No Good Men

Film von Shahrbanoo Sadat From Wikipedia, the free encyclopedia

No Good Men ist ein Spielfilm der Regisseurin Shahrbanoo Sadat aus dem Jahr 2026. Im Mittelpunkt steht eine Kamerafrau aus Kabul, die sich nach der Trennung von ihrem untreuen Ehemann gemeinsam mit ihrem Sohn in einer patriarchal dominierten Gesellschaft behaupten muss. Der Film eröffnete die 76. Internationalen Filmfestspiele Berlin.

TitelNo Good Men
Erscheinungsjahr2026
Länge100 Minuten
Schnelle Fakten Titel, Produktionsland ...
Film
Titel No Good Men
Produktionsland Deutschland, Frankreich, Dänemark, Norwegen
Erscheinungsjahr 2026
Länge 100 Minuten
Stab
Regie Shahrbanoo Sadat
Drehbuch Shahrbanoo Sadat,
Anwar Hashimi
Produktion Katja Adomeit
Musik Therese Aune
Kamera Virginie Surdej
Schnitt Alexandra Strauss
Besetzung
  • Shahrbanoo Sadat
  • Anwar Hashimi
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Handlung

Naru ist alleinerziehende Mutter eines Sohnes, die im Kabul zu Beginn der 2000er-Jahre lebt. Als Kamerafrau bei Kabul News filmt sie Fernsehsendungen zu typischen Frauenthemen. Als ein männlicher Kollege ausfällt, beauftragt ihr Chef sie, ein Interview mit Anführer der Taliban aufzunehmen. Der bekannte Journalist Quadiri ist zunächst empört darüber, mit einer Frau zusammenarbeiten zu müssen, und lässt sie das deutlich spüren. Gemeinsam fahren sie zum vereinbarten Interviewort. Es kommt zum Abbruch des Interviews, da der Terrorist nicht mit einer Frau zusammenarbeiten möchte, deren Kopfbedeckung nicht ausreichend sei. Quadiri reagiert verärgert und lässt Naru auf dem Rückweg aussteigen. Er fordert sie auf, stattdessen Passanten auf der Straße zum Valentinstag zu befragen. Naru interviewt überwiegend Frauen, die offen und authentisch über ihr Zusammenleben mit Männern sprechen. Dabei fällt der Satz: „In Afghanistan gibt es keine guten Männer.“ Ausnahmslos alle befragten Frauen berichten von Gewalt durch ihre Partner und davon, dass sie ihnen etwas wie Liebe sehr fremd ist. Ihre Beiträge finden letztendlich großen Anklang bei den Kollegen der Redaktion.

Später trifft sich Naru mit zwei befreundeten Kolleginnen. Eine von ihnen hat die amerikanische Staatsangehörigkeit erhalten und ist von einem Aufenthalt in den USA zurückgekehrt. Sie überreicht Naru ein „Scheidungsgeschenk“. Naru erklärt, dass sie noch nicht geschieden sei, jedoch mit ihrem dreijährigen Sohn bei ihren Eltern lebe. Die Freundinnen sprechen über die Mentalität afghanischer Männer. Eine vermutet, viele seien durch die vergangenen Kriege traumatisiert. Naru weist diese Erklärung entschieden zurück.

Wenig später bittet Quadiri Naru, ihn mit der Kamera bei einer Reportage zu begleiten. Es geht um eine Gruppenvergewaltigung, bei der ein junges Mädchen ermordet wurde und die Polizei die Tat verharmloste. Die Reportage wird ein großer Erfolg. Naru gelingt es, mit der Mutter des Opfers zu sprechen: etwas, das männlichen Kollegen so nicht möglich gewesen wäre. Vor versammelter Redaktion wird Quadiri vom Chef für die Reportage gelobt. Er betont ausdrücklich, dass dieser Erfolg ohne Naru nicht möglich gewesen wäre. Nach dem Lob bittet der Chef Naru in sein Büro und beauftragt sie, seine Hochzeit zu filmen. Gemeinsam mit Quadiri besichtigt sie die Location; dort essen sie auch zusammen. Quadiri besteht auf vegetarisches Essen. Naru ist darüber verwundert und erfährt, dass er nach all den Berichten über Selbstmordattentäter kein Fleisch mehr essen könne. Die beiden entdecken viele Gemeinsamkeiten und führen angeregte Gespräche.

Nachdem die Taliban dem Sender gedroht haben, taucht plötzlich Narus Ehemann auf. Er fleht sie an, zu ihm zurückzukehren. Er habe alles für sie getan und sei nun nahezu mittellos. Naru stellt klar, dass sie sich alles selbst erarbeitet habe und er nicht in der Lage sei, seine Familie zu ernähren. Er schlägt vor, gemeinsam ein Fotostudio für Hochzeitsbilder zu eröffnen. Naru lehnt entschieden ab und wirft ihm ein paar Geldscheine hin und geht mit ihrem Sohn Liam davon. In diesem Moment fährt Quadiri vorbei und bietet an, sie mitzunehmen. Zunächst lehnt sie ab. Als ihr Mann jedoch beginnt, sie zu beschimpfen, steigt sie ein. Daraufhin zeigt ihr Mann Quadiri wegen angeblicher Entführung seiner Frau und seines Kindes an. Die Situation klärt sich, und der Ex-Mann wird verhaftet.

Bei der Berichterstattung über einen Anschlag der Taliban auf eine Tankstelle arbeiten Quadiri und Naru als eingespieltes Team zusammen. Als Quadiris regulärer Kameramann zurückkehrt, übernimmt Naru wieder die Aufnahmen für die Frauen-Talkshow „Love TV“.

Naru begegnet Quadiri erneut auf der Hochzeit ihres Chefs. Während der Feier kommt es zu einem schweren Anschlag, bei dem zahlreiche Journalisten anwesend sind. Der Anschlag geht als Schwarzer Donnerstag, ein Angriff auf die Meinungsfreiheit in die Geschichte ein. Quadiri und Naru überleben. Kurz darauf entführt Narus Ehemann den gemeinsamen Sohn. Quadiri bietet seine Hilfe an. Es kommt zum Streit, in dem Naru auf die frauenfeindliche Gesetzeslage hinweist, nach der im Falle einer Scheidung das Sorgerecht dem Vater zugesprochen wird. Um ihren Sohn wiedersehen zu können, sieht sie sich gezwungen, erneut mit ihrem Mann zusammenzuleben. Fortan arbeitet sie in einem Fotostudio und fertigt Hochzeitsbilder an.

Die politische Lage im Land eskaliert weiter. Die Taliban sind auf dem Vormarsch und die Machtübernahme steht bevor. Zahlreiche Menschen verlassen Afghanistan. Quadiri wird vor laufender Kamera angegriffen, und Kabul News wird direkt von den Taliban bedroht. Schließlich erhält Quadiri die Möglichkeit, Kabul mit dem Flugzeug zu verlassen. Er sucht Naru auf, berichtet von der bedrohlichen Situation und von der Chance, nach Deutschland ausgeflogen zu werden. Naru hat große Zweifel, lässt sich letztendlich von Quadiri überzeugen. Am Flughafen herrscht chaotischer Ausnahmezustand: Verzweifelte Menschen versuchen, einen der wenigen Plätze in den Flugzeugen zu bekommen. Dort erfährt Naru, dass Quadiri seinen Platz für sie und ihren Sohn eingetauscht hat. Umgeben von einer drängenden Menschenmenge küssen sie sich. Schließlich werden Naru und ihr Sohn von deutschen Soldaten in Sicherheit gebracht.

Hintergründe und Produktion

Pressekonferenz mit den Darstellenden von No Good Man während der Berlinale 2026

In No Good Men übernimmt die afghanische Regisseurin Shahrbanoo Sadat selbst die Hauptrolle. Der Film ist eine internationale Koproduktion zwischen Deutschland, Frankreich, Norwegen, Dänemark und Afghanistan. Gedreht wurde unter anderem in Hamburg. Die Stadtteile Wilhelmsburg und Rothenburgsort dienten dabei als Kulisse für Darstellungen der afghanischen Hauptstadt Kabul.[1][2]

Die Dreharbeiten begannen Ende September 2024 und dauerten bis März 2025. Weitere Drehorte waren Berlin, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen. Das Szenenbild verantwortete die Produktionsdesignerin Pegah Ghalambor, das Drehbuch stammt von Sadat selbst. Mit dem Schauspieler Anwar Hashimi arbeitete sie bereits bei früheren Projekten zusammen.[3] Der basiert auf wahren Begebenheiten und trägt autobiografischen Züge, die auf Schriften von Hashimi basieren.[4]

Sharbanoo Sadat lebt in Hamburg, nachdem sie infolge der Machtübernahme der Taliban im August 2021 Afghanistan verlassen musste.[5] Sie begleitete kurz zuvor Journalisten einer afghanischen Lokalzeitung und führte Interviews. Auf der Pressekonferenz zur Weltpremiere des Films erzählte Sadat, dass es in ihrem Land keine Filmindustrie gebe und der kreative Prozess für sie ebenfalls schmerzhaft gewesen sei. „Ich kam vor vier Jahren nach Deutschland, nachdem ich mein Land unter traumatischen Umständen verlassen hatte. Das Erste, was man mich hier tun ließ, war einen Deutschkurs zu besuchen. Das war sehr schwer für mich, denn als ich in diesem Land ankam, wurde mir erst die ganze Schwere meiner Lage bewusst.“[6]

Veröffentlichung

Die Weltpremiere des Films erfolgte am 12. Februar 2026 bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin, wo er als Eröffnungsfilm der Berlinale Special Gala gezeigt wurde.[5]

Rezeption

Die Berlinale-Intendantin Tricia Tuttle über No Good Men: „Shahrbanoo Sadat gehört zu den spannendsten Stimmen des internationalen Kinos. No Good Men löst das Versprechen ihrer ersten beiden Filme eindrucksvoll ein. Auch in ihrem neuesten Werk rückt Shahrbanoo Sadat erneut das Leben afghanischer Frauen in den Mittelpunkt und verbindet eine mitreißend politische Geschichte mit Romantik und feinem Humor. Dass der Film wahre Begebenheiten aufgreift und seine Entstehung für die Regisseurin mit großen Risiken verbunden war, macht No Good Men zu einem umso eindrucksvolleren Auftakt der 76. Berlinale.“[5]

Commons: No Good Men – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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