Nitten Ishida
japanisch-amerikanischer buddhistischer Priester
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Nitten Ishida (* 3. April 1901 in Fukuyama, Präfektur Hiroshima, Japan; † 23. April 1996 San Francisco, Kalifornien, USA)[1] war ein japanisch-amerikanischer buddhistischer Priester der Nichiren-Schule sowie Erzbischof des Nichiren Hokke Buddhist Temple in San Francisco. Darüber hinaus war er Kalligrafiemeister.[2]
Leben
Nitten Ishida war der siebte und jüngste Sohn einer Bauernfamilie. Nach seinem sehr guten Grundschulabschluss zog er nach Tokio, um am Myōju-ji-Tempel zu studieren. Dessen Vorsteher war sein älterer Bruder. Während dieser Zeit wurde er Tempelschüler und legte später die ersten Gelübde zum Priester ab. Im Jahr 1923 nahm er ein Studium an der Waseda-Universität in Tokio auf, welches er 1925 mit einem Abschluss in Politikwissenschaft und Wirtschaft beendete. Anschließend besuchte er ein theologisches Graduierteninstitut und absolvierte seinen Militärdienst, in dessen Verlauf er Offizier wurde. Mitte der 1920er Jahre kehrte er zum Tempel seines Bruders zurück und wurde von diesem für einen längeren Zeitraum nach Taiwan geschickt. Dort gründete er drei Tempel.1931 wanderte er in die Vereinigten Staaten aus und ließ sich in San Francisco nieder. Er hielt dort Vorträge und reiste entlang der Westküste. In San Francisco war er Mitbegründer des Nichiren-Tempels und begann, Kalligrafieunterricht zu erteilen. Im selben Jahr heiratete er Chiyoko Ishida (Sōren Ishida), eine Meisterin der Teeschule Omote Senke. In den 1950er Jahren wurde im Tempel ein traditioneller japanischer Teeraum eingerichtet.[2]
Zu Beginn des Pazifikkriegs sammelte Nitten Ishida gemeinsam mit anderen Gemeindemitgliedern Spenden für Japan. Nach dem Angriff auf Pearl Harbor geriet er dadurch in den Fokus der US-Behörden. Am 11. Dezember 1941 wurde er vom FBI verhaftet und in das Internierungslager des US-Justizministeriums in Fort Missoula, Montana, gebracht. Seine Frau und Kinder wurden in das Lager der War Relocation Authority in Topaz, Utah, deportiert. Nitten Ishida wurde nacheinander in mehreren Lagern festgehalten: Fort Sill (Oklahoma), Camp Livingston (Louisiana) und Santa Fe (New Mexico). Am 26. Februar 1944 wurde er in das Internierungslager Crystal City in Texas verlegt, wo er mit seiner Familie wiedervereint wurde.[2]
Nach Kriegsende stand Nitten Ishida zunächst auf einer Liste für die Deportation nach Japan. Da seine Kinder jedoch US-Staatsbürger waren, durfte die Familie in den Vereinigten Staaten bleiben. Sie zog vorübergehend in ein staatliches Wohnprojekt in Richmond, Kalifornien, wo Ishida als Gärtner arbeitete. 1947 kehrte die Familie nach San Francisco zurück, wo der Tempel nach Kriegsbeschädigungen und Plünderungen über mehrere Jahre hinweg wiederhergestellt wurde. Ishida erhielt 1953 die US-amerikanische Staatsbürgerschaft und wurde noch im selben Jahr zum Nichiren-Erzbischof für die Vereinigten Staaten ernannt. Gemeinsam mit seinem Bruder, der zu dieser Zeit Oberabt war, gründete er eine Hilfsorganisation für Japan. Sie unterstützten den Austausch junger japanischer Landwirte, die in den USA moderne Anbaumethoden erlernten. In den 1970er Jahren engagierte sich Ishida stark in der japanisch-amerikanischen Gemeinde von San Francisco (Japantown) und setzte sich für sozialen Wohnungsbau und Altenhilfe ein. Er war maßgeblich an der Gründung der Nihonmachi Terrace und des Hinode Tower beteiligt – zwei Wohnkomplexe für Senioren und einkommensschwache Bewohner. Für seine Verdienste wurde Ishida sowohl von der japanischen Regierung als auch von der Stadt San Francisco ausgezeichnet. Nitten Ishida starb am 23. April 1996 im Alter von 95 Jahren an den Folgen seiner langjährigen Parkinson-Erkrankung.[2]
Sein Enkel, der Dichter Brian Komei Dempster, veröffentlichte 2013 einen Gedichtband, in dem das Gedicht Your Hands Guide Me Through Trains Ishidas Erfahrungen während des Zweiten Weltkriegs thematisiert.[3]
Literatur
- Gordon H. Chang, Mark Dean Johnson, Paul J. Karlstrom (Hrsg.), Asian American Art: A History, 1850–1970, Stanford University Press, Stanford 2008.
- Obituary, San Francisco Chronicle, 1. Mai 1996.