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Niède Guidon

brasilianische Archäologin From Wikipedia, the free encyclopedia

Niède Guidon (* 12. März 1933, in Jaú, São Paulo, Brasilien; † 4. Juni 2025 in São Raimundo Nonato, Piauí[1]) war eine brasilianische Archäologin. Sie stand im Mittelpunkt einer wissenschaftlichen Kontroverse um den Zeitpunkt der Besiedlung Amerikas.

Niède Guidon (2013)

Lebenslauf

Guidon begann ihre akademische Karriere mit dem Studium der Biologie und der Naturwissenschaften an der Universität von São Paulo. Später studierte sie in Frankreich Ur- und Frühgeschichte. Während sie 1963 in einem Museum in São Paulo arbeitete, wurden ihr Fotografien von Felsmalereien aus São Raimundo Nonato in der Provinz Piauí vorgelegt. Sie stellten Jagd-, Sex- und Gewaltszenen dar, der Stil der Malereien unterschied sich deutlich von anderen Guidon bekannten Felsmalereien. Nachdem sie sich während der Zeit der Militärdiktatur im französischen Exil aufgehalten hatte, kehrte sie nach Brasilien zurück. Sie besuchte in den 1970ern São Raimundo Nonato und begann dort die Felsmalereien im heutigen brasilianischen Nationalpark Serra da Capivara zu erforschen. Die Serra da Capivara gilt heute als die größte Fundstelle von prähistorischen Siedlungen und Felsmalereien in Südamerika. Guidon war dort die leitende Archäologin, kündigte aber 2018 mit 85 Jahren an, nach Frankreich umzuziehen.[2] Bis heute wurden in der Serra mehr als 400 Siedlungsplätze und über 30.000 Felszeichnungen entdeckt.

Zur Datierung der Felsmalereien griff sie unter anderem auf die Altersbestimmung von nahegelegenen Feuerstellen und deren Holzkohleresten zurück.

Boqueirão da Pedra Furada

Durch Altersbestimmung der Kohlereste einer Feuerstelle an der Felswand Boqueirão da Pedra Furada im Nationalpark Serra da Capivara kam Guidon zu dem Ergebnis, dass dieses Gebiet bereits vor etwa 30.000 Jahren besiedelt gewesen sein müsse.[3] Dies widersprach der nach der Clovis-Kultur benannten Clovis-Theorie, der zufolge die Besiedlung Amerikas über die Beringstraße erst vor etwa 12.000 Jahren durch Menschen aus Sibirien erfolgt sein soll. Vertreter der Clovis-Theorie wenden ein, dass das von Guidon untersuchte Feuer auch natürlichen Ursprungs gewesen sein könnte.[4] Doch wird mittlerweile die Clovis-Theorie auch durch jüngere Funde infrage gestellt, etwa durch Funde im chilenischen Monte Verde und eine im mexikanischen Bundesstaat Oaxaca bei Santo Tomás Jalieza entdeckte Fußspur in versteinerter Vulkanasche, die zwischen 25.000 und 30.000 Jahren alt sein soll.[5]

Auszeichnungen

2005 wurde Niède Guidon mit dem Prinz-Claus-Preis geehrt.

Seit Februar 2020 war Guidon sechste Inhaberin des Stuhles 24 der Academia Piauiense de Letras.[6]

Literatur

Commons: Niède Guidon – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Interview mit Guidon (englisch)
  • John Noble Wilford: Findings Plunge Archeology of the Americas Into Turmoil. In: The New York Times. 25. Mai 2008, archiviert vom Original am 26. Mai 2008; abgerufen am 4. Juni 2025 (englisch).
  • Luis Carlos Duarte Cavalcante: Uma mulher chamada Niéde. In: Jornal da Ciência. 14. März 2005, archiviert vom Original am 24. Oktober 2007; abgerufen am 4. Juni 2025 (brasilianisches Portugiesisch).
  • Der Schatz der Serra da Capivara (Memento vom 21. Februar 2017 im Internet Archive)
  • Siedlungsgeschichte Amerikas. Sensationsfunde: Die Neue Welt ist sehr viel älter (Memento vom 20. Februar 2017 im Internet Archive). In: ZDF, 19. Februar 2017

Einzelnachweise

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