Nutrix
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Nutrix (von lat. nutrire, nähren, pflegen) ist die römische Bezeichnung für eine Amme oder auch für eine stillende Mutter.

Alltag
In der Zeit der römischen Republik galt es offenbar noch als konservatives Ideal, wenn Frauen ihre Kinder selbst stillten, wie es etwa von der Frau des älteren Cato erwähnt ist. Für die Kaiserzeit weisen Schriftquellen darauf hin, dass Mütter aus wohlhabenden Familien die Dienste einer Nutrix in Anspruch nahmen. Nach Grabinschriften waren diese Ammen häufig Sklavinnen oder Freigelassene der Familien, gehörten also zum Hausstand. Doch haben auch freie Frauen Kinder als bezahlte Amme betreut.
Zu den Aufgaben einer Nutrix gehörten neben dem Stillen und später dem Füttern mit Brei die alltägliche Säuglingspflege. Sie wickelte das Kind, beaufsichtigte es tagsüber und brachte es am Abend ins Bett. Familien der römischen Oberschicht bevorzugten griechische Ammen, da unter ihrer Obhut die Kinder zweisprachig aufwachsen konnten. Die Nutrix sang den Kindern vor und erzählte ihnen später auch Geschichten. Die Ammen behielten oft sehr lange einen intensiven Bezug zu ihren Schützlingen, manchmal folgten sie einem Mädchen noch nach deren Eheschließung in den neuen Haushalt.
Der Name Severina Nutrix (die Amme Severina) ist von einem Grabstein aus Köln bekannt.[1]
Säuglingstrinkgefäße
Aus der antiken Literatur sind Trinkgefäße für Säuglinge bekannt, die als titina oder ubuppa bezeichnet werden. Diese werden in Teilen der Forschung mit kugelförmigen Gefäßen aus Glas oder Keramik in Verbindung gebracht, die an der Seite eine charakteristische spitze Tülle zum Saugen aufweisen.[2]
Mythologie
In Nordafrika ist die Dea Nutrix als eigenständig verehrte Gottheit nachgewiesen. Der Beiname der Nutrix kann auch mit anderen Gottheiten assoziiert sein, etwa mit der Bona Dea. In den Provinzen finden sich Statuetten oder Reliefs von Mutter- oder Ammengöttinnen. Recht häufig sind derartige Funde in Poetovia, dem heutigen Ptuj.
Innerhalb der Mythologie sind nicht nur Göttinnen als Nutrix bezeichnet worden, sondern auch die Ziege Amalthea, die Jupiter säugte (Ovid, fast. V, 127) oder die römische Wölfin, die sich der Zwillinge Romulus und Remus annahm.
Literatur
- Gertrud Herzog-Hauser: Nutrix I. RE XVII,2 (1937), Sp. 1491–1500.
- Werner Hilgers: Lateinische Gefäßnamen. Beihefte Bonner Jahrbücher 31 (Düsseldorf 1969).
- Ursula Rothe: Der Grabstein der Severina Nutrix aus Köln. Germania 89, 2011, S. 191–214.
- Marjeta Šašel Kos: Nutrices: the most popular goddesses at Poetovio. In: Manfred Lehner und Bernhard Schrettle (Hrsg.): Zentralort und Tempelberg. Siedlungs- und Kultentwicklung am Frauenberg bei Leibnitz im Vergleich. Akten des Kolloquiums im Schloss Seggau am 4. und 5. Mai 2015. VGI Graz 15 = Studien zur Archäologie der Steiermark Band 1 (Wien 2016) S. 167–174 .