weibel welches er 2004 mit einem Diplom der Digitalen Kunst abschloss.
In den Jahren 2004–2017 hatte Passath verschiedene Lehrtätigkeiten an der Universität für Angewandte Kunst Wien, zum einen im Bereich der Transmedialen Kunst, (unter Brigitte Kowanz) und der Digitalen Kunst (Thomas Fürstner, Virgil Widrich und Ruth Schnell).[1]
2006 erhielt er in Wien den Theodor-Körner-Preis und 2018 den Kunstförderpreis der Stadt Graz. Passath ist Mitglied des Wiener Künstlerhauses und Stipendiat des Kunstraum Steiermark (2021–2022).
Der Künstler hatte Ausstellungen im Graz Museum, Neue Galerie Graz (Universalmuseum Joanneum), MAK – Museum für angewandte Kunst, National Museum of China. Passath wird vertreten durch die Galerie Lukas Feichtner in Wien und die Galerie Heimo Bachlechner in Graz.
Werk
Passath erforscht in seiner Kunst den Menschen, seine Emotionen und sein Sozialverhalten gegenüber Maschinen sowie der umgebenden Natur. Transdisziplinär verknüpft er bildende Kunst mit Robotik und Künstlicher Intelligenz, wodurch kinetische Objekte, Skizzen, Skulpturen, Fotografien, Malerei und Performances entstehen.
Mit seinen „Robotic Symbiotic Performances“ schuf er ein innovatives Konzept für Performances und Malerei, das durch ein starkes performatives Element geprägt ist. Hier entstehen in symbiotischer Interaktion zwischen Künstler und selbstgebauten kinetisch-robotischen Objekten abstrakte „Robotic Symbiotic Paintings“. Der Roboter zeichnet in einem körperlich-dynamischen Prozess Spuren seiner Existenz und seines schöpferischen Potenzials – eine Auseinandersetzung damit, wann künstliche Intelligenz zu künstlerischer Intelligenz wird.[2]
Bei Passaths Malaktionen kommen oft Roboter aus einfachen Materialien wie Holz oder Draht zum Einsatz, die sich über die Leinwand bewegen, mit Pinseln Farbe verteilen und dabei Farbschichten verwischen sowie Reifenspuren hinterlassen. Er steuert die Bewegungen durch Programmierung, Fernbedienung oder vorgegebene Linien. So entsteht ein Bild in symbiotischer Zusammenarbeit von Mensch und Maschine. Demnach stellt sich die Frage nach der Urheberschaft des Werkes.
2021 erschien im Klingenbergverlag „Niki Passath – Performative Malerei Werkverzeichnis 2014 bis 2020“, von der Kunsthistorikerin Elisabeth Saubach. Das Verzeichnis rückt Passaths Werk erstmals in größerem Maße in das Umfeld kunsthistorischer Betrachtung.
Er selbst sagt über seine Kunst und seine Arbeitsweise:
„Jahrelang wurde mir immer gesagt, dass Medienkünstler nicht malen. Solche Dogmen zweifle ich stark an. Ich sehe nicht ein, warum es hier Grenzen geben sollte. Deshalb hinterlassen meine Roboter Farbspuren. Das Weltbild muss nicht immer so strikt definiert sein, gerade die Übergänge sind das Interessante“[3]
Los Dadores de Dolor
„Los Dadores de Dolor“ ist ein Künstlerkollektiv, das Niki Passath zusammen mit Arnold Reinisch und Jani W. Schwob bildet. Es wurde speziell für das Platforms Project – Independent Art Fair in Athen gegründet, wo die Gruppe erstmals eine Performanceausstellung mit dem Namen „Augmented Circumstances“. realisierte.[4] Die Gruppe debütierte 2018 mit 15 Performances im Rahmen des Festivals in Athen. Es folgten Performances im Rahmen des Ausstellungsstandes der Kunsthalle Graz bei der 2019er Ausgabe der Stockholm Independent Art Fair (4.–7. April 2019).[5] Für die Stockholmer Supermarket Art Fair wurde das Projekt folgendermaßen ausgebaut: Zeichnungen von Jani W. Schwob trägt ein von Niki Passath konzipierter Tätowierroboter auf Objekte mit hautähnlicher Oberfläche von Arnold Reinisch auf. Ergänzt wird dies durch die entstandenen Werke sowie künstlerische Ergebnisse und Videodokumentationen früherer Performances des Kollektivs. Später traten sie bei der The Others Artfair in Turin auf (3.–6. November 2022).
Werke
Zu Passaths wichtigsten Werken gehört die Tätowiermaschine KURT, die er 2002 im Rahmen seines Studiums entwickelte. Sie hinterfragt technizistische Körpervorstellungen durch Symbiose von organischem und maschinellem Körper. Der Roboter tätowiert algorithmisch-physische Zeichnungen direkt in die Haut des Künstlers und wurde erstmals 2004 bei Art Position in der Ottakringer Brauerei, Wien, ausgestellt. Bei späteren Performances, etwa im Rahmen des Platforms Project 2018 (Athen) oder der Ausstellung Ästhetik der Veränderung. 150 Jahre Universität für angewandte Kunst Wien (Uni für angewandte Kunst Wien / MAK, 2017/2018) kam KURT ebenfalls zum Einsatz.[6]
Sein Werk if you could see what i have seen with your eyes aus dem Jahr 2022 ist aktuell Teil der Ausstellung The Story That Never Ends. The ZKM Collection, im Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe.[7]
Schriften (Auswahl)
- Thinking Like a Machine. An artists journey into robotics. Walter de Gruyter, Berlin/Boston 2017, ISBN 978-3-11-054379-7 doi:10.1515/9783110543797.
Literatur
- Elisabeth Saubach: Niki Passath – performative Malerei: Werkverzeichnis 2014 bis 2020. Verlag Klingenberg, Graz 2021, ISBN 978-3-903284-11-1.
- Gerald Bast, Anja Seipenbusch (Hrsg.): 150 Jahre Universität für angewandte Kunst Wien Ästhetik der Veränderung. Walter de Gruyter, Berlin/Boston 2017, ISBN 978-3-11-052517-5.
Weblinks
- Niki Passath auf der Webseite des ZKM: zkm.de
- Literatur von und über Niki Passath im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek: portal.dnb.de
- Webseite von Niki Passath: nikipassath.art
- WordPress Website von Niki Passath: nikipassath.wordpress.com
- „Los Dadores de Dolor“: nikipassath.wordpress.com