Nora Beloff

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Nora Beloff (geboren am 24. Januar 1919 in London; gestorben am 12. Februar 1997 ebendort) war eine britische Journalistin und Publizistin. Sie war langjährige politische Korrespondentin, berichtete über Jahrzehnte aus zahlreichen Ländern und schrieb mehrere Bücher zu politischen Themen. Beloff gilt als Pionierin im britischen Journalismus, weil sie als erste und oft einzige Frau sonst männlich besetzte Redaktionspositionen übernahm.

Kindheit, Jugend, Studium

Nora Beloff wurde 1919 in London als drittes der fünf Kinder von Simon und Marie Beloff geboren, einem russisch-jüdischen Emigrantenpaar. Ihre Geschwister waren der Historiker Max Beloff, der (Para-)Psychologe John Beloff, die Politikerin Renee Soskin sowie die Biochemikerin Anne Beloff-Chain. Beloff besuchte die King Alfred's School und studierte Geschichte an der Lady Margaret Hall, einem Frauencollege in Oxford; 1940 schloss sie ihr Studium mit einem Bachelor of Arts ab.[1]

Berufliche Karriere

Nach ihrem Abschluss arbeitete sie für das britische Außenministerium, zuerst in London (1941–44), dann in Paris (1944/45). Von dort aus arbeitete sie anschließend auch für die Nachrichtenagentur Reuters (1945–46) und schrieb regelmäßig für den Economist (1946–48) sowie vereinzelt für den Manchester Guardian. Von Ende 1947 an arbeitete sie mehr als drei Jahrzehnte lang für die Wochenzeitung The Observer.[2] Seit 1948 verfasste sie dort Leitartikel, seit 1964 war sie politische Korrespondentin, eine Position, die zu dieser Zeit in allen namhaften Zeitungen Männern vorbehalten war.[2][3] Seit den 1950er Jahren und bis 1976 war sie, ebenfalls als erste Frau in dieser Position,[2] in verschiedenen Hauptstädten (Washington, Moskau und Brüssel) als Auslandskorrespondentin tätig. In ihren Artikeln und Büchern schrieb sie meinungsstark über britische und internationale Politik. Ihr wichtige Themen waren unter anderem französische Kriegsverbrechen im Algerienkrieg, die Beziehungen zwischen Großbritannien und der entstehenden Europäischen Gemeinschaft, die Labour Party, die britischen Gewerkschaften sowie der Kommunismus.

Nachdem 1976 Donald Trelford der neue Herausgeber des Observer wurde, setzte er sie als politische Korrespondentin ab; nach mehreren Konflikten mit ihm verließ sie 1978 den Observer.[3] Als freiberufliche Journalistin reiste Beloff unter anderem durch die damalige Sowjetunion (wo sie einmal verhaftet wurde) und mehrfach durch Jugoslawien; auf Basis ihrer dortigen Erfahrungen und Recherchen veröffentlichte sie mehrere Bücher. In ihren letzten Lebensjahren arbeitete sie an einem (erst postum veröffentlichten) Buch über die Jugoslawienkriege, in dem sie die Rolle Serbiens deutlich positiver darstellte als die Mehrheit der zeitgenössischen Berichterstatter.[1][4]

Beloff gilt aufgrund ihrer zahlreichen exklusiven Reportagen als journalistisch ausgesprochen erfolgreich.[3][5]

Positionen

Beloff schrieb überwiegend in politisch eher linken Zeitungen, galt selbst politisch aber als konservativ.[1] Sie vertrat regelmäßig unpopuläre Positionen und begegnete auch zahlreichen Politikern selbstbewusst und mitunter konfrontativ.[2][4] Wiederholt geriet sie in Konflikt mit Regierungen und Behörden: In ihrer Zeit in Paris drohte das französische Außenministerium aufgrund ihrer kritischen Berichterstattung zum Algerienkrieg mit ihrer Ausweisung. Mitte der 1960er Jahre versuchte der damalige Premierminister Harold Wilson vergeblich ihre Absetzung als politische Korrespondentin zu erreichen; außerdem versuchte er ihre Reputation zu schädigen und deutete an, dass er sie überwachen ließe.[3][5] Die Sowjetunion sowie Jugoslawien (1984) wiesen sie aufgrund ihrer Berichterstattung aus.[2]

Auch innerhalb ihres beruflichen Umfelds stieß sie auf teils starke Ablehnung. Die ganz überwiegend männlichen Kollegenschaft Beloffs teilte häufig misogyne Vorurteile gegenüber ihr.[3][5] Auch aufgrund ihres Engagements gegen die closed shop-Politik im britischen Journalismus wurde sie von Journalisten und Gewerkschaftlern angefeindet. Die Satirezeitschrift Private Eye karikierte Beloff wiederholt und verbreitete misogyne Stereotype über sie. In einem weithin beachteten Fall verklagte Beloff das Magazin 1972 erfolgreich wegen Verleumdung sowie getrennt auf Verletzung des Urheberrechts. Letztere Klage war zwar erfolglos, der Fall (Nora Beloff v Pressdram Ltd) gilt aber als rechtshistorisch bedeutend für das britische Copyright.[6][7][8]

Bücher (Auswahl)

  • The General Says No: Britain's Exclusion from Europe. Penguin, London 1963.
  • Freedom under Foot: The Battle over the Closed Shop in British Journalism. Maurice Temple Smith, London 1976, ISBN 978-0-85117-119-7.
  • No Travel Like Russian Travel. Collins, London 1979, ISBN 978-0-04-910067-1.
  • Tito's Flawed Legacy: Yugoslavia and the West Since 1939. Westview Press, Boulder 1985, ISBN 978-0-8133-0322-2.
  • Yugoslavia: An Avoidable War. New European Publications, London 1997, ISBN 1-872410-08-1.

Nachlass

Der Nachlass Beloffs liegt im The Guardian News & Media Archive in London; er umfasst Arbeitsmaterialien und Zeitungsausschnitte seit den 1940er Jahren, Unterlagen zu ihrem Rechtsstreit mit Private Eye, umfangreiche Briefwechsel sowie Familienfotos.

Literatur

Einzelnachweise

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