Nnena Kalu

britische Künstlerin From Wikipedia, the free encyclopedia

Nnena Kalu (* 1966 in Glasgow) ist eine britische Künstlerin. Ihre abstrakten Skulpturen entstehen aus Alltagsmaterialien wie Videoband, Kunststofffolien, Stoff- und Klebebändern sowie Karton.[1][2] Im Jahr 2025 wurde sie als erste autistische Person mit einer Lernbehinderung mit dem Turner Prize ausgezeichnet.[1][3][4]

Leben

Nnena Kalu wurde 1966 in Glasgow als Tochter nigerianischer Eltern geboren und lebt in London.[1] Sie gilt als neurodivers, ist autistisch und verfügt über eine begrenzte verbale Kommunikation. Kalu arbeitet seit Jahrzehnten kontinuierlich im Atelierbetrieb.[2] Seit 1999 produziert sie ihre Werke mit Unterstützung der Londoner Organisation ActionSpace, wo sie in enger Zusammenarbeit mit Charlotte Hollinshead arbeitet.[5] Ein Wendepunkt ihrer Laufbahn waren zwei Einzelausstellungen im Rahmen von „Glasgow International 2018“ und in der Humber Street Gallery in Hull, die ihr vermehrte Aufmerksamkeit einbrachte.[5] Kalu war 2024 bei der Manifesta 15 in Barcelona vertreten und zeigte im Jahr 2025 in der Kunsthall Stavanger in Norwegen ihre erste Einzelausstellung im Ausland.[2]

Werk

Kalus Praxis umfasst großformatige, rhythmisch ausgeführte Zeichnungen mit ellipsen- und wirbelartigen Formationen sowie raumgreifende, knollen- und kokonartige Skulpturen, die aus Schichtungen, Umwicklungen und Bündelungen von Materialien entstehen und häufig vor Ort im Ausstellungsraum vollendet werden.[2][5] Ihre Arbeitsweise ist stark körperlich, repetitiv und prozessual; Materialien und Farben werden nach ihren Vorgaben vorbereitet, wobei die assistierende Rolle darauf zielt, Autonomie und künstlerische Entscheidungen der Künstlerin zu ermöglichen.[5]

Für den Turner Prize im Jahr 2025 würdigte die Jury Kalus „mutige“ und „zwingende“ Werke sowie ihre „klare Beherrschung von Material, Farbe und Geste“. Die Verleihung fand am 9. Dezember 2025 in Bradford statt. Zu den übrigen Nominierten zählten Rene Matić, Mohammed Sami und Zadie Xa.[6][3][4] Die dazugehörige Ausstellung mit allen vier Positionen wird in der Cartwright Hall Art Gallery in Bradford bis zum 22. Februar 2026 gezeigt.[7][8] Kalu ist die erste Person mit Lernbehinderung, die diesen Preis erhielt.[1] Ihr Erfolg wurde als „seismischer“ Durchbruch einer „sehr zähen Glasdecke“ für eine Künstlerin mit Lernbehinderung bewertet, wobei zugleich betont wurde, dass die Auszeichnung auf der Qualität ihrer Arbeiten beruhe; die Rezeption reichte von deutlicher Anerkennung bis zu kritischer Ablehnung einzelner Arbeiten, was die anhaltende Debatte um Maßstäbe zeitgenössischer Kunst spiegelt.[9][2] Dadurch schwinde „die Unterscheidung zwischen neurotypischer und neurodiverser Kunst“ oder Art brut.[1] Überdies war Kalu in den Jahren vor der Auszeichnung mit Beiträgen bei der Walker Art Gallery in Liverpool (Conversations) sowie mit Hanging Sculpture 1 to 10 bei Manifesta 15 vertreten, die als Referenzprojekte ihrer Nominierung galten.[7][10]

Werke Kalus befinden sich in der Sammlung der Tate Gallery of Modern Art. Ihr Werk wird zum Kanon der britischen Gegenwartskunst gezählt.[2]

Literatur

  • Lisa Slominski: Nonconformers: a new history of self-taught artists. Yale University Press, New Haven 2022, ISBN 978-0-300-26022-9, S. 310–313.

Einzelnachweise

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