Normalenform
Geradengleichung in der Mathematik
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Die Normalenform[1], Normalform[1] oder Normalengleichung[2] ist in der Mathematik eine spezielle Form einer Geradengleichung oder Ebenengleichung. In der Normalenform wird eine Gerade in der euklidischen Ebene oder eine Ebene im euklidischen Raum durch einen Stützvektor und einen Normalenvektor dargestellt. Eine Gerade oder Ebene besteht dann aus denjenigen Punkten in der Ebene oder im Raum, für die der Differenzvektor aus Ortsvektor und Stützvektor senkrecht zum Normalenvektor steht. Die Normalenform ist damit eine spezielle implizite Darstellung der Gerade oder Ebene.
Einen Spezialfall der Normalenform stellt die hessesche Normalform dar, bei der der Normalenvektor normiert und orientiert ist und statt des Stützvektors der Abstand vom Koordinatenursprung verwendet wird.
Normalenform einer Geradengleichung
Darstellung

Normalenform einer Geradengleichung
In der Normalenform wird eine Gerade in der Ebene durch einen Stützvektor und einen Normalenvektor beschrieben (siehe Bild 1). Eine Gerade besteht dann aus denjenigen Punkten in der Ebene, deren Ortsvektoren die Vektorgleichung
- bzw. äquivalent hierzu
erfüllen. Hierbei bezeichnet das Skalarprodukt zweier Vektoren, welches null ist, wenn die Vektoren senkrecht aufeinander stehen. Der Stützvektor ist der Ortsvektor eines beliebigen Punkts auf der Gerade, der auch als Stützpunkt oder Aufpunkt bezeichnet wird. Der Normalenvektor ist ein Vektor, der mit der Gerade einen rechten Winkel bildet. In der Normalenform werden demnach die Punkte der Geraden implizit dadurch definiert, dass der Differenzvektor aus Ortsvektor und Stützvektor senkrecht zum Normalenvektor der Gerade steht. Ein Punkt, dessen Ortsvektor die Normalengleichung nicht erfüllt, liegt für auf derjenigen Seite der Gerade, in die der Normalenvektor zeigt, und ansonsten auf der anderen Seite.
Legt man ein ebenes rechtwinkliges Koordinatensystem zugrunde und stellt die Vektoren mithilfe ihrer Komponenten dar, so liest sich die Geradengleichung als
- .
Schreibt man diese Gleichung aus, so erhält man die Normalenform als Koordinatengleichung:
- bzw. .
Beispiel

Normalenform einer Geradengleichung
Sei eine Gerade in der Ebene mit Stützvektor und Normalenvektor (siehe Bild 2). Dann ist die zugehörige Normalenform gegeben durch
- bzw.
Es handelt sich zugleich um eine Koordinatengleichung: Jede Wahl von , die diese Gleichung erfüllt, beispielsweise oder , entspricht einem Geradenpunkt.
Berechnung
Aus der Parameterform
Aus der Parameterform einer Geradengleichung lässt sich ein Normalenvektor der Geraden bestimmen, indem die beiden Komponenten des Richtungsvektors der Geraden vertauscht werden und bei einer der beiden Komponenten das Vorzeichen geändert wird, das heißt
- .
Der Stützvektor kann aus der Parameterform übernommen werden.
Aus der Zweipunkteform
Aus der Zweipunkteform einer Geradengleichung wird zunächst ein Richtungsvektor der Geraden als Differenzvektor zwischen den Ortsvektoren und der beiden Punkte ermittelt und dann wie bei der Parameterform verfahren, also
- .
Als Stützvektor kann der Ortsvektor einer der Punkte verwendet werden.
Aus der allgemeinen Koordinatenform
Aus der allgemeinen Koordinatenform einer Geradengleichung mit den Parametern und lässt sich ein Normalenvektor der Gerade direkt als
ablesen. Einen Stützvektor der Gerade erhält man, je nachdem ob oder ungleich null ist, durch Wahl von
- oder .
Analog lässt sich auf diese Weise auch aus der Achsenabschnittsform einer Geradengleichung ein Normalenvektor und ein Stützvektor ermitteln.
Normalenform einer Ebenengleichung

Normalenform einer Ebenengleichung
Darstellung
Analog wird eine Ebene im dreidimensionalen Raum in der Normalenform ebenfalls durch einen Stützvektor und einen Normalenvektor beschrieben (siehe Bild 3). Eine Ebene besteht dann aus denjenigen Punkten im Raum, deren Ortsvektoren die Gleichung
erfüllen. Der Stützvektor ist dabei wiederum der Ortsvektor eines beliebigen Punkts in der Ebene und der Normalenvektor ist ein Vektor, der senkrecht auf der Ebene steht. Das bedeutet, dass der Normalenvektor mit allen Geraden der Ebene, die durch den Stützpunkt verlaufen, einen rechten Winkel bildet. Eine äquivalente Darstellung der Normalenform ist wiederum
und ein Punkt, dessen Ortsvektor die Normalengleichung erfüllt, liegt auf der Ebene. Gilt , dann liegt der Punkt auf derjenigen Seite der Ebene, in die der Normalenvektor zeigt, ansonsten auf der anderen Seite.
Ausgedrückt in kartesischen Koordinaten lautet die Normalenform einer Ebenengleichung,
- bzw. .
Beispiel

Normalenform einer Ebenengleichung, für Normalenvektor ab Punkt gilt:
Sei eine Ebene mit Stützvektor und Normalenvektor (siehe Bild 4). Dann ist die zugehörige Normalenform gegeben durch
- .
Ausmultiplizieren und Zusammenfassen gleicher Terme liefert die äquivalente Darstellung
Es handelt sich zugleich um eine Koordinatengleichung. Jede Wahl von , die diese Gleichung erfüllt, entspricht dann einem Ebenenpunkt. Beispielsweise liegt in der Ebene wegen .
Berechnung
Aus der Parameterform
Aus der Parameterform einer Ebenengleichung mit den beiden Richtungsvektoren und lässt sich ein Normalenvektor der Ebene durch Berechnung des Kreuzprodukts bestimmen. Der Stützvektor kann aus der Parameterform übernommen werden.
Aus der Dreipunkteform
Aus der Dreipunkteform einer Ebenengleichung werden zunächst zwei Richtungsvektoren als Differenzvektoren zwischen den Ortsvektoren , und jeweils zweier Punkte ermittelt und dann wie bei der Parameterform das Kreuzprodukt
berechnet. Als Stützvektor kann der Ortsvektor einer der Punkte verwendet werden.
Aus der allgemeinen Koordinatenform
Aus der allgemeinen Koordinatenform einer Ebenengleichung mit den Parametern und lässt sich ein Normalenvektor der Ebene als
ablesen. Einen Stützvektor erhält man, je nachdem welche der Zahlen ungleich null ist, durch Wahl von
- oder .
Analog lässt sich auf diese Weise auch aus der Achsenabschnittsform einer Ebenengleichung ein Normalenvektor und ein Stützvektor ermitteln.
Verallgemeinerung
Allgemein wird durch eine Normalengleichung eine Hyperebene im -dimensionalen euklidischen Raum beschrieben. Im -dimensionalen euklidischen Raum besteht eine Hyperebene entsprechend aus denjenigen Punkten, deren Ortsvektoren die Gleichung
- bzw.
erfüllen. Es wird dabei lediglich mit -komponentigen statt mit zwei- oder dreikomponentigen Vektoren gerechnet. Eine solche Gleichung wird in der Literatur auch Hessesche Normalform genannt, selbst wenn der Normalenvektor nicht normiert ist.[3][4]
Eine Hyperebene teilt den -dimensionalen Raum in zwei Teile, die Halbräume genannt werden. Gilt , dann liegt der Punkt in demjenigen Halbraum, in den der Normalenvektor zeigt, ansonsten in dem anderen. Ein Punkt, dessen Ortsvektor die Normalengleichung erfüllt, liegt genau auf der Hyperebene.
Lösbarkeit von linearen Gleichungssystemen
Jede Gleichung eines linearen Gleichungssystems lässt sich als Normalenform einer Hyperebene in einem -dimensionalen Vektorraum deuten, wobei die Anzahl der Variablen bzw. Unbekannten ist. Für sind dies Geraden in der Ebene, für Ebenen im Raum. Damit lässt sich die Lösbarkeit eines linearen Gleichungssystems zurückführen auf ein Schnittproblem von Hyperebenen: Gesucht ist die Menge der gemeinsamen Punkte aller Hyperebenen. Aus der Lage der Normalenvektoren und damit der Hyperebenen zueinander kann auf die Lösbarkeit des linearen Gleichungssystems und auf die Anzahl der Lösungen geschlossen werden.
Literatur
- Lothar Papula: Mathematische Formelsammlung: Für Ingenieure und Naturwissenschaftler. Springer, 2009, ISBN 978-3-8348-9598-1.
- Harald Scheid, Wolfgang Schwarz: Elemente der linearen Algebra und der Analysis. Springer, 2009, ISBN 978-3-8274-2255-2.
- Edmund Weitz: Konkrete Mathematik (nicht nur) für Informatiker. 2. Auflage. Springer Spektrum, 2021, ISBN 978-3-662-62617-7, S. 379–383.
Weblinks
- Ebene von Parameterform in Normalform umwandeln. In: Serlo. Abgerufen am 23. Februar 2014.
- Ebene von Koordinatenform in Normalform umwandeln. In: Serlo. Abgerufen am 23. Februar 2014.