Notre-Dame du Laus

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Notre-Dame du Laus (von lateinisch laus „Verherrlichung“, gesprochen: „Loh“, seltener: „Lohs“) ist seit 1664 ein französischer Marienerscheinungs- und Wallfahrtsort in Saint-Étienne-le-Laus, Département Hautes-Alpes, Bistum Gap und Embrun. Zwischen 1664 und 1718 erschien die Jungfrau Maria dort der Hirtin Benoîte Rencurel. Schnell entwickelte sich eine lokale Verehrung und Pilgerströme setzten ein, die der Gestalt den Namen Notre-Dame de Laus gaben, wovon sich der heutige Name des Ortes ableitet. Die Erscheinungen wurden am 5. Mai 2008 vom Ortsbischof, Jean-Michel di Falco Leandri, mit Genehmigung des Heiligen Stuhls anerkannt.

Blick auf Notre-Dame du Laus (1906)

Geschichte

Die Mystikerin Benoîte Rencurel hatte ab 1664 (als junge Hirtin) und bis zu ihrem Tod (1718) in den französischen Südalpen (südöstlich von Gap) Erscheinungen der Jungfrau Maria, von Christus am Kreuz und von Heiligen. Der damalige Erzbischof von Embrun, Georges d’Aubusson de La Feuillade, ließ eine Kirche errichten und lud die Jesuiten zur Ansiedlung am Ort ein. 2008 erkannte der Bischof von Gap, Jean-Michel di Falco Leandri die Erscheinungen im Namen der Kirche an. Zur Betreuung der rasch einsetzenden Wallfahrt folgte 1712 die Kongregation der Missionspriester von Sainte-Garde (1791 von der Französischen Revolution vertrieben). 1805 kaufte der Bischof von Digne die Anlage zurück und setzte 1818 dort die kurz zuvor vom heiligen Eugen von Mazenod in Aix-en-Provence gegründete Priesterkongregation der Oblaten der Unbefleckten Jungfrau Maria ein, die 1841 von Diözesanpriestern abgelöst wurde. 2008 siedelten sich die Anbetungsschwestern vom Heiligsten Herzen Jesu von Montmartre an. Derzeit sammelt der Bischof von Gap Gelder für den Bau einer größeren Wallfahrtskirche.

Der Geist des Ortes

Gegenstand der Offenbarungen waren die Sündhaftigkeit der Menschen, die Notwendigkeit zu Umkehr, Reue und Beichte, sowie die Barmherzigkeit Gottes gegenüber dem aus freiem Willen Reuigen. Die Jungfrau Maria wurde von Benoîte Rencurel wahrgenommen als Versöhnerin der Menschen mit Gott. In den Dienst dieser Versöhnung stellte sich Benoîte mit großem persönlichem Einsatz ein Leben lang. Der Wallfahrts- und Gebetsort steht deshalb nach wie vor im Zeichen der Versöhnung (réconciliation) des Einzelnen mit Gott und den Mitmenschen, aber auch mit sich selbst, mit seinem Körper, mit seiner persönlichen Lebensgeschichte, mit der Zeit und mit der Natur. Schon in den ersten 18 Monaten nach Beginn der Erscheinungen kamen etwa 130 000 Pilger. Auch in den folgenden Jahren und Jahrhunderten blieb er, mit Ausnahme der Zeit um die Französische Revolution, gut besucht.[1][2] Heute kommen jährlich ungefähr 170 000 Besucher nach Notre-Dame de Laus.[3] Den Gästen steht dabei ein eigenes, ganzjährig geöffnetes Gästehaus mit 495 Betten und 10 Konferenzräumen zur Verfügung. Geistlich betreut wird der Ort von sechs Priestern der Diözese Gap-Embrun sowie Benediktinerinnen von Sacré-Cœur de Montmartre[4], die von einem Team von Laien unterstützt werden. Zu den glühendsten Verehrern von Notre-Dame du Laus gehörte Jean Guitton.

Dokumentation

Vier gebildete Zeitzeugen des 17. und 18. Jahrhunderts legten ihre Beobachtungen und Befragungsergebnisse auf 1800 Manuskriptseiten nieder, die 1850 kritisch gesichtet, geordnet und abgeschrieben wurden und seitdem als „Authentische Kopie der Manuskripte“ vorliegen. Diese (auch säkularhistorisch) bedeutende Quelle wurde erstmals von Roger de Labriolle (1907–1988) in dem 1977 erschienenen Werk Benoîte. La bergère de Notre-Dame du Laus (Die Schäferin von Notre-Dame du Laus) ausgewertet und 1978 zum Gegenstand eines wissenschaftlichen Kolloquiums gemacht, auf dessen Basis es 1981 zur Wiederaufnahme des Seligsprechungsprozesses von Benoîte Rencurel kam.

Erscheinungen

Benoîte Rencurel wurde am 16. September 1647 in Saint-Étienne d'Avancon (Frankreich) in eine einfache Familie hineingeboren. Ihr Vater starb im Alter von sieben Jahren und mit zwölf Jahren begann sie als Hirtin zu arbeiten, um ihre Familie zu unterstützen.[5] Mit 17 Jahren konnte sie weder lesen noch schreiben.[6][7] Daher betete sie jeden Tag den Rosenkranz, während sie mit ihrer Herde durch die Berge zog.[2]

Nachdem sie im Mai 1664 eine Predigt ihres Pfarrer gehört hatte, entwickelte die 17-jährige Benoîte das starke Verlangen, die Jungfrau Maria zu treffen. Wenig später erschien ihr der Hl. Mauritius, ein Märtyrer aus dem 3. Jahrhundert, der in Laus stark verehrt wurde, nahe einer verfallenen Kapelle, die ihm geweiht war. Er verkündete ihr, dass ihr Wunsch bald erfüllt werden würde.[2] Er warnte sie auch, dass die ansässige Garde ihr ihre Herde wegnehmen würde, wenn sie sich weiter in diesem Bereich aufhielte. Der Hl. Mauritius wies sie an, in ein nahe gelegenes Tal namens "Vallon des Fours", oberhalb von Saint-Étienne, zu gehen, wo sie die Muttergottes sehen würde.[5][7]

Am nächsten Tag, dem 16. Mai 1664, führte Benoîte die Schafe in dieses Tal. Sie kam zu einer Grotte, wo ihr eine "wunderschöne Dame" erschien. Sie bot ihr an, das harte Brot zu teilen, das sie bei sich trug. Die wunderschöne Dame lächelte, verschwand aber wieder, ohne ein Wort zu sagen.[6][7] Für etwa vier Monate kam die Dame jeden Tag wieder, sprach mit Benoîte und gab ihr intensiven Unterricht, was ihr Verhalten und ihr geistliches Leben veränderte. Andere konnten die Stimme der Dame nicht hören. Am 29. August 1664, enthüllte die "wunderschöne Dame " ihre Identität: "Ich bin Maria, die Mutter meines lieben Sohnes." (Je suis Dame Marie, la mère de mon très cher Fils.)[2][6][7]

Nachdem die Erscheinungen für ein Monat bis Ende September 1664 pausiert hatten, erschien die Jungfrau Maria Benoîte wieder, diesmal auf der anderen Seite des Tals, in Pindreau. Die Dame wies sie an, nach Laus zu gehen und dort nach einer Kapelle zu suchen, aus der süße Düfte strömen ("chercher au Laus une petite chapelle, où flottent de suaves odeurs"). Dort würde sie ihr oft begegnen und mit ihr sprechen ("lui parlera et la rencontrera très souvent").[2][8][9] Am nächsten Tag machte sich Benoîte auf den Weg nach Laus und folgte dem Duft, der sie zur Kapelle Notre-Dame du Bon-Rencontre führte. Auch wenn es dort nach Veilchen roch, war die Kapelle in einem schlechten Zustand. Als sie drinnen am Altar stand, enthüllte die Jungfrau Maria ihr ihren Plan: "Ich habe meinen Sohn um einen Ort für die Bekehrung der Sünder gebete und er hat ihn mir gewährt."[2][7] Es sei ihr Wunsch, dass hier eine Kirche zur Ehre ihres Sohnes und der ihren erbaut werde, wo sich viele Sünder bekehren werden würden.[9][10] Wenn dieses Heiligtum gebaut worden sei, solle das Öl aus dem Ewigen Licht Wunder an den Kranken vollbringen, wenn sie damit im Glauben an ihre Fürsprache gesalbt werden würden.[6][7]

Antoine Lambert, der Generalvikar der Diözese, zweifelte anfangs an diesen Visionen. Er wollte Benoîtes Geschichte überprüfen und wies sie an, die Muttergottes nach einem Zeichen oder einem Wunder zu fragen, um die Authentizität ihrer Erscheinungen zu beweisen. Wenig später nahm eine Frau mit verkrüppelten Beinen, die nach hinten verdreht waren und für die es laut den Ärzten keine Heilung gab, an einer Novene in der Kapelle teil. Am letzten Tag der Novene drehten sich ihre Beine in die normale Position zurück und sie rief "Wunder!", als sie die Kapelle betrat. Pfarrer Lambert, der an jenem Tag dort die Messe feierte, war zu Tränen gerührt und rief aus: "Ja, das ist die Hand Gottes!" Nach diesem außergewöhnlichen Ereignis gab er die Erlaubnis zum Kirchenbau, den die Jungfrau Maria verlangt hatte.[7]

54 Jahre lang erschien die Muttergottes Benoîte im Laufe ihres ganzen Lebens. Benoîte wurde Laiendominikanerin und mit "Schwester Benoîte" angesprochen.[2][7] Maria gab ihr den Auftrag, die Pilger willkommenzuheißen. Sie erhielt auch die Gnade der Seelenschau, um den Pilgern zu helfen, eine gute Beichte abzulegen, indem sie sich ihrer Sünden bewusst wurden, sich an die vergessenen erinnerten und sie reuig im Beichtsakrament bekannten.[6] Viele Zeugenberichte beschreiben den himmlischen Duft, der die Kirche jedes Mal erfüllen würde, wenn Maria Benoîte erschien.[7] Zusätzlich zu den Marienerscheinungen erschienen ihr auch Engel, verschiedene Heilige und sie hatte mystische Visionen vom Paradies.

Zwischen 1669 und 1684 wurden ihr fünf Mal Visionen des Gekreuzigten am Kreuz von Avançon gewährt. Am Freitag, den 7. Juli 1673 sagte laut eigenen Angaben Jesus am Kreuz zu Benoîte: "Meine Tochter, ich zeige mich Ihnen in diesem Zustand, damit Ihr an meinem Leiden teilhaben könnt." ("Ma fille, je me fais voir en cet état afin que vous participiez aux douleurs de ma passion.") Zwischen 1673 und 1684 durchlebte sie jede Woche von Donnerstag, 16 Uhr bis Samstag, 9 Uhr die Passion Christi mit ihm.[11][12]

Wallfahrtskirche

Notre-Dame du Laus

Das Heiligtum von Notre-Dame de Laus, auch „Zuflucht der Sünder“ genannt, ist das Zentrum des Wallfahrtsortes. Das heutige Gebäude ist eine Erweiterung der bereits 1666 erbauten Kirche, die nur das heutige Kirchenschiff und einen Glockengiebel umfasste. Jeder Pilger brachte aus dem Tal einen Stein hinauf, und 1669 wurde die Kirche fertiggestellt. Der an das Gebäude angrenzende imposante Glockenturm wurde 1834 von den Oblatenvätern der Unbefleckten Jungfrau Maria, die für das Heiligtum verantwortlich waren, hinzugefügt.[13] Der Kirche wurde am 18. März 1892 von Papst Leo XIII. den Rang Basilica minor verliehen.[14]

Literatur

  • Jean-Michel di Falco Léandri, Benoîte Rencurel, la visionnaire du Laus, Paris, Desclée de Brouwer, 2008 (200 Seiten).
  • Bertrand Gournay, Notre-Dame du Laus. L'espérance au cœur des Alpes, Paris, Téqui, 2008.
  • René Humetz, Enquête sur les parfums de Notre-Dame du Laus, Paris, Sarlent, 2008.
  • Itinéraires pèlerins de l'ancienne Provence. La Sainte-Baume, Notre-Dame de Moustiers, Notre-Dame de Laghet, Notre-Dame du Laus, Marseille, La Thune, 2002.
  • Roger de Labriolle, Benoîte. La bergère de Notre-Dame du Laus, Saint-Etienne-Le-Laus, Notre-Dame du Laus, 1977, 303 Seiten.
  • Adolfo Vázquez-Gundín (* 1963), Peregrinaciones cristianas de Europa. Destinos y rutas, Madrid, San Pablo, 2016.

Einzelnachweise

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