Notfallmappe
Zusammenstellung persönlicher, medizinischer, finanzieller und rechtlicher Informationen
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Eine Notfallmappe (auch Notfallordner) bezeichnet eine strukturierte Zusammenstellung persönlicher, medizinischer, finanzieller und rechtlicher Informationen, die im Falle eines medizinischen oder organisatorischen Notfalls einen schnellen Überblick ermöglichen soll.[1]
Der Begriff ist nicht rechtlich normiert und beschreibt kein eigenständiges Rechtsinstrument, sondern eine organisatorische Hilfestellung zur Bündelung relevanter Unterlagen.[2]
Abgrenzung
Eine Notfallmappe ist von rechtlich verbindlichen Vorsorgedokumenten wie der Patientenverfügung oder der Vorsorgevollmacht abzugrenzen. Diese entfalten ihre Wirkung unabhängig von einer Notfallmappe und unterliegen gesetzlichen Formerfordernissen.[3]
Die Notfallmappe selbst besitzt keine eigenständige rechtliche Wirkung und dient ausschließlich der Informationssammlung und -zugänglichkeit.[4]
Typischer Inhalt
Der Inhalt einer Notfallmappe ist nicht standardisiert und variiert je nach individueller Lebenssituation. In der Praxis werden jedoch häufig folgende Dokumente aufgenommen:
- persönliche Daten und Kontaktinformationen von Angehörigen oder Vertrauenspersonen[5]
- medizinische Informationen wie Medikationspläne oder Angaben zu Vorerkrankungen[6]
- Versicherungs- und Bankunterlagen[7]
- Hinweise auf Vorsorgedokumente wie Patientenverfügung oder Vorsorgevollmacht[8]
- Hinweise zu Passwörtern
- Informationen zum (auch digitalen) Nachlass
Empfehlungen des BBK
Siehe auch: Dokumentenmappe (Notfallvorsorge)
Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) listet in ihren Empfehlungen folgende Dokumente auf:[9]
- Im Original
- Familienurkunden (Geburts-, Heirats-, Sterbeurkunden) beziehungsweise Stammbuch
- Im Original oder als beglaubigte Kopie
- Sparbücher, Kontoverträge, Aktien, Wertpapiere, Versicherungspolicen
- Renten-, Pensions- und Einkommensbescheinigungen, Einkommenssteuerbescheide
- Qualifizierungsnachweise: Zeugnisse (Schulzeugnisse, Hochschulzeugnisse, Nachweise über Zusatzqualifikationen)
- Verträge und Änderungsverträge, zum Beispiel auch Mietverträge, Leasingverträge et cetera
- Testament, Patientenverfügung und Vollmacht
- Als einfache Kopie
- Personalausweis, Reisepass
- Führerschein und Fahrzeugpapiere
- Impfpass
- Grundbuchauszüge
- sämtliche Änderungsbescheide für empfangene Leistungen
- Zahlungsbelege für Versicherungsprämien, insbesondere Rentenversicherung
- Meldenachweise der Arbeitsämter, Bescheide der Agentur für Arbeit
- Rechnungen, die offene Zahlungsansprüche belegen
- Mitglieds- oder Beitragsbücher von Verbänden, Vereinen oder sonstigen Organisationen[10]
Formen
Notfallmappen werden sowohl in physischer Form (z. B. Ordner oder Mappen aus Papier) als auch in digitaler Form angeboten. Digitale Varianten können etwa als verschlüsselte Dateien oder Online-Speicherlösungen geführt werden, werfen jedoch zusätzliche Fragen hinsichtlich Datenschutz und Zugriffsberechtigung auf.[11]
Verbreitung
Notfallmappen werden insbesondere von Verbraucherorganisationen, Wohlfahrtsverbänden und öffentlichen Stellen thematisiert und empfohlen. Mehrere Bundesländer stellen Vorlagen oder Empfehlungen zur Verfügung, ohne verbindliche Standards festzulegen.[12]
Empirische Studien zur tatsächlichen Nutzung oder Wirksamkeit von Notfallmappen liegen bislang nur in begrenztem Umfang vor.
Kritik
Kritisch angemerkt wird, dass der Nutzen einer Notfallmappe wesentlich von ihrer Aktualität und Auffindbarkeit abhängt. Zudem besteht die Gefahr, dass sie fälschlich als Ersatz für rechtlich verbindliche Vorsorgedokumente angesehen wird.[13] Auch Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes und Risiken im Falle eines Diebstahls werden geäußert.