Nous sommes les fruits de la forêt
Dokumentarfilm von Rithy Panh aus 2025
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Nous sommes les fruits de la forêt (englischer Titel: We Are the Fruits of the Forest) ist ein Dokumentarfilm des kambodschanischen Regisseurs Rithy Panh. Der Film begleitet Angehörige der indigenen Bevölkerungsgruppe der Bunong in den Wäldern im Osten Kambodschas und thematisiert die fortschreitende Zerstörung ihres Lebensraums sowie den damit verbundenen Verlust von Land, Kultur und Identität. Seine europäische Premiere feierte der Film während der Berlinale im Februar 2026.
| Film | |
| Titel | Nous sommes les fruits de la forêt |
|---|---|
| Produktionsland | Kambodscha, Frankreich |
| Originalsprache | Central Mnong |
| Erscheinungsjahr | 2025 |
| Länge | 87 Minuten |
| Stab | |
| Regie | Rithy Panh |
| Drehbuch | Rithy Panh |
| Produktion | Catherine Dussart |
| Musik | Marc Marder |
| Kamera | Prum Mésar, Mourng Vet, Cheng Socheat, Sok Chan Rado, Rithy Panh |
| Besetzung | |
| |
Handlung

Anhand von schwarz-weißen Archivaufnahmen im Split-Screen, wird die Vergangenheit mit der Gegenwart der Bunong im Osten Kambodschas miteinander verbunden. Die historischen Bilder, die offenbar von ehemaligen Kolonialherren aufgenommen wurden, zeigen Ausschnitte einer einst traditionsreichen, fest verankerten indigenen Kultur. Im Mittelpunkt steht Pa Kreb, einer der letzten Vertreter einer umfassenden traditionellen Wissens- und Handlungspraxis der Allround-Skill-Kultur. Das Kamerateam begleitet ihn in seinem Alltag in den kambodschanischen Wäldern, wo er gemeinsam mit seiner Familie in enger Verbindung mit der Natur und allen Elementen lebt. Spirituelle Elemente sind selbstverständlicher Bestandteil des täglichen Lebens. Dazu gehören die Würdigung der Ahnen, die Bedeutung von Geistern aus dem Wald, den Bergen und der Erde sowie das Bewusstsein, dass jede Handlung Auswirkungen auf das eigene Leben und das Leben der Gemeinschaft hat. Mensch, Natur und spirituelle Welt sind in einem Kreislauf miteinander verbunden.
Die indigene Gemeinschaft bewirtschaftete früher zahlreiche Felder. Dafür wurden ausgewählte Waldflächen bearbeitet, um Reis, Gummibäume, Pfeffer, Auberginen, Chilis, Tabak, Kaffee und weitere Pflanzen anzubauen. Eine besondere Bedeutung kommt der Reispflanze zu. Sie ist Hauptnahrungsmittel und Bestandteil vieler Rituale. Nahezu alle Lebensbereiche stehen in Verbindung mit der Reispflanze, ihren Früchten und ihren Blättern. Die Bearbeitung der Felder erfolgt im Einklang mit den Jahreszeiten und den früher regelmäßig einsetzenden Regenzeiten. Eigene Rituale und spezifische Techniken begleiten Aussaat, Wachstum und Ernte. Aus pflanzlichen Materialien werden mit besonderen Flechttechniken Gegenstände hergestellt, die auf den Feldern angebracht werden und eine symbolische Schutzfunktion übernehmen. Das Wissen, der Anbau und die Nutzung, um die heilende Wirkung von Pflanzen, sind weitgehend verloren gegangen.
Pa Krebs Familie lebt in einer Holzhütte. Gekocht wird über offenem Feuer, Licht spenden batteriebetriebene Lampen. Die Kinder besitzen Smartphones, und für den Transport von Holz wird ein Motorrad genutzt. Das traditionelle Kochen in Bambusrohren, die mit Fleisch, Fisch oder Gemüse gefüllt und über dem Feuer gegart werden, ist weiterhin fester Bestandteil des Alltags. Nach Aussage Pas war die Beschaffung von Lebensmitteln früher einfacher. Der Wald sei reich an Wildtieren gewesen, die gejagt werden konnten. Heute gebe es nur noch wenige Tiere; meist würden Affen und Fische gefangen. Die Archivaufnahmen zeigen hingegen eine große Anzahl erbeuteter Tiere sowie das Halten und Dressieren von Elefanten.
Ein weiterer zentraler Bestandteil war die Holzverarbeitung. Pa Kreb berichtet, dass es in seinem Gebiet kaum noch große Bäume gebe. Die meisten Stämme ließen sich mit den Armen umfassen. Nur noch ein einzelner Baum habe einen Umfang, der mehrere Personen benötige, um ihn zu umschließen. Es wird eine Zeit beschrieben, in der der Wald kein Privateigentum war, und beliebig gestaltet und verantwortungsvoll genutzt werden konnte. Die Bunong konnten ihre Felder dort anlegen, wo es die Bodenqualität und die natürlichen Bedingungen zuließen. Die unterschiedliche Waldgebiete erfüllten jeweils eigene Funktionen: für Anbau, Jagd, Sammeln oder spirituelle Zwecke. Heute ist das Land in Parzellen aufgeteilt und als Privatbesitz ausgewiesen. Zäune markieren Grenzen, wo früher Übergänge waren. Den Bunong steht nur noch ein begrenztes Areal zur Verfügung. Die Folge ist eine intensivere Nutzung der verbliebenen Flächen. Felder können nicht mehr in ausreichenden Zyklen brachliegen, wodurch die Böden ausgelaugt werden. Die traditionelle Form des Wanderfeldbaus, die auf Regeneration angelegt war, wird dadurch strukturell unmöglich. Die Veränderungen betreffen nicht nur die wirtschaftliche Grundlage, sondern auch den symbolischen Raum der Gemeinschaft. Selbst der sogenannte Totenwald, ein Bereich mit ritueller Bedeutung für Bestattungen, ist mittlerweile überfüllt.
Der Verlust des Waldes hat unmittelbare Auswirkungen auf Lebensweise und kulturelle Praxis. Durch den Klimawandel und ökologische Veränderungen ist es schwieriger geworden, von den eigenen Erzeugnissen zu leben. Ein wesentlicher Teil des Einkommens stammt heute aus dem Verkauf von Holz. Die Preise unterliegen starken Schwankungen und richten sich nach der Nachfrage des Marktes. Dadurch entsteht ein Anpassungsdruck: Angebaut wird, was wirtschaftlich verwertbar ist. Eine vormals auf Selbstversorgung und Tausch basierende Wirtschaftsweise wurde im Zuge von Kolonialisierung, Globalisierung und Umweltveränderungen grundlegend verändert. Er weiß nicht, wie er die Schulden bei der Bank begleichen soll, und sieht sich gezwungen, sich mehr und mehr zu verschulden. Pa Kreb stellt die Frage, was aus der Kultur und den Traditionen werden soll, wenn er nicht mehr lebt. Mit ihm stirbt die Erinnerung an die einst so vielfältige Kultur, die von seinen Großeltern und Eltern noch viel aktiver gelebt werden konnte. Für seine Kinder wird die Weiterführung der überlieferten Lebensweise, nicht mehr möglich sein.
Produktion und Hintergründe

Rithy Panh nutzt in seinem Dokumentarfilm Splitscreens, in denen historische Archivaufnahmen der Bunong zu sehen sind.[1]
Veröffentlichung
Der Film feierte seine europäische Premiere am 14. Februar 2026, während der Internationalen Filmfestspiele Berlin, wo er in der Sektion Dokumentarische Form gezeigt wurde.[2]
Rezensionen
Das Portal Filmstars schrieb: „We Are The Fruits Of The Forest ist ein pessimistischer Film. Pa Kreb erscheint als ausgesprochener Kritiker jeglicher Modernisierung, und das allmähliche Verschwinden der kulturellen Traditionen der Bunong schmerzt ihn zutiefst. Die Rituale und Arbeitsweisen seiner Vorfahren schwinden ebenso wie ihre spirituellen Vorstellungswelten – immer mehr Bunong treten sogar zum Christentum über und stellen Kreuze auf. Das ist überhaupt das Allerschlimmste – bei Festen kommt der Sound mittlerweile aus der Boombox statt von den traditionellen Gong-Instrumenten, und noch jeder vormoderne Aberglaube wird im Verlust seiner Wirkmacht angemessen betrauert.“[1]
Elizabeth Kerr schrieb für die Screendaily: Panh und sein Kamerateam beobachten die ausweglosen Situationen der Familien objektiv, indem sie das Archivmaterial mit kontrastreichen Aufnahmen der grünen, beruhigenden Hügel Kambodschas ergänzen. Aus der Ferne sieht die Region so üppig aus wie eh und je, aber während Panh und sein Team weiterfilmen, entsteht schließlich ein vielschichtigeres Bild.[3]
Weblinks
- Nous sommes les fruits de la forêt bei IMDb
- "We Are the Fruits of the Forest" - Interview mit Rithy Panh auf Arte (Verfügbar bis zum 20. Februar 2029)