Nikolaus IV. Esterházy de Galantha
Adliger in Österreich und Ungarn
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Fürst Nikolaus IV. Esterházy de Galantha (* 5. Juli 1869 in Wien; † 6. April 1920 in Sopron, Ungarn) war ein Großgrundbesitzer aus der Adelsfamilie Esterházy. Er führte seine Familie aus der Finanzkrise und erlebte das Ende der Doppelmonarchie.



Leben
Nikolaus IV. war der Sohn von Fürst Paul IV. 1888 beginnt er ein Studium der Staatswissenschaften, welches er mit den Doktorat abschließt. Von 1896 bis zu seinem Herrschaftsantritt wirkt er als kaiserlich-königlicher Kämmerer am Hofe Kaiser Franz Josephs I. in Wien und Budapest.[1]
Nikolaus übernahm das Majorat im Jahre 1898 von seinem Vater, der dieses gerade mal vier Jahre innegehabt hatte.
Gleich nach Amtsantritt kümmerte er sich mit Unterstützung seiner Gattin darum, die vom Kaiser vermittelte Sequestration (Zwangsverwaltung), die ausufernde Finanzkrise, die durch den extensiven Lebensstil von Nikolaus II. entstanden war, zu tilgen. Durch starke Reformen schaffte es Paul IV., die maroden Finanzen des Fürstenhauses zu konsolidieren und die Schuldenlast abzuschütteln. Zugleich entstand aus der Esterházy´schen Domäne ein landwirtschaftlicher Musterbetrieb mit Kranken- und Altersversorgung für bis zu 6.000 Menschen.[1]
Doch wie bei jeder Finanzreform im Hause Esterházy litt das Mäzenatentum sehr darunter. Vor allem die Schlösser der Familie waren stark in Mitleidenschaft gezogen, allen voran das Schloss Esterházy (auch Esterháza) bei Fertőd. Erst nach der allgemeinen Konsolidierung der Familienfinanzen konnten die Schlösser weitgehend restauriert werden. Vor allem seine Gattin schätzte Esterháza sehr, weswegen der Fürst später auch dort gemeinsam mit ihr seine letzte Ruhe finden sollte.
Kurz nach seiner Ernennung zum Oberhaupt der Familie erhielt auch er, wie fast jeder esterházysche Fürst, im Jahre 1903 vom Kaiser den Orden vom Goldenen Vlies verliehen. 1912 wird er Oberstmundschenk des Königreiches Ungarn.[1]
Die schwerste Zeit für Fürst Nikolaus begann mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges und dem damit zusammenhängenden Untergang der Monarchie. Als die Monarchie im Jahre 1918 zusammenbrach, wurde der Fürst schwermütig. Vor allem machte er sich Sorgen um die zukünftige Verwaltung seiner Domänen, die nun in den neu entstandenen Staaten Österreich, Ungarn und der Tschechoslowakei verstreut waren und durch die neu gezogenen Staatsgrenzen auseinanderzubrechen drohten.
Obwohl an sich dem Kaiserhaus zutiefst verbunden und politisch wenig versiert, war Nikolaus im Jahr 1919 Teil der von Kardinal Csernoch und weiteren Magnaten angeführten ungarischen Delegation, welche Kaiser und König Karl I. auf Schloss Eckartsau aufsuchte, um diesen dazu zu drängen, auf die Krone Ungarns zu verzichten. Über die Motive des an sich menschenscheuen Fürsten kann nur gemutmaßt werden, vermutlich war die Sorge um die innere Sicherheit Ungarns, und damit seiner Domänen, ausschlaggebend für dieses Abenteuer.[2]
Der von Natur aus introvertierte und weltfremde Fürst, der nach wie vor um seine Früh verstorbene Ehefrau trauerte, wurde durch diese Einschnitte melancholisch und schwermütig. Im Jahre 1920 erlitt er einen Reitunfall, welche zu einer Gehirnblutung führte, an deren Folgen Fürst Nikolaus IV. in seinem Stadtpalais in Sopron (Ödenburg) verstarb.[1]
Nikolaus IV., seine Ehefrau Margit († 1910), ihr Sohn Anton († 1944) und weitere Familienangehörige sind im Esterházy’schen Familienfriedhof Fertőd bestattet, der sich in einem kleinen Park rund zwei Kilometer nordöstlich des Schlosses Esterházy befindet (Position: 47° 38′ 8,1″ N, 16° 53′ 4,8″ O). Er ist damit der bisher einzige Fürst Esterházy, der nicht in der Familiengruft im Franziskanerkloster St. Michael in Eisenstadt begraben wurde.
Ehe und Nachkommen

Am 16. November 1898 ehelichte er Gräfin Margit Maria Ludovika Cziráky von Czirák und Dénesfalva (1874–1910). Das Paar hatte neben dem Nachfolger Paul (V.) noch zwei weitere Söhne: Anton (1903–1944) und Ladislaus (1905–2000).
Literatur
- Hanna Molden: Greif und Rose. Geschichte eines Fürstenpaares. Europa Verlag, München/Wien 1998, ISBN 978-3-203-80005-9.