Nirmal Purja
nepalesischer Bergsteiger und ehemaliger Soldat
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Nirmal Purja MBE (war als Nims oder Nimsdai Purja bekannt; * 25. Juli 1983 in Myagdi, Nepal; † 30. Juli 2026 am Broad Peak, Pakistan) war ein nepalesisch-britischer Bergsteiger und ehemaliger Soldat der Brigade der Gurkhas sowie des Special Boat Service, einer Eliteeinheit der britischen Royal Navy. Purja starb im Juli 2026 bei einem Lawinenabgang am Broad Peak.[1]

Werdegang
Purja wurde in einem kleinen, auf etwa 1600 m Höhe gelegenen Dorf im Distrikt Myagdi geboren und gehörte zum nepalesischen Volk der Magar.[2] Er stammt aus einer Familie mit Gurkha-Tradition; bereits sein Vater und seine älteren Brüder dienten als Soldaten.[2]
Zwischen 2003 und 2018 war Purja hauptberuflich Soldat; zunächst bis 2009 als Mitglied der Brigade der Gurkhas und anschließend als erster Nepalese in der maritimen Spezialeinheit der britischen Streitkräfte. Sein Interesse am Bergsteigen entwickelte er während seiner insgesamt 16-jährigen Militärlaufbahn.[2] Im Jahr 2012 wanderte er zunächst zum Basislager des Mount Everest. Statt wie geplant nach Kathmandu zurückzukehren, entschloss er sich, das Bergsteigen zu erlernen, und bestieg den 6119 m hohen Lobuche East als seinen ersten Gipfel.[2]
Bis einschließlich 2016 folgten weitere Aufstiege, unter anderem auf den Dhaulagiri und den Mount Everest. 2017 führte Purja eine Expedition zu Ehren des zweihundertjährigen Jubiläums der Gurkhas auf den Gipfel des Mount Everest an. Für seine bis dahin erbrachten Leistungen wurde er am 9. Juni 2018 in den Order of the British Empire aufgenommen.
Project Possible 14/7

Im Rahmen des von ihm geleiteten und größtenteils selbst finanzierten Project Possible 14/7 bestieg Purja zusammen mit vier festen Sherpas – Mingma Gyabu „David“ Sherpa, Lakpa „Zekson Son“ Dendi, Geljen Sherpa und Tensi Kasang – sowie weiteren wechselnden Begleitern alle 14 Achttausender. Den bis dahin aufgestellten Zeitrekord der beiden Bergsteiger Jerzy Kukuczka und Kim Chang-ho, die sieben Jahre und elf Monate für alle Gipfel gebraucht hatten, wollte Purja deutlich unterbieten und alle Berge in nur sieben Monaten erklimmen. Gleichzeitig sollte die Expedition die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die Sherpas und andere nepalesische Bergsteiger lenken, die laut Purja trotz ihrer zahlreichen Leistungen im Vergleich zu westlichen Mitstreitern oft nur wenig Beachtung fänden.[3] Zur Finanzierung des Projekts nahm Purja eine weitere Hypothek auf sein Haus auf; während der Vorbereitung und Durchführung wurde er von seiner Frau Suchi unterstützt.[2]
2019 schloss Purja das Projekt erfolgreich ab und erklomm als 39. Bergsteiger alle 14 Achttausender.[4] Er schaffte dies zwischen dem 23. April und dem 29. Oktober 2019 in einer neuen Rekordzeit von 189 Tagen – sechs Monaten und sechs Tagen – mit Hilfe mindestens eines Hubschraubertransfers von Basislager zu Basislager und im hybriden Bergsteigerstil unter Verwendung von Flaschensauerstoff. Dabei gelang Purja außerdem als erstem Menschen die Besteigung des Mount Everest, des Lhotse und des Makalu in weniger als 48 Stunden. 2023 wurde dieser Rekord für die schnellste Besteigung aller Achttausender durch die Norwegerin Kristin Harila und den Nepalesen Tenjen Sherpa deutlich unterboten. Sie benötigten lediglich 92 Tage, nutzten jedoch mehrere Hubschrauberflüge für die Wege zwischen den Basislagern.[5]
Im Mai 2019 fotografierte Purja nahe dem Gipfel des Mount Everest eine lange Schlange wartender Bergsteiger; die vielfach verbreitete Aufnahme löste eine Debatte über die gefährliche Überfüllung des höchsten Berges der Erde aus.[2]
Aus Filmaufnahmen Purjas und seiner Begleiter entstand der Dokumentarfilm 14 Peaks: Nothing Is Impossible, der auf dem Streamingdienst Netflix veröffentlicht wurde.[6] Der 2021 veröffentlichte Film erhöhte Purjas internationale Bekanntheit weiter.[7] Nach dem Erfolg von Project Possible gründete Purja ein Expeditionsunternehmen und eine Marke für Bergsportbekleidung; zugleich setzte er sich verstärkt für die Anerkennung der Leistungen nepalesischer Bergführer ein.[2]
| Phase | Gipfel |
|---|---|
| 1 (April/Mai 2019) |
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| 2 (Juli 2019) |
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| 3 (September/Oktober 2019) |
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Weitere Expeditionen
Am 16. Januar 2021 gehörte Purja zu einer Gruppe von zehn nepalesischen Bergsteigern, denen die erste Winterbesteigung des K2 gelang.[15][16] Nach eigenen Angaben sei er ohne Zuhilfenahme von Flaschensauerstoff aufgestiegen.[17]
Im Mai 2022 stellte er zwei weitere Weltrekorde auf. Er bestieg den Mount Everest, den Lhotse und den Kangchendzönga ohne Sauerstoff innerhalb von 8 Tagen, 23 Stunden und 10 Minuten; für die Besteigung von Mount Everest und Lhotse benötigte er 26 Stunden.[18]
Vorwürfe sexueller Belästigung und sexueller Übergriffe
Ende Mai 2024 erhoben die auch als Model tätige finnische Bergsteigerin Lotta Hintsa sowie die US-amerikanische Ärztin April Leonardo unabhängig voneinander Vorwürfe sexueller Belästigung und sexueller Übergriffe gegen Purja.[19][7] Hintsa warf ihm vor, Purja habe 2023 in einem Hotelzimmer in Kathmandu begonnen, sie gegen ihren Willen zu entkleiden, und anschließend in ihrer Gegenwart masturbiert.[7] Leonardo erklärte, er sei während einer von Purjas Unternehmen Elite Exped organisierten K2-Expedition im Jahr 2022 in ihr Zelt gekommen und habe sie gegen ihren Willen geküsst; sie nahm als Kundin an der Expedition teil.[7]
Purja wies die Vorwürfe uneingeschränkt zurück und bezeichnete sie als diffamierend und falsch.[7] Im Anschluss distanzierten sich mehrere westliche Expeditionsveranstalter, darunter Furtenbach Adventures und Alpenglow Expeditions, öffentlich von Purja und sprachen sich für eine Nulltoleranzhaltung gegenüber sexuellen Übergriffen aus.[7] Der britische Rucksackhersteller Osprey erklärte, Purja sei nicht länger als Markenbotschafter für das Unternehmen tätig.[7] Die Vorwürfe führten zugleich zu einer breiteren Debatte über sexuelle Belästigung und die Sicherheit von Frauen im Bergsport; das auf Bergtouren für Frauen spezialisierte US-Unternehmen AWExpeditions bezeichnete den Fall als Teil eines systemischen Problems im Bergsteigen.[7]
Tod beim Lawinenabgang am Broad Peak 2026
Im Juli 2026 verfolgte Purja das Ziel, als erster Mensch alle 14 Achttausender zweimal ohne Flaschensauerstoff zu besteigen.[6] Am 21. Juli 2026 erreichte er den Gipfel des Gasherbrum II; nach eigener Zählung war dies seine 57. erfolgreiche Besteigung eines Achttausenders.[2] Vor einer Expedition nach Pakistan hatte er zunächst nur eine Besteigung des Gasherbrum II geplant, nahm dann jedoch auch den Broad Peak in das Programm auf; nach einem Erfolg dort hätte ihm für sein Vorhaben noch ein Gipfel gefehlt.[6]
Am 30. Juli 2026 erfasste gegen Mittag eine Lawine am Broad Peak die von Purja geleitete zehnköpfige internationale Expedition; anschließend bestand kein Kontakt mehr zu der Gruppe.[6] Zu ihr gehörten neben Purja fünf weitere nepalesische Bergsteiger sowie je ein Teilnehmer aus Pakistan, Oman, China und den Vereinigten Staaten.[6] GPS-Daten deuteten darauf hin, dass Purja 800 m in die Tiefe gerissen wurde.[20] Am folgenden Morgen entsandte die pakistanische Armee zwei Rettungshubschrauber, während Bergsteiger von benachbarten Bergen zur Unterstützung der Suche abstiegen.[6] Bei den Suchmaßnahmen wurden vier zunächst nicht identifizierte Leichen gefunden.[6] Am Vormittag des 1. August 2026 bestätigte Elite Exped (mitbegründet von Nirmal Purja) auf Instagram den Tod von Purja sowie aller weiteren Expeditionsteilnehmer.[21]
Werke
- Beyond Possible. One Man, Fourteen Peaks, and the Mountaineering Achievement of a Lifetime. London: Hodder & Stoughton 2020.
Deutsche Übersetzung: Jenseits des Möglichen. 1 Mann, 6 Weltrekorde, 14 Achttausender. München: Gräfe und Unzer (Polyglott) 2022. ISBN 978-3-8464-0949-7.