Nordkolumbianischer Großmazama
Art der Gattung Spießhirsche (Mazama)
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Der Nordkolumbianische Großmazama (Mazama zetta) ist eine Art der Hirsche. Er kommt im nordwestlichen Südamerika vor, wo er Gebirgstäler der Anden in mittleren Höhenlagen bewohnt. Als Angehörige der Spießhirsche ähneln die Tiere diesen im äußeren Erscheinungsbild. Sie sind aber kompakter gebaut und das Fell ist bräunlicher sowie weniger rötlich gefärbt als beim Großmazama. Die Lebensweise ist weitgehend unbekannt. Wissenschaftlich eingeführt wurde die Art im Jahr 1913. Sie galt aber zumeist als Unterart oder Variante des Großmazama. Einige Individuen, die dem Nordkolumbianischen Großmazama zugeschrieben werden, zeigen dem gegenüber genetisch eine nähere Verwandtschaft mit dem Mexiko-Großmazama. Aufgrund dessen wurde der Spießhirschvertreter im Jahr 2025 provisorisch als eigenständige Art wieder anerkannt.
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| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Mazama zetta | ||||||||||||
| Thomas, 1913 |
Merkmale
Habitus
Der Nordkolumbianische Großmazama entspricht in der Größe in etwa dem Großmazama (Mazama americana), war aber kompakter gebaut. Ein einzelnes vermessenes weibliches Individuum erreichte eine Gesamtlänge von 1,18 m, der Schwanz war 18 cm lang.[1] Das äußere Erscheinungsbild entspricht dem der anderen Spießhirsche. Anhand des Belegexemplars der Art lässt sich ein dunkelbraunes Rückenfell diagnostizieren, das einen geringeren rötlichen Einschlag aufweist als das des Großmazama. Zur Bauchseite nimmt die Rotfärbung aber zu. Der Kopf ist ebenfalls braun gefärbt und zeigt einzelne rötliche Flecken an den Augen und am Maul. Die Ohren sind braun, an der Basis jedoch weißlich. Das Kinn erscheint schmutzigweiß. Die Beine sind wiederum dunkelbraun mit einem schwach rötlichen Ton. Der Schwanz weist mit seiner braunen Ober- und weißlichen Unterseite eine zweifarbige Tönung auf.[2] Das einfach gebaute Geweih misst zwischen 4,4 und 8,9 cm in der Länge.[3]
Schädel- und Gebissmerkmale
Für ein männliches und weibliches Individuum aus Medellín sind Schädellängen von 18,7 und 19,0 cm sowie Breiten über die Jochbögen gemessen von 9,6 und 9,5 cm vermerkt.[2] Ein weiteres Exemplar aus Nariño wies eine Gesamtlänge des Schädels von 18,4 und eine Jochbogenbreite von 8,5 cm auf.[4] Für insgesamt acht untersuchte Schädel ergaben sich Längen von 19,3 bis 21,5 cm. Bei diesen betrug die Breite im Bereich der Orbita 8,1 bis 9,0 cm.[3] Insgesamt ist der Schädel damit kürzer und schmaler als beim Großmazama. Die obere Zahnreihe erstreckt sich über eine Länge von 6,0 bis 6,9 cm.[2][1][3]
Verbreitung und Lebensraum
Das Verbreitungsgebiet des Nordkolumbianischen Großmazama liegt im nordwestlichen Südamerika und umfasst das westliche Kolumbien und möglicherweise auch Ecuador. Als Typusregion der Art ist die Region um Medellín im Departamento Antioquia im Nordwesten Kolumbiens ausgewiesen. Weitere Individuen, die der Art zugesprochen werden, wurden aus den Departamentos Cundinamarca im zentralen und Nariño im südwestlichen Teil des Landes dokumentiert. Die Tiere bewohnen die Gebirgslagen und Täler der Anden in 500 bis 1700 m über dem Meeresspiegel.[5]
Lebensweise
Über die Lebensweise des Nordkolumbianischen Großmazama ist nichts bekannt.
Systematik
Innere Systematik der Eigentlichen Trughirsche nach Escobedo-Morales et al. 2025[5]
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Der Nordkolumbianische Großmazama ist eine Art aus der Gattung der Spießhirsche (Mazama) und der Familie der Hirsche (Cervidae). Die Gattung Mazama umfasst momentan wenigstens acht Arten, die in Mittel- und Südamerika vorkommen. Sie gehört innerhalb der Hirsche zur Unterfamilie der Trughirsche (Capreolinae) und hierin wiederum zur Tribus der Eigentlichen Trughirsche (Odocoileini). In letzterer sind die neotropischen Hirsche vereint. Die Systematik der neotropischen Hirsche ist komplex und teilweise problematisch.[6][7][8][9][10] Das trifft zum Teil auch auf die Spießhirsche zu, die sich gemäß molekulargenetischen Untersuchungen in ihrer ursprünglichen Zusammensetzung als paraphyletisch herausstellten. Sie verteilten sich auf zwei unterschiedliche Kladen: einerseits formten die zumeist rötlich getönten Arten eine Gruppe mit den Amerikahirschen (Odocoileus) innerhalb der Untertribus der Odocoileina, andererseits bildeten die überwiegend grau gefärbten Vertreter eine Einheit mit den Andenhirschen (Hippocamelus), dem Sumpfhirsch (Blastocerus) sowie dem Pampashirsch (Ozotoceros) in der Untertribus der Blastocerotina. Letztgenannte Arten wurden ab den 2010er Jahren zunehmend in andere Gattungen wie Bisbalus, Subulo und Passalites überführt.[11][12][13] Gleiches gilt für einige der rotgefärbten spießhirschartigen Formen der Odocoileina wie den Yucatán-Mazama (Odocoileus pandora) und den Roten Kleinmazama (Andinocervus rufinus).[10][14] Den eigentlichen Spießhirschen der Gattung Mazama werden dadurch nun neben dem Großmazama (Mazama americana) als Nominatform, der allerdings gegenwärtig als Artkomplex aufzufassen ist,[15] unter anderem der Kleinmazama (Mazama nana), der Küstenwald-Mazama (Mazama jucunda), der Paraguay-Großmazama (Mazama rufa) und der Mexiko-Großmazama (Mazama temama) zugesprochen. Letzterer ist vermutlich auch eine eher weiter gefasste Form, vergleichbar dem Großmazama, die einzelne zusätzliche Vertreter einschließt. Hierbei bildet das ursprünglich als Unterart des Mexiko-Großmazama eingestufte Mazama reperticia die Schwesterart des Nordkolumbianischen Großmazama.[5] In das nähere Beziehungsumfeld gehört zusätzlich der Tschudi-Graumazama (Mazama tschudii).[16]

Die wissenschaftliche Erstbeschreibung des Nordkolumbianischen Großmazama geht auf Oldfield Thomas aus dem Jahr 1913 zurück. Thomas stellte hierbei eine bräunlich gefärbte und kompakter gebaute Spießhirschform vor, die er in der verwandtschaftlichen Nähe zum Großmazama sah, sich von diesem aber durch einen kürzeren Schädel unterschied. Als Holotypus wies er ein junges ausgewachsenes weibliches Individuum aus, dessen Herkunft er mit Medellín im heutigen nordwestkolumbianischen Departamento Antioquia angab, was die Typusregion der Art darstellt.[2] Während zwei Jahre später Joel Asaph Allen die neue Art noch als eigenständig betrachtete,[1] erkannten spätere Forscher den Nordkolumbianischen Großmazama kaum noch an, sondern stuften ihn als Synonym oder Unterart des Großmazama ein.[17][18][19] Allerdings wiesen Colin Peter Groves und Peter Grubb in ihrer Revision der Huftiere aus dem Jahr 2011 den Nordkolumbianischen Großmazama als eigenständige Form aus, die mit dem eigentlichen Großmazama näher verwandt war. Ihrem, nur auf wenigen Individuen beruhenden Datenmaterial zufolge handelt es sich um eine Spießhirschform mit kleinerem Schädel und mittelgroßem Geweih, das durchschnittlich nur 6,7 cm lang wurde. Beide Forscher mussten aber zugeben, dass ihre Analyse der neotropische Hirsche aufgrund der komplexen Verwandtschaftsverhältnisse eher überblickshafter Natur war.[3]
Bereits Anfang der 2010er Jahre fiel im Rahmen einer von Alexandre Hassanin initiierten umfassenden genetischen Studie der Paarhufer auf, dass ein in einem Museum aufbewahrter Rest eines Individuums, das aus dem Chingaza-Nationalpark im zentralen Kolumbien stammte und ursprünglich als Weißwedelhirsch (Odocoileus virginianus) identifiziert worden war, tatsächlich den Spießhirschen näher stand.[20] Weitere genetische Untersuchungen wenige Jahre später ergaben daraufhin eine engere Beziehung des Individuums zum Mexiko-Großmazama. Der dennoch größere genetische Abstand von gut 4 bis 5 % veranlasste die Autoren zu der Annahme, dass es sich eventuell um eine unbeschriebene Art handeln könnte.[21][10] Anfang der 2020er Jahre ließ sich diesem Individuum ein zweites zur Seite stellen, dessen Herkunft mit dem Departamento Nariño im äußersten Südwesten des Landes angegeben wurde und das eine ähnliche genetische Signatur trug.[4] Eine daraufhin erfolgte genetische Analyse des Mexiko-Großmazama, veröffentlicht im Jahr 2025, schloss zumindest das Individuum aus dem Chingaza-Nationalpark mit ein und bestätigte den großen genetischen Abstand zum Mexiko-Großmazama. Einher ging dies mit einer relativ frühen Abtrennung der Linie des engeren Verwandtschaftsumfeldes des Mexiko-Großmazama von den übrigen Spießhirschen, was bereits im Altpleistozän vor rund 2,3 Millionen Jahren erfolgt war. Die Artengemeinschaft selbst spaltete sich demnach im frühen Mittelpleistozän vor 1,4 bis 1,2 Millionen Jahren auf. Die Autoren der Studie, ein Forscherteam um Luis A. Escobedo-Morales, vermuteten, dass das Individuum aus dem Chingaza-Nationalpark und jenes aus Nariño eine eigenständige Art repräsentieren, die eventuell mit dem von Thomas im Jahr 1913 beschriebenen Nordkolumbianischen Großmazama identisch ist. Beide Fundpunkte befinden sich zwar 280 km südöstlich beziehungsweise 600 km südwestlich der Terra typica des Nordkolumbianischen Großmazama, weisen jedoch ähnliche geographische Charakteristika auf, was unter anderem die Höhenverbreitung einschließt. Zudem erwähnte Thomas in seiner Erstbeschreibung auch Tiere aus Ecuador, wodurch die Spießhirschform wohl deutlich weiter verbreitet zu sein scheint. Andere in der Region vorkommende Hirsche weichen entweder morphologisch zu stark ab wie der Weißwedelhirsch oder sind deutlich kleiner wie der Rote Kleinmazama. Aus diesen Gründen revalidierten die Wissenschaftler der Studie von 2025 den Nordkolumbianischen Großmazama und erkannten ihn provisorisch als eigenständige Art an. Gleichzeitig verwiesen sie aber darauf, dass noch weitere Forschungsarbeiten notwendig seien.[5]
Literatur
- Luis A. Escobedo-Morales, Susette Castañeda-Rico, Salvador Mandujano, Livia León-Paniagua, Enrique Martínez-Meyer und Jesús E. Maldonado: Mitochondrial genome and ultraconserved elements reveal a species complex within the Central American brocket deer Mazama temama (Artiodactyla: Cervidae). Molecular Phylogenetics and Evolution 211, 2025, S. 108400, doi: 10.1016/j.ympev.2025.108400